Ein Schnuppertag in der Psychiatrie

Ein Schnuppertag in der Psychiatrie

Lippische Nervenklinik organisiert erstmals Hospitationstag für Berufsschülerinnen

Dieter Asbrock am 25.02.2015 um 08:27 Uhr

Überraschende Düfte: Phillis Ayiz (rechts) und Jacqueline Langner schnuppern an Proben, die in der Demenztherapie verschüttete Erinnerungen bei den Patienten wieder hervorholen sollen. - © Dieter Asbrock Überraschende Düfte: Phillis Ayiz (rechts) und Jacqueline Langner schnuppern an Proben, die in der Demenztherapie verschüttete Erinnerungen bei den Patienten wieder hervorholen sollen. (© Dieter Asbrock)

Bad Salzuflen. Über die Arbeit einer psychiatrischen Klinik ist auch in medizinischen Berufen oft nur wenig bekannt. Die Nervenklinik Dr. Spernau will das ändern. 17 angehende medizinische Fachangestellte haben einen Blick hinter die Kulissen geworfen.

„Die Klinik Dr. Spernau engagiert sich sehr für die Anti-Stigmatisierung. Wir wollen einen Beitrag dazu leisten, Vorurteile gegenüber psychisch Erkrankten abzubauen“, erklärte Markus Tenkhoff im Gespräch mit der LZ. Dafür hatte man sich medizinische Fachangestellte (MFA), sprich Arzthelferinnen, als Zielgruppe ausgesucht, da sie an der Schnittstelle zwischen dem Arzt und dem Patienten und seinen Angehörigen arbeiten.

Der Paderborner Berufsschullehrer Kai Uhlenbrock zeigte sich sehr angetan von der Möglichkeit, mit 17 MFA-Schülerinnen einen Hospitationstag bei Dr. Spernau wahrnehmen zu dürfen. In Pharmabetriebe komme man schon mal hinein, Labore und Kliniken scheuten in der Regel den Aufwand, der mit einem solchen Fortbildungstag verbunden sei. Er habe daher dankbar das Angebot aus Bad Salzuflen aufgegriffen, wobei der Ablauf auf den aktuellen Lehrplan der Berufsschule habe angepasst werden können.

Die angehenden MFA-Schülerinnen nutzten die Gelegenheit und ließen sich über die Themen „Burn-out“ und „Umgang mit schwierigen Patienten“ informieren, bekamen unter dem Begriff „Fest der Sinne“ einen erlebnisorientierten Einblick in Sinn und Anwendung der Aromatherapie, und wurden durch alle LNK-Stationen geführt. Sie erfuhren auch, wie Ergo- und Physiotherapie und selbst der nahe gelegene Kurpark die Behandlung unterstützen. „Die Schülerinnen sollten die Arbeit in der Psychiatrie kennen lernen, Eindrücke aus der praktischen Arbeit gewinnen und diese an Kollegen, Patienten, Ärzte weitergeben“, sagte Markus Tenkhoff. Da ein Großteil der Therapien ambulant erfolge, könne eine MFA im Alltag durchaus auf Patienten einer psychiatrischen Klinik treffen. Der Hospitationstag könne helfen, diesen Patienten angemessen zu begegnen. LNK-Pflegedienstleiter Rainer Klessmann ergänzte, die Zahl der psychischen und psychosomatischen Erkrankungen nehme stetig zu, ebenso die Wartezeit bis zum Beginn einer ärztlichen Behandlung.

Für die Patienten, die meist freiwillig zur LNK kämen, werde der Übergang in den ambulanten Bereich einfacher, wenn sie auf entsprechend sensibilisiertes Personal in den Arztpraxen träfen. Insofern sei der Hospitationstag, der erstmals stattfand, auch für die Klinik Dr. Spernau langfristig von Vorteil. Sie soll deshalb nach dem Wunsch von Rainer Klessmann auf jeden Fall wiederholt werden.

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