Hermann Brüggemanns Gruppe „Sonnenblume“ hilft Menschen mit Depressionen

Hermann Brüggemanns Gruppe „Sonnenblume“ hilft Menschen mit Depressionen

Er kann wieder strahlen: Hermann Brüggemann hat mit Hilfe anderer Menschen den Weg aus der Depression gefunden.

Lage. Als sein Lebensenergie-Akku ganz leer war, fasste Hermann Brüggemann einen Entschluss: „Wenn es dir besser geht, willst du dafür sorgen, dass es bei anderen nicht so weit kommt.“ 2006 rief er die „Sonnenblume“ ins Leben, eine Selbsthilfegruppe für Menschen mit psychischen Erkrankungen.

„Wir waren damals zu fünft und ich das schwächste Glied in der Kette.“ Hermann Brüggemann redet nichts schön. Der 62-Jährige steht zu seinen Depressionen. Eine Krankheit, die ihn vor knapp zehn Jahren in ein dunkles Loch gerissen hat, aus dem er sich jedoch befreien konnte. Mit Selbsthilfe und mit Sonnenblumen. In seiner Wohnung stehen sie überall, strahlende Varianten, die Licht in sein Leben bringen.

„Diese große Blume, die aus einem kleinen Samen erwächst, symbolisiert für mich, dass man immer für andere Leute eine Freude sein kann. Auch wenn man denkt, es geht nicht mehr.“ Hermann Brüggemann ist für die anderen in seiner Gruppe eine große Freude. Andersherum genauso. Er betont immer wieder, dass es in dieser Selbsthilfegruppe keine Leitung gibt, sondern alle mitentscheiden. „Hier ist eine Art Selbstkontrolle entstanden. Ich habe hier Menschen gefunden, die sich um mich kümmern. Die merken, wenn sich mein Gemütszustand verändert und dann sagen: ,Hermann, pass auf dich auf, du musst etwas unternehmen.’“

In seinem Fall können Lichtlampe oder Tabletten helfen. „Diese Selbsthilfe ist für mich die Lösung. Ich bin ein großer Verfechter von Gruppentherapien. Dieser Erfahrungsaustausch mit anderen, die ähnliche Probleme haben, hat mir unheimlich gut getan und tut es noch“, nennt Brüggemann die Gründe, warum diese Gruppe, die sich nicht nur jeden Dienstag in den Räumen der AWO Detmold zum Frühstück mit anschließendem Gruppengespräch trifft, sondern auch gemeinsame Aktivitäten plant, zu seinem Lebensmittelpunkt geworden ist. Er spricht von seinem „vorherigen“ Leben, wenn er an die Zeit zurück denkt, als er schwerhörig wurde und dadurch seinen geliebten Beruf als Lehrer aufgeben musste.

„Damit hatte ich meinen Lebenssinn verloren“, beschreibt er den Zeitpunkt, als es plötzlich keinen Grund mehr gab, morgens aufzustehen. Der Weg zurück war lang und steinig. Nach einem Aufenthalt in der Psychiatrie fehlte eine Tagesstruktur, die sozialen Kontakte waren kaputt. „Psychische Erkrankungen gelten in der Gesellschaft leider als Makel und werden oft nicht ernst genommen“, weiß der Pensionär aus eigener Erfahrung. Deshalb erfordere es viel Mut, sich zu outen. Brüggemann will, dass Vorurteile in der Öffentlichkeit abgebaut werden und gibt deshalb auf Fachveranstaltungen den Anliegen psychisch Kranker eine Stimme. Am Ende müsse herauskommen: „Es gibt immer Hoffnung. Wenn du platt bist, heißt das nicht, dass das für immer sein muss.“

Weitere Infos unter www.sonnenblume-lippe.de.

Unsere Serie stellt zehn Menschen vor, aus deren Reihen bei der Aktion von Kreis Lippe und LZ der Ehrenamtler des Jahres gewählt wird. Morgen: Iris Schön, Kalletal.

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