Empowerment

 Empowerment ist englisch und steht für Selbstbefähigung oder Selbstbemächtigung. Der Begriff kommt aus der amerikanischen Emanzipationsbewegung der Frauen und der Befreiungsbewegung der Schwarzen. Man lehnte sich auf gegen Unterdrückung und Machtlosigkeit. Basis dafür war die Rückgewinnung von Stärke und Kraft. Dann erst konnte man sich für die eigenen Rechte einsetzen und musste man sich nicht länger unterlegen fühlen.
Im psychiatrischen Bereich bedeutet Empowerment die Rückgewinnung der Einflussmöglichkeiten der Psychiatrisch Erfahrenen durch gesteigerte Mitbestimmung bei der Behandlung und den Behandlungsstrukturen. Auch die politische Einflussnahme ist damit gemeint.

Die seit 2000 existierende Selbsthilfebewegung in Deutschland wird immer größer und es gibt inzwischen Hunderte von Selbsthilfegruppen und mehrere größere Selbsthilfeorganisationen. Sie alle fordern eine subjektorientierte Psychiatrie ein, einen Umgang auf Augenhöhe zwischen Betroffenen und Fachleuten und den Abbau von Zwang, Gewalt und Bevormundung im psychiatrischen Bereich. Immer mehr Betroffene erlangen wieder ihre eigene Stärke und haben sich erfolgreich vom passiven Hilfsempfänger zum mündigen Behandlungspartner entwickelt.
Die vorliegenden Texte  behandeln die Förderung der Selbstbefähigung. Wie können die Profis ihre Klienten fördern, begleiten und unterstützen? Welcher Voraussetzungen bedarf es, damit die Menschen »sich ihrer ungenutzten, vielleicht auch verschütteten Ressourcen und Kompetenzen (wieder) bewusst zu werden, sie zu erhalten, zu kontrollieren und zu erweitern, um ihr Leben selbst zu bestimmen und ohne *expertendefinierte Vorgaben* eigene Lösungen für Probleme zu finden« (WEISS 1992)? Dabei ist zu differenzieren zwischen dem eigentlichen Empowerment, welches alleinige Aufgabe des Psychiatrisch Erfahrenen ist und der Unterstützung von Empowerment in der professionellen Arbeit.
Ein Wechsel der Perspektive findet statt vom ohnmächtigen Hilfsempfänger hin zu Menschen mit eigener Meinung, die nicht länger nur auf externe Hilfe bauen. Die vorher omnipotenten Helfer werden zu Beratern und Förderern eines zunehmenden Prozesses der Emanzipation und Partizipation.
Die Betroffenen nutzen immer noch nur einen ganz kleinen Teil der sich ihnen bietenden Möglichkeiten zu Selbsthilfe und Selbstbestimmung. Dies liegt auch daran, dass die psychiatrische Versorgung ihnen dabei Steine in den Weg legt:. So wird zu viel Verantwortung übernommen, zu wenig informiert und Mitbestimmung zugelassen bei der Medikation und Therapieplanung und es gibt lähmende traumatische Erfahrungen bei der Behandlung.
Das psychiatrische System interessiert sich erst seit kurzem für die Selbsthilfemöglichkeiten der Betroffenen und für deren Bewältigungsstrategien und individuelle Vorsorge. Forschung, Diagnostik und Therapieplanung sahen nur die Defizite der Patienten, doch vollzieht sich langsam ein Wandel weg von der defizitären Sichtweise hin zu deren Fähigkeiten und Ressourcen. Daraus ergeben sich für die Psychiatrie ganz neue Ansätze, um die Benutzer zu unterstützen und zu fördern.
Es zeigt sich gerade in den nicht als nutzerorientiert erlebten Bereichen, ob sich die Behandlung nun wirklich an den Bedürfnissen der psychiatrisch Erfahrenen orientiert. Darunter fallen die Medikamention und der Einsatz von Zwang und Gewalt. Vermehrte Selbstbestimmung kann dabei zu einer bedürfnisorientierten Behandlung führen.
Diese Seite samt ihren Unterseiten stellt verschiedene Erfahrungen und Konzepte zum Empowerment heraus.
 
Quellen:

  • Andreas Knuf, Ulrich Seibert "Selbstbefähigung fördern - Empowerment und psychiatrische Arbeit", Psychiatrie-Verlag, 2004

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