Was uns nicht fehlt, ist ein Mehr an Ich

09.03.2015 15:53
„Was uns nicht fehlt, ist ein Mehr an Ich“
Beim Institut „Religiosität in Psychiatrie und Psychotherapie“ (RPP) in Wien diagnostizierten Psychiater, Psychologen, ein Ordenspriester und eine Philosophin den zwanghaften Perfektionismus als Krankheitsbild unserer Zeit und gaben den Blick auf Vollkommenheit – auf ein Leben in Fülle – frei. Von Stephan Baier

Zwang zum Perfektionismus-Streben: „Germany's next Topmodel“-Jurorin Heidi Klum (rechts) und die Siegerin Stefanie (links).

Zur Vollkommenheit fehlte ihr nur ein Mangel“, schrieb der geniale Wiener Literat, Aphoristiker und Satiriker Karl Kraus einst über eine Dame. In diesem paradox anmutenden Aphorismus fing der Sprachkünstler die Erkenntnis ein, dass der Mensch nun einmal Mängelwesen ist – und die Verdrängung oder Leugnung der eigenen Mangel- und Fehlerhaftigkeit, der Wahn des Sichselbstgenügens darum etwas Unmenschliches in sich trägt. Ganz in diesem Sinn diagnostiziert der Wiener Psychiater, Neurowissenschaftler und Psychotherapeut Raphael M. Bonelli den Perfektionismus als Störung, die sich im Leistungsfetischismus, in Schlankheits-, Schönheits- oder Gesundheitswahn, aber auch in Erziehung und Partnerschaft, ja sogar in der Religiosität manifestieren kann, und die aus Angst und Ich-Haftigkeit geboren ist.

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