Mein Freund Harvey

25.02.2015
„Mein Freund Harvey“ im Konzert Theater als Komödie mit kleinen Schwächen : Lechtenbrink als sympathischer Spinner

Wer ist hier Psychiater , wer Patient wer normal, wer verrückt? Diese Frage stellt sich bei der Komödie „Mein Freund Harvey“ um einen unsichtbaren Riesenhasen im Konzert Theater häufiger.

Coesfeld. Myrtle Mae ist auf Facebook die größte Lachnummer, sie kann keine Freunde nach Hause einladen und schämt sich in Grund und Boden. Und alles nur, weil ihr Onkel Elwood einen neuen Freund hat, Harvey, einen mehr als zwei Meter großen Hasen, den außer ihm niemand sehen kann, den er aber jedem vorstellt und mit dem er liebend gern durch die Bars zieht, um „einen Kleinen zu lüpfen“. Ihre auf Grund der Ereignisse zur Hysterie leidende Mutter Veta (überzeugend Maria Hartmann) sieht keine andere Lösung, als ihren Bruder in die Psychiatrie einweisen zu lassen.

Regisseur Andreas Kaufmann verlegt die 1944 am Broadway erstmals aufgeführte und mehrfach verfilmte Komödie „Mein Freund Harvey“ in die Zeit von Google und Handymania und lässt sie in einem tourneetauglichen Bühnenbild spielen, das sich durch Drehelemente schnell vom gediegenen Herrenhaus in ein steriles Sanatorium verwandeln lässt.

Besonders in dem hypermodernen Sanatorium wirkt Elwood P. Dowd mit seiner höflichen Freundlichkeit wie aus einer anderen Zeit gefallen. Volker Lechtenbrink verkörpert diesen sympathischen Spinner sehr souverän mit selbstverständlicher Leichtigkeit und verleiht ihm damit eine aus dem Herzen kommende liebenswürdige Lebensklugheit. Mit feinem Lächeln geht er auf alle Menschen zu und nimmt sie so, wie sie sind.

Dieses friedfertige Verhalten führt im Laufe des Abends häufiger zu der Frage, wer hier normal und wer verrückt ist – so landet zunächst auch Veta statt ihres Bruders in der Psychiatrie. Im Gegensatz zu Elwood sind die anderen Figuren eher als Karikaturen angelegt. Der gärtnernde Psychiater, seine kindlich-naive Frau, die wie eine verängstigte Maus wirkt, der muskelstrotzende dümmliche Pfleger, die bockige Myrtle, der ewig am Handy hängende Anwalt, sie alle agieren eher stereotyp. Am menschlichsten wirkt noch der Chef der Psychiatrie, der mit feinen Gesten letztendlich signalisiert, dass auch er den Hasen sieht.

Diese Komödie lebt in erster Linie von spritzigen Dialogen, in denen die Protagonisten beständig aneinander vorbeireden. Dabei springt der Funke ins Publikum eher zögernd über, die ersten lauten Lacher gibt es erst kurz vor der Pause.

Im zweiten Teil nimmt das Verwirrspiel zwischen Wahn und Wirklichkeit Fahrt auf, die komischen Situationen werden herrlich überspitzt. Gleichzeit gibt es aber auch Passagen, die eher leise und nachdenklich für Menschlichkeit plädieren und dafür, jedem seine kleinen Marotten zu lassen. So wirkt Harvey durch Elwood letztlich als Katalysator, der Menschen – einschließlich zweier Liebespaare – zusammenbringt. Fazit: ein unterhaltsamer Abend mit kleinen Schwächen.

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