Definition von Armut

Definition und Ausmaße der Armut

Armut
Armut bezeichnet den Mangel an etwas. In erster Linie bezeichnet Armut den Mangel an lebenswichtigen Gütern wie Nahrung, Obdach und Kleidung. Armut ist jedoch auch ein soziales Phänomen. Armut beschreibt nämlich den Zustand gravierender sozialer Benachteiligung mit der Folge einer „Mangelversorgung mit materiellen Gütern und Dienstleistungen" (Brodbeck, Karl-Heinz: Ökonomie der Armut).
Wenn wir von Armut sprechen, dann müssen wir unterscheiden zwischen verschiedenen Arten von Armut, der absoluten, der relativen und der gefühlten Armut.

Absolute Armut
Wenn eine Person weniger als 1,25 US-Dollar am Tag zum Leben zur Verfügung hat, dann leidet sie an absoluter Armut. Diese ist weniger in den Industriestaaten als in Schwellen- und Entwicklungsländern verbreitet. Etwa 1,2 Milliarden Menschen lebten 1990 noch auf diesem Niveau oder aber darunter. Seit 2004 sind es nur noch 970 Millionen Betroffene. Bis 2015 soll die Zahl aus den 90ern halbiert werden.
Es gibt noch die typische Armut, welche sich auf 2 Dollar pro Tag bezieht. Davon waren 1990 2,65 Milliarden Menschen betroffen und 2004 waren es immer noch 2,55 Milliarden Menschen. China erlebte im Gegensatz zu Indien solch ein Wachstum, dass es oft aus den Armutsberechnungen herausgerechnet wird.
Auf dem Lande (2,1 Mrd) ist die absolute Armut höher als in der Stadt (0,75 Mrd). Doch nimmt die Armut in den Städten zu, weil allerorts eine Landflucht in die Städte hinein stattfindet.
Prozentual betrachtet als Relation zwischen Gesamtbevölkerung und Unterschicht ergibt es sich, dass 60% in Ostasien und Pazifik zu finden sind bzw mit 50 % in Südasien.
Die absolute Armut kommt in Deutschland faktisch nicht vor, weil jeder, der Mangel erleidet, Anspruch auf Sozialhilfe gegenüber der Solidargemeinschaft hat. Davon ausgenommen sind Personen, die auf die Sozialhilfe verzichten ( 310.000 Obdachlose und 6.000 Straßenkinder) oder aber Personen, die keine Aufenthaltsberechtigung haben.

Relative Armut
Relative Armut bemisst sich am Durchschnittseinkommen der jeweiligen Wohlstandsgesellschaft. Wer weniger als die Hälfte des Durchschnittseinkommens zur Verfügung hat, der zählt zur jeweiligen Unterschicht (dem Präkariat). Der Betroffene leidet an einer Unterversorgung an materiellen und immateriellen Gütern. Daraus folgt eine Beschränkung der Lebenschancen im Vergleich zur Restbevölkerung. Die Würde des Menschen ist dabei oft in Gefahr. In der EU gilt als arm, wer nur über 60 % des Durchschnittseinkommens zur eigenen Verfügung hat.
Relative Armut darf nicht auf das Einkommen allein bemessen werden, sondern hängt von anderen Faktoren ab wie Vermögen, Schulden, Gesundheit, Bildung und Arbeitslosigkeit (Armutsbericht der Bundesregierung von 2005), die bei gleichem Einkommen höchst verschieden ausfallen. Die Arbeiterwohlfahrt spricht deshalb von Armutsdimensionen, um der Definition der Armut besser gerecht zu werden. Dazu gehören materielle Armut, Bildungsbenachteiligung, kulturelle Armut, soziale Armut, fehlende Werte, emotionale Armut, Vernachlässigung, falsche Versorgung und ausländerspezifische Benachteiligung. Die verschiedenen Modelle versuchen dabei, die ungleiche Verteilung von Chancen, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, zu beschreiben.
Laut Armutsbericht des DGB, des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes und der Hans-Böckler-Stiftung war 1998 jeder elfte Bundesbürger (9,1 %) relativ arm. Im ehemaligen Westen waren es nur 8,7 % und im Osten 10,7 %.. Nach EUROSTAT lag Deutschland 2001 mit der Armutsquote über Schweden (9%) und Dänemark (10%), jedoch weit unter dem Durchschnitt (15%) der damals 15 europäischen Staaten.
Besonders die Kinder sind hierzulande von relativer Armut betroffen. 2003 lebten 1,08 Mio Kinder in Haushalten, die Sozialhilfe bezogen und 2006 waren es schon mehr als 2 Mio.

Gefühlte Armut
Gefühlte Armut (soziokulturelle Armut) ist unabhängig von Einkommensgrenzen. Gefühlt arm sind die, welche sich wegen ihrer allgemeinen gesellschaftlichen Ausgrenzung (Diskriminierung) als verarmt betrachten oder in steter Angst vor Armut leben.
Wer freiwillig einen bescheidenen Lebensstil gewählt hat, der fühlt sich nicht arm. Wer sich jedoch als passives Objekt und Opfer von Umständen und Entwicklungen fühlt, die sich der Kontrolle entziehen, der leidet deswegen unfreiwillig materielle und seelische Not.
Gefühlte Armut ist oft das Ergebnis von Perspektivlosigkeit und Hoffnungslosigkeit. Gefühlte Armut ist dort am stärksten, wo der Reichtum einen auf Schritt und Tritt begegnet und betrifft die Menschen, die sich in der Verarmungsphase befinden oder sich von Verarmung bedroht fühlen.
Schon Kinder sind davon betroffen durch beengten Wohnraum, unzureichende Entfaltungsmöglichkeiten, eine schlechte Erziehung ohne geregelte Strukturen, Wertevermittlung, Vor- und Leitbilder oder durch fehlende systematische Förderung eines gesunden Selbstbewusstseins. Dazu kommen soziale Ungleichheiten bezüglich Taschengeld, Kleidung und Urlaub. Der Mangel wird meistens nicht der Gesellschaft angelastet, sondern den eigenen Eltern oder seinen eigenen Unzulänglichkeiten als Eigenversagen.
Es wird derzeit diskutiert, ob die soziokulturelle Benachteiligung eine Folge materieller Not ist oder aber die wirtschaftliche Armut eine Konsequenz der soziokulturellen Faktoren ist. Es dürfte sich um ein sich gegenseitig beeinflussenden Beziehungssystem handeln, den .Teufelskreis der Armut eben.

Der Teufelskreis
Wirtschaftliche Armut führt dazu, dass eine Familie nicht genug zu essen hat und die Familienmitglieder, vor allem die Kinder, unterernährt sind. Wegen Hunger und Unterernährung bleiben die Kinder immer wieder der Schule fern oder haben in der Schule Konzentrationsprobleme. Der sich ergebende Leistungsabfall führt dazu, dass sie frühzeitig ohne Abschluss von der Schule gehen. Sie bringen dann also keine ausreichende Qualifikation für eine gute Berufsausbildung mit. Demzufolge sind sie dazu gezwungen, Niedriglohnjobs anzunehmen. Sie verdienen wenig und können sich unter anderem keinen angemessenen Wohnraum leisten. Diese Verhältnisse gehen oft einher mit Alkoholgenuss, Drogenmissbrauch, Eheproblemen bis zu Trennung und Scheidung, Gewalt und Kindesmissbrauch. Arbeitslosigkeit kann dazukommen. Die zusätzlichen Faktoren verschärfen wiederum die Symptome und Folgen der Armut.
Gerade bei Obdachlosen wird das deutlich : Wer obdachlos ist, bekommt keinen Job. Wer keinen Job hat, wird nur sehr schwer eine Wohnung bekommen oder kann sich erst gar keine leisten.

Kinderarmut
"In Deutschland ist jedes fünfte Kind arm." Das sagt der Wochenbericht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. "Jedes sechste Kind in Deutschland ist von Armut betroffen." Das sagt der Bericht zur Lage der Kinder in Deutschland von Unicef aus dem Mai 2008. "Jeder Vierte zwischen 16 und 24 Jahre alte Jugendliche lebt in materieller Not oder ist davon bedroht." Das erklärt die Arbeitsgemeinschaft der Kinder- und Jugendhilfe (AGJ) Anfang Juni 2008.

Quellen :

Kommende Termine

Benutzeranmeldung