Ursachen und Folgen von Armut

Armut : Ursachen und Folgen

Armut hat viele Ursachen und auch viele verschiedene Folgen. Ursachen und Folgen beeinflussen sich häufig gegenseitig.

Geldmangel
Geldmangel kann Ursache und Symptom sein. Es gibt heute in Deutschland Millionen von gut qualifizierter Menschen, die arbeitslos wurden und von Hartz IV leben müssen. Hatten sie zuvor noch 2.000-3.000 Euro netto verdient, so müssen sie heute mit 345 Euro zurecht kommen. Im Vergleich zu absolut armen Menschen in einem unterentwickelten Land, die weniger als einen Euro am Tag zur Verfügung haben, mögen sich 345 Euro noch als üppig ausmachen, aber im Vergleich zum früheren Verdienst, im Vergleich zum gewohnten Lebensstandard und im Vergleich zu vielen anderen in der Republik, ist ein Hartz-IV-Empfänger bitter arm. Die Arbeitslosigkeit ist die Ursache des Geldmangels, aber Arbeitslosigkeit wäre ja durchaus zu verkraften, wenn man genügend Geld zur Verfügung hätte. Es ist das Fehlen von Geld, das arm macht, das einen hilflos und ohnmächtig fühlen lässt.

Verschuldung
Mehr als 7 Mio Deutsche sind überschuldet. Sie sind also nicht dazu in der Lage, auch unter Aufbietung ihres gesamten Einkommens und ihres Vermögens ihre Schulden innerhalb eines überschaubaren Zeitraums zu bezahlen, ohne ihre Grundversorgung zu gefährden. Ist oft das Resultat eines einschneidenden Erlebnisses (Arbeitsverlust, Kurzarbeit, Trennung, Scheidung, gescheiterte Existenzgründung, leichtsinniges Konsumverhalten). Mangel an Bildung führt dazu, dass Leute nicht mit ihrem Geld wirtschaften können.

Die Staatsverschuldung beträgt mehr als eine Billion Euro. Eine Billion sind 1000 Milliarden und eine Milliarde sind 1000 Millionen. Geld, das in die Rückzahlung von Krediten gesteckt werden muss, kann nicht für soziale Zwecke, für Bildung und Gesundheit, für Arbeitslosengeld oder die Rentenkasse, ausgegeben werden.
Viele arme Länder sind hoch verschuldet und nicht in der Lage, Programme der Armutsreduzierung durchzuführen. Besonders die Bereiche Bildung und Gesundheit leiden darunter enorm. Deshalb hat der für Schuldenerlass zuständige Internationale Währungsfonds IWF – die Entschuldung an die Vorlage so genannter Poverty Reduction Strategy Papers (PRSP) geknüpft. Darin wird festgelegt dass die zu entschuldenden Staaten Bildungsförderung und Gesundheitsmaßnahmen anwenden sollen.

Mangel an Bildung und Ausbildung
Armut verhindert Bildung, und Bildung verhindert Armut. Armut ist nicht nur von Geldmangel gekennzeichnet, sondern vor allem von einem Mangel an Wissen, einem Mangel an Gelegenheiten, einem Mangel an empowerment, also einem Bewusstseinsmangel. Empowerment bedeutet, dass ich mir etwas zutraue, dass ich etwas kann, dass ich Rechte und Fähigkeiten habe, dass ich mein Schicksal selbst in die Hand nehmen kann. Ich kann mein Leben gestalten, muss nicht passives Opfer von äußeren Umständen sein, sondern verstehe mich als Subjekt und Gestalter meiner eigenen Zukunft. Das ist Bildung. Das ist Wohlstand. Das ist mein Vermögenswert, das ist mein Kapital.

Hunger und Unterernährung

Wer hungert, der droht in seiner Not zu erstarren. Hunger und Mangelernährung schränken nicht nur die körperlichen, sondern auch die geistigen und seelischen Kapazitäten eines Menschen erheblich ein. Der Bevölkerungsanteil der Hungernden an der Gesamtbevölkerungszahl wurde bis 2006 in den Entwicklungsländern von 20 auf 17 Prozent reduziert. In absoluten Zahlen hat er nicht abgenommen.

Krankheiten (auch HIV)
Die Erkrankung eines Menschen führt dazu, dass er einer geregelten Arbeit nicht mehr nachgehen kann, nicht für ein Einkommen sorgen kann und verarmt. Aber umgekehrt gilt auch: Armut verursacht und verschärft Krankheiten.

Kindersterblichkeit und Lebenserwartung
In wohlhabenden Staaten kommt ein Kindtod (unter 5 Jahren) auf etwa 140 Kinder, die überleben. In Ländern mit niedrigem Einkommen stirbt jedoch jedes 10. Kind. Armut führt auch zu einer niedrigen Lebenserwartung. Dies hat zu tun mit mangelnder Hygiene, einer fehlenden Behandlung von Kinderkrankheiten, einer unzureichenden Gesundheitsversorgung, mit Unfällen in Berufsleben und Verkehr bzw. mit Gesundheitsschäden durch Umweltverschmutzung.

Bevölkerungswachstum
unkontrolliertes Bevölkerungswachstum trägt zur Armut bei, wenn eine ineffiziente Landwirtschaft die wachsende Bevölkerungszahl nicht länger ernähren kann. Der Mangel an Nahrungsmitteln ist nicht das eigentliche Problem, sondern die ungerechte Verteilung. Wer arm ist, kann sich die verfügbaren Nahrungsmittel nicht leisten.:
Arme Gesellschaften haben höhere Bevölkerungswachstumsraten als wohlhabende Gesellschaften. Ursachen für niedriges Bevölkerungswachstum sind neben Wohlstand und Bildung auch solche Faktoren wie: Ablenkung durch Fernsehen und andere Freizeitbeschäftigungen, Verfügbarkeit und Erschwinglichkeit von Verhütungsmitteln sowie eine Werteverschiebung weg vom Kind als angestrebtem Wohlstandsmerkmal hin etwa zur beruflichen Selbstverwirklichung.

Bewaffnete Konflikte, Flucht und Vertreibung

Bewaffnete Konflikte, Vertreibung und Flucht können viel Armut verursachen, weil die flüchtenden Menschen ihre angestammte Heimat unfreiwillig verlassen müssen und damit oft auch ihre Lebensgrundlage verlieren, nämlich die Felder, die sie nicht mehr bestellen können. Überdies taugt die beste Friedenspolitik nichts, wenn es keine faire Sozialpolitik gibt.

Terrorismus
Verbitterung und Terrorismus entstehen nicht aus heiterem Himmel, sondern wachsen auf dem Nährboden ungerechter Strukturen und inmitten von Ungerechtigkeit und Unterdrückung, von Perspektiv- und Hoffnungslosigkeit. Von der Resignation zum Ressentiment ist es nur ein kleiner Schritt. Ressentiments sind tief verwurzelte Affekte der Ohnmacht und Perspektivlosigkeit, die sich an den Gewinnern der Gesellschaften und der Globalisierung rächen wollen.

Klimawandel
Das Klima ist nicht nur Ursache, sondern auch Folge der Armut. Aber noch ist richtig, dass es doch in erster Linie der Wohlstand ist, der das Klima verändert. Die reichen Nationen sind die größten Umweltverschmutzer – noch. China, Indien und andere aufstrebende Entwicklungsländer beteiligen sich aber schon munter an der Umweltverschmutzung und damit am Klimawandel. Die Klimaerwärmung wird die bereits jetzt bestehenden Armutsprobleme wie Hunger und Krankheit nur noch verschärfen. Trinkwasser wird knapper werden, weil gerade die Feuchtgebiete zu den am stärksten bedrohten Ökosystemen der Welt gehören und weil Trockenperioden länger andauern.

Globalisierung
Die Globalisierung ist Ursache für Wohlstand als auch für Armut. Die durch Kommunikation, Reiseverkehr, Transport, Zahlungsverkehr usw. kleiner gewordene Welt ermöglicht es vielen Firmen, ihre Produkte rund um die Welt an den Mann und an die Frau zu bringen. Das bringt diesen Firmen und den für sie arbeitenden Menschen Umsatzgewinne und damit Wohlstand. Die Entstehung eines globalen Marktes bedeutet Gewinne und Wohlstand für Firmen, Länder und Individuen. Wohlstand entsteht auch dadurch, dass gängige Produkte in Billiglohnländern hergestellt werden, so dass sie auf unseren Märkten günstig angeboten werden. Dies erhöht die Kaufkraft des uns zur Verfügung stehenden Geldes und damit unseren Wohlstand. Aber die Globalisierung hat nicht nur Gewinner, sondern auch Verlierer. Globalisierung verursacht Armut. Es ist aber nicht allein die Globalisierung, die für diese Entwicklung verantwortlich ist, sondern auch die immer weiter steigende Produktivität, die mit immer weniger Arbeitskräften auskommt, sowie der Druck des Shareholder Value, der dazu führt, dass Aktiengesellschaften mehr an Gewinnen als an der Erhaltung von Arbeitsplätzen interessiert sind. Ein weiterer Grund, weshalb die Globalisierung Verlierer erzeugt, ist durch die Möglichkeit entstanden, innerhalb kürzester Zeit große Menge Geldes rund um den Globus zu verschieben, um auf diese Weise an Kursgewinnen und Währungsschwankungen zu verdienen. Anleger und Investitionsfirmen bringen ihr Geld dorthin, wo hohe Zinsen gewährt werden und die Steuern niedrig sind

Schlechte Regierungsführung

Schlechte Regierungsführung (engl. bad governance) wird oft als eine der Hauptgründe für die Armut bzw. Verarmung eines Landes identifiziert. Die Förderung verantwortungsvoller Regierungsführung (Good Governance) ist der richtige Weg zur Armutsbekämpfung und Demokratisierung in Entwicklungsländern.

  • Instabilität des Geldwerts
  • Wechselkursinstabilität
  • Zahlungsbilanzdefizite
  • Auslandsverschuldung
  • Ineffizienz des Regierungsapparates
  • Mangelnde Rechtsstaatlichkeit
  • Missachtung der Gewaltenteilung
  • Schlechtes Investitionsklima
  • Mangelnder Schutz der Eigentumsrechte
  • Vernachlässigung sozialer Belange (wie Bildung und Gesundheit)
  • Kriminalitätsraten
  • Schürung statt Lösung von Konflikten
  • Kulturelle Ursachen

Lebensgewohnheiten und Wertesysteme haben, die dem modernen kapitalistischen Wirtschaftssystem fremd sind und die deshalb auch einen anderen Wohlstands- bzw. Armutsbegriff kennen als wir.

Beispielsweise neigt das indisch-hinduistische Weltbild mit Seelenwanderung, Karma und Kastensystem dazu, die Armut der Kastenlosen zu zementieren. Nicht nur die höheren Kasten, sondern auch die Kastenlosen selbst finden sich weitgehend mit ihrem Schicksal ab, zur Armut verdammt zu sein, weil sie glauben, dass dies das ihnen von ihren vorigen Leben auferlegte Los ist.

Quellen :

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