Rauchen, schnupfen, spritzen

Rauchen, schnupfen, spritzen
Die Droge Crystal Meth lässt sich vielfältig konsumieren - mit teils drastischen Folgen. Das zeigten ein Theaterstück im Leubsdorfer "Lindenhof" und die anschließende Diskussion.

Leubsdorf. Als vor Vorstellungsbeginn am Montagabend von einem der Organisatoren in den Saal gefragt wird, wer jemanden kennt, der mit der Synthetik-Droge Crystal Meth schon in Berührung gekommen ist, zeigen fünf, sechs Hände auf - bei mehr als 170 Gästen. Die meisten von ihnen sind Schüler - von den Oberschulen in Eppendorf und Oederan und den Gymnasien in Augustusburg und Brand-Erbisdorf.

Heißt das: Thema verfehlt im Leubsdorfer "Lindenhof"? Weil es keines ist in der ländlichen Idylle? Entwarnung in der Region zu einem Problem, das derzeit Medien- oder Polizeiberichte wie wenige andere prägt?

Susann Bunzel hielt dagegen vor gebanntem Publikum in der Diskussion mit Schauspielern und Schülern nach Aufführung des Theaterstücks "Crystal - ein Stück Koma". Nachwuchsmimen des Annaberg-Buchholzer Eduard-von-Winterstein-Theaters hatten es auf die Bühne gebracht. Bunzel von der Fachstelle für Suchtprävention der Stadtmission Chemnitz ergänzte die künstlerische um ihre Fachsicht bei vielen Fragen aus dem Publikum.

Wie wird Crystal konsumiert?

Die Möglichkeiten sind vielfältig: Es kann geraucht, geschnupft, gespritzt oder in Wasser aufgelöst und getrunken werden.

Was ist gefährlicher - Crystal oder legale Drogen wie Nikotin?

Deutschlandweit sterben jährlich die meisten Menschen im Zuge von Drogenkonsum durch die Folgen von Nikotin und Alkohol. Insofern seien legale Drogen gefährlicher. Allerdings mache Crystal schneller abhängig. Legale Drogen würden überdies nicht unter staatlicher Aufsicht hergestellt wie Schnaps oder Zigaretten. Es bestehe darum die Gefahr, dass zusätzliche Gefahrenstoffe enthalten seien, merkte ein Zollbeamter in der Diskussion an, der als Interessierter im Publikum an der Veranstaltung teilgenommen hatte.

Welche Folgen hat Crystal-Meth-Konsum?

Zunächst steige die Leistungsbereitschaft bei Konsumenten. Sie könnten länger wachbleiben, wirkten aktiver. "Man sieht einem Menschen auch nicht sofort an, dass er Crystal genommen hat", sagte Bunzel. Wer es regelmäßig einnehme, könne depressiv werden, an schweren Zahn-, Kiefer- und Nervenleiden erkranken. Mitunter seien Konsumenten 14 Tage lang wach, ohne Unterbrechung. Abhängige nähmen mitunter Cannabis - um wieder "runterzukommen" - und Crystal Meth im Wechsel. Da Crystal Hunger- und Durstgefühl unterdrücke, komme es oft zu drastischem Gewichtsverlust und Flüssigkeitsmangel.

Gibt es Tests?

Es gibt Blut-, Urin-, Speichel- oder Haartests. Geprüft werden dürfe indes nur, wenn der oder diejenige dazu einwilligen oder wenn es juristisch angeordnet werde.

Was ist strafbar?

Nicht nur Besitz, Konsum und Handel sind strafbar, sondern auch Kuriertätigkeit und besonders die Einfuhr aus dem Ausland. Vergehen werden im polizeilichen Führungszeugnis ausgewiesen, ergänzte der Zollbeamte. Das kann für die berufliche Zukunft Konsequenzen haben, auch dafür, ob man zum Führerschein zugelassen wird.

Die richtigen Freunde sind ...

... die, die aufeinander aufpassten - und die laut Susann Bunzel einem Freund gegenüber ein "Nein" gelten ließen, wenn er oder sie Alkohol, Nikotin oder andere Drogen ablehnt. Eltern könnten reden, mahnen oder warnen mit dem Tenor "Tu dies nicht! Gib Dich nicht mit jenen ab!" Doch Kinder und Jugendliche wollten mehr als Erwachsene zu ihrem Freundeskreis oder zur Clique dazugehören und akzeptiert werden.

"Je näher man der Grenze ist, desto größer ist das Drogen-Problem"

Ralf Börner (CDU), Leubsdorfs Bürgermeister (Foto): "Crystal ist ein Thema in den Schulen wie Drogen allgemein. Ich bin froh, dass wir mit dem Stück der Annaberger Nachwuchsschauspieler vom Eduard-von-Winterstein-Theater dafür sensibilisieren konnten. Unsere Hoffnung ist, dass die Eindrücke zu den Gefahren und möglichen Folgen in den Köpfen der Jugendlichen hängenbleiben. Denn auch auf dem Lande gibt es junge Leute, die durch Drogenkonsum abdriften. Sie kommen durch die weiterführenden Schulen und Freizeitmöglichkeiten, die in größeren Städten konzentriert sind, immer früher damit in Kontakt."

Conrad Schwulst, Schüler der Heiner-Müller-Oberschule Eppendorf: "Ich fand die Vorstellung realistisch, auch wenn ich selbst niemanden kenne, der abhängig ist von Crystal."

Erik Freyer, Schüler des Brand-Erbisdorfer Gymnasiums und wie Conrad Schwulst 15 Jahre alt: "Mich hat das Stück sehr berührt - auch weil meine Mutter, die Zahnärztin ist, selbst immer wieder Patienten hat, die anscheinend Crystal nehmen. Manche haben schlimme Zahn- und Kieferschäden. Ein Freund hat auch seine Wohnung verloren, weil er Drogenprobleme hatte."

Thomas Friedrich, Pressesprecher des Eduard-von-Winterstein-Theaters (Foto): "Wir waren zur Vorbereitung des Stücks mit Polizisten in Annaberg in Kontakt und wissen, dass es bei Crystal eine riesige Dunkelziffer an Fällen gibt. Je näher man der Grenze ist, desto größer ist das Drogen-Problem. Da das Stück sehr stark nachgefragt wird, wollen wir es voraussichtlich auch in den kommenden Spielplan aufnehmen." (mick)

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