Das Brandopfer von Mainkofen - Fixierter Patient verstirbt bei Zimmerbrand

Und wieder ist es passiert: Am Morgen des Mittwochs, den 27. Juni 2012, verstarb ein 53 Jahre alter Patient um halb sieben Uhr im Deggendorfer Bezirksklinikum Mainkofen kläglich während eines Zimmerbrandes. Der Unglückliche war an fünf Punkten fixiert, deshalb zu keiner Bewegung fähig und konnte sich deshalb nicht aus eigener Kraft retten. Josef Fröschl, der Direktor der Bezirksverwaltung Niederbayern, beeilte sich in einer hastig organisierten Stellungnahme, der bestürzten Öffentlichkeit beschwichtigend mitzuteilen, dass der Tote laut Obduktionsbericht nicht bei lebendigem Leibe verbrannt sei, sondern schon vorher erstickt. Ein schwacher Trost ist das.

Gleich nach diesem schrecklichen Vorfall stand bezeichnenderweise schon fest, dass der Brand angeblich einen Schaden von satten 100.000 Euro verursacht haben soll. Bis heute ist jedoch die Ursache des Feuers im Zimmer mit dem fixierten Opfer unklar. Weitere 50 Patienten und das diensthabende Pflegepersonal der Klinik konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen. Beim Mainkofener Klinikum handelt es sich um eine Großanstalt, in der mehr als 1.400 Mitarbeiter etwa 850 kasernierte Patienten betreuen. Im Angebot stehen dort laut dpa die Fachrichtungen Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Forensiche Psychiatrie und Neurologie sowie eine neurologische Frührehabilitation.

Rätselhaft ist nach wie vor die Brandursache. Dem fixierten und damit zu keiner Bewegung fähigen Patienten war es nämlich schier unmöglich, das Feuer in dem Zimmer ohne Rauchmelder, dessen Tür verschlossen war, selbst zu legen.
Ob die Ermittlungen der Polizei zu einem Ergebnis führen werden, muss sich erst noch zeigen. Und ob die Kliniken aus diesem schrecklichen Vorfall ihre Lektion gelernt haben und bei künftigen Fixierungen Sitzwachen für verbindlich erachten werden, lässt sich nur erhoffen. Auch wäre nun wieder einmal der Punkt erreicht, Zwangsbehandlungen in Psychiatrien als Ganzes in Frage zu stellen und sich anderen Mitteln der Beruhigung als Fixierungen zuzuwenden. Dies fordert mitunter auch der Bayerische Landesverband Psychiatrie-Erfahrener (BayPE e.V.) in seiner Stellungnahme zu der Tragödie, der hoffentlich den weiteren Verlauf kritisch beobachten und auch die nötigen unbequemen Fragen stellen wird, bis der Todesfall in seiner Gänze aufgeklärt sein wird.

Der verstorbene Patient war einige Tage vorher in großer Erregung in die Klinik eingeliefert worden und musste vor dem Brand mehrmals vom Personal behandelt werden, wie der Direktor der Klinik, Wolfgang Schreiber, mitteilte.

Die Feuerwehr, die schnell vor Ort war, konnte das Feuer schnell unter Kontrolle bringen und den Brand auf ein einziges Zimmer begrenzen.

Bislang geht man davon aus, dass der Patient entweder das Feuer selbst gelegt hat oder ein technischer Defekt die Ursache sein könnte. Die Fixierung lässt die erste Ursache wohl ausschließen. Laut Schreiber war zudem das Zimmer, in dem der Brand ausgebrochen war, sehr spärlich eingerichtet. Es gab da weder eine Küche noch elektrische Geräte. Da sei doch auch die Frage erlaubt, wie die 100.000 Euro Sachschaden wohl zustande gekommen sein sollen.

Ob die mit der Verfolgung der weiteren Untersuchungen betrauten Behörden die nötige Bereitschaft zur umfassenden Aufklärung zeigen werden, ist noch recht unklar. Ob die Verantwortlichen dann letzten Endes auch wirklich zur Rechenschaft gezogen werden, wird erst die Zukunft zeigen oder ob man mit einem bedauernden Achselzucken zur Tagesordnung übergeht.

Das Ganze erinnert ja sehr stark an den nichtpsychiatrischen Fall Oury Jalloh, der 2005 in Dessau in Sachsen-Anhalt auf mysteriöse Weise in einer Polizeizelle ums Leben kam. Oury war ebenfalls fixiert und lag auf einer feuerfesten Matratze, die aus unerfindlichen Gründen Feuer fing. Oury soll dabei trotz der Fixierung an Händen und Füßen sein Feuerzeug, welches in der bei der Gefangennahme erstellten Asservatenliste nicht aufgeführt wurde, betätigt und seine eigene Kleidung sowie das Bett angezündet haben. Dabei bezeugten die Feuerwehrleute, dass sie die Leiche in ausgestrecktem Zustand vorgefunden haben. Die Polizisten, die das Zimmer mit einer Sprechanlage abhörten, ignorierten die Schreie aus der Zelle und schalteten den Alarm des Feuermelders einfach ab, weil dieser schon mehrfach falschen Alarm ausgelöst hatte. Die vorsätzlich schlampig arbeitenden Behörden zeigten danach auch keine große Laune, diesen Fall weiter zu verfolgen und ein wegen fahrlässiger Tötung angeklagter Polizist wurde 2008 vom Landgericht Dessau freigesprochen. Immerhin hat 2010 der Bundesgerichtshof dieses Urteil wieder aufgehoben und das Revisionsverfahren aufgenommen. Es wird spannend werden, welche Ergebnisse die neuerlichen Untersuchungen zeitigen werden. Inzwischen ergab die Obduktion nämlich, dass der Tote vor seinem Versterben durch Hitzeschock noch schwer misshandelt worden ist.

Der Brand am 27. Juni 2012 reiht sich ein in eine ganze Latte von änderungswerten Vorfällen in Bayern, wo die Zahl der Fixierungen in den letzten Jahren stark zugenommen hat..

So hatte 2011 ein Patient auf einer geschlossenen Station der Klinik Ingolstadt einen fixierten Mitpatienten mit einer brennbaren Flüssigkeit übergossen und diese dann angezündet. Das Opfer überlebte den Vorfall mit schweren Verbrennungen und den damit verbundenen starken Qualen.
Im selben Jahr wurde im bayerischen Augsburg eine Frau zehn Wochen lang fixiert und durch das Verbot von Besuchen isoliert von anderen gehalten. Die Frau wurde regelrecht gepeinigt: Flüssigkeit wurde ihr vorenthalten, die Fixierung zu stark und damit schmerzhaft vorgenommen, so dass ihre Atmung behindert war, eine ebenso mit Schmerzen verbundene unnatürliche und starre Kopf- und Körperhaltung erzwungen, was den Schlaf behinderte. Dazu kam die Verweigerung des Toilettenbesuchs und die menschenunwürdige Erniedrigung des Wasserlassens im Bett. Alles in allem kamen also folterähnliche und traumatisierende Prinzipien zum Einsatz, die keineswegs mit einem heilenden Prozess in Verbindung gebracht werden können.

Was können wir aus diesen wirklich schlimmen Vorgängen in Meinkofen lernen und in Zukunft besser machen? Zum Einen sind natürlich Zwangsbehandlungen an sich schon sehr fragwürdig. Inzwischen gibt es viele Alternativen, um die Patienten der Psychiatrie zu beruhigen. Falls trotzdem die Fixierung nötig ist, gibt es etwa im englischsprachigen Raum Netze, mit denen die Patienten menschenfreundlicher fixiert werden können. Und jeder Betroffene sollte sich so langsam daran machen, eine Patientenverfügung zu verfassen.

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