Theater-Premiere in Bochum: Wenn die Selbstzweifel zur Last werden

27.2.15

Theater-Premiere Wenn die Selbstzweifel zur Last werden

BOCHUM Mit einem komplexen, aber dennoch unterhaltsamen Stück begeistert der "Club der Psychiatrie" im Theater Unten. Die Mitarbeiter und Patienten der LWL-Klinik für Psychiatrie brachten unter der Regie von Sandra Anklam in diesem Jahr "Sin Sisters" auf die Bühne - ein Werk über Ängste, Selbstzweifel und Befreiung.

Trägheit ist Sünde, heißt es im Katechismus der katholischen Kirche. Und dennoch: Faul zu sein macht Spaß – und hat in der modernen Leistungsgesellschaft auch durchaus seine erholsame Berechtigung. Unter anderem darum, um den Spagat zwischen der Last einer vermeintlichen Sünde und ihrer wohltuenden Wirkung, geht es in dem gut einstündigen Stück „Sin Sisters“, das am Mittwochabend im Theater Unten Premiere feierte.

Dass sich Regisseurin Sandra Anklam ausgerechnet für dieses Stück der Nachwuchsautorin Verena Meyer entschied, ist wohl kein Zufall: Denn ihren Schauspielern, allesamt Mitarbeiter oder Patienten der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Präventivmedizin des LWL-Universitätsklinikums Bochum, dürfte die Thematik der Selbstzweifel durchaus bekannt sein. Umso glaubwürdiger wirkt das Stück, wirken die Passagen, die von Ängsten, aber auch von glücklichen Momenten nach den tiefen, emotionalen Tälern erzählen. Es macht Spaß, den Menschen auf der Bühne zuzuschauen, und zu rätseln, wie viel von der Bühnenperson wohl in den eigenen Biografien der Schauspieler selbst steckt. Zuweilen erscheint „Sin Sisters“ wie eine auf der Bühne ausgelebte Therapie.
Komplexe Bilder

Gut, aber auch fordernd ist das Stück selbst. Verschachtelt, voller abstrakter Momente und deshalb nicht immer gleich fassbar. Das kann manchmal zunächst überfordernd wirken und setzt eine Bereitschaft voraus, sich als Zuschauer aktiv mit dem Stück auseinanderzusetzen.

Doch wer mitdenkt, sich auf die mitunter äußerst ironischen und komplexen Bilder einlässt, der erlebt einen unterhaltsamen Theaterabend. Dessen herausragendster Moment – ohne die Leistung des übrigen, wirklich sehr guten Ensembles schmälern zu wollen – ist übrigens die Erzählerebene: Wenn der Mann im Mond zu einer Cover-Version von „Hurt“ der Nine Inch Nails die Geschichte einer Frau erzählt, die gegen ihre eigenen Probleme ankämpft, dann sorgt das weit mehr als einmal für Gänsehaut.

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