Einmalige Klingebiel-Zelle soll in Göttingen bleiben

Niedersachsens Wissenschaftsministerin Klajic für Verbleib
Einmalige Klingebiel-Zelle soll in Göttingen bleiben

24.02.2015 - 15:56

Göttingen. Die denkmalgeschützte Klingebiel-Psychiatrie-Zelle soll an ihrem festen Platz auf dem Gelände des Asklepios Fachklinikums Göttingen – früher Landeskrankenhaus – bleiben.

Das wünscht sich Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) und hat das in einem Brief an Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) formuliert. Die von dem Psychatrie-Patieten Julius Klingebiel in den 50-er-Jahren bemalte Zelle gehöre nach Göttingen, weil sie mit der Psychiatrie-Geschichte verbunden sei. Bedroht ist der Bestand des Raumkunstwerkes Klingebiel-Zelle, weil das „Feste Haus“ des Maßregelvolzugs Moringen 2015 geräumt wird, die dort untergebrachten 30 psychisch kranken Straftäter in den benachbarten Neubau am Rosdorfer Weg umziehen werden.

Was passiert dann mit dem „Festen Haus“ und dem nicht öffentlich zugänglichen Kunstwerk Klingebiel-Zelle? Zieht sie gar in das Sprengel-Museum Hannover um. Oberbürgermeister Köhler, die Politiker aus Rat und Kulturausschuss wollen das verhindern, ihnen schwebt der Umbau des „Festen Hauses“ zum Museum vor.

Niedersachsens Ministerin für Wissenschaft und Kultur, Gabriele Heinen-Kljajic, weiß von diesen Plänen indes nichts, bestätigt aber, das Kulturdenkmals unbedingt erhalten zu wollen. „Für uns ist wichtig, dass eine möglichste breite Öffentlichkeit Zugang zu dem bemerkenswerten Kunstwerk erhält.“ Bislang seien weder die Stadt Göttingen noch Sprengel-Museum mit einem Vorschlag zum Erhalt der Klingebiel-Zelle an sie herangetreten. Konkrete Planungen gebe es im Ministerium deshalb auch nicht.

Am Dienstag dann meldete sich die Ministerin erneut zu Wort: Eine Umsetzung der Zelle wäre teuer. „Die beste Lösung wäre folglich ein Verbleib am jetzigen Ort.“ Das Kunstwerk ist einmalig und füllt eine etwa zehn Quadratmeter große, ehemalige Psychiatrie-Zelle in der gesicherten Einrichtung, dem „Festen Haus“ das zum Maßregelvollzug Moringen gehört, fast vollständig aus.

Die von Julius Klingebiel in zwölf Jahren entstandenen Wandmalereien genießen in der Kunstszene Wertschätzung und sind ein Beispiel für die Outsider-Kunst. Klingebiel hatte die Wände mit filigranen und symbolischen Darstellungen bemalt. Die Abbildungen zeigen Tiere, Landschaften und biblische Motive. Nur Tür, Fenster und Waschtisch hatte Klingebiel nicht bemalt.

„Das Kunstwerk muss vielen Menschen zugänglich gemacht werden“, sagt Dr. Manfred Koller, ärztlicher Direktor des Asklepios-Klinikums. Die Entscheidung über den Verbleib der Zelle müsse bald fallen. „Sollte das Feste Haus länger leer stehen, dann würde das Kunstwerk Schaden nehmen“, befürchtet Koller.

Buchtipp: Andreas Spengler, Dirk Hesse und Manfred Koller: „Die Klingebiel-Zelle. Leben und künstlerisches Schaffen eines Psychiatriepatienten“, bietet Wissenswertes, Verlag V & R, 27,99 Euro.

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