Menschen mit Migrationshintergrund und seelischen Erkrankungen brauchen mehr Unterstützung

18.02.2015
Menschen mit Migrationshintergrund und seelischen Erkrankungen brauchen mehr Unterstützung

In Deutschland leben mittlerweile 15.7 Mio. Menschen mit Migrationshintergrund, die Zahl der Asylanträge stieg 2014 um fast 60 % auf 202.834 Anträge. Verschiedene Studien1 zeigen, dass in dieser Bevölkerungsgruppe seelische Erkrankungen und Störungen signifikant häufiger auftreten als in der deutschen Bevölkerung. Gleichzeitig sind die Betroffenen hinsichtlich Versorgung und auch Stigmatisierung in einer fremden Gesellschaft in einer besonders schwierigen Situation.

Das Aktionsbündnis Seelische Gesundheit mit seinen rund 80 Mitgliedsorganisationen und Initiativen aus der psychiatrischen und psychosozialen Versorgung setzt sich dafür ein, die Stigmatisierung und Vorurteile gegenüber Menschen mit psychischen Erkrankungen - unabhängig von ihrer Herkunft oder Nationalität - abzubauen. Unter besonderen Bedingungen wie Asylverfahren, Isolation, soziale Brennpunkte, Bildungsferne, Armut und traumatischen Erlebnissen ist der Weg zu einer Behandlung oder Therapie für die Betroffenen oftmals erschwert. Der gleichberechtigte Zugang zum Versorgungssystem muss gewährleistet sein, informationsbedingte, kulturelle und kommunikative Barrieren müssen abgebaut werden.

Aufgrund der Globalisierung, steigender Mobilität und den damit verbundenen gesellschaftlichen Veränderungsprozessen nehmen zunehmend Menschen aus verschiedenen Herkunftsländern das hiesige Gesundheitssystem in Anspruch. „Um Barrieren zum und im Versorgungssystem zu reduzieren, ist gerade bei psychisch erkrankten Menschen ein sensibler Umgang mit den verschiedenen soziokulturellen Hintergründen und ihrer Haltung zu psychischen Erkrankungen unabdingbar. Interkulturelle Kompetenzen und insbesondere Angebote in Heimatsprachen sind deshalb unbedingt zu fördern“, fordert Dr. Iris Hauth, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) zum Thema Perspektiven der Migrationspsychiatrie in Deutschland.

Flüchtlinge und Asylsuchende erhalten derzeit in Deutschland keine angemessene Behandlung, wenn sie psychisch erkranken. Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) fordert deshalb anlässlich der Beratungen zum Asylbewerberleistungsgesetz im Deutschen Bundestag, Flüchtlingen und Asylsuchenden eine Krankenbehandlung zu ermöglichen, wie sie in der gesetzlichen Krankenversicherung festgelegt ist. „Flüchtlinge und Asylbewerber leiden häufig unter schweren psychischen Erkrankungen. Eine Psychotherapie wird ihnen jedoch in den meisten Fällen nicht oder erst nach langen Wartezeiten gewährt“, stellt BPtK-Präsident Prof. Dr. Rainer Richter fest. „Es ist unmenschlich, Flüchtlingen eine wirksame Behandlung ihrer psychischen Erkrankung zu verweigern.“

Viele der Bündnismitglieder im Aktionsbündnis Seelische Gesundheit bieten ihre Informations-materialien oder Internetangebote in mehreren Sprachen an. So die BPtK oder auch der Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker (BApK) mit ihren Broschüren „Wege zur Psychotherapie“ in türkischer und „Psychisch krank. Und jetzt?“ in türkischer und russischer Sprache. In knapper Form wird hier ein Einblick in die wichtigsten Themen für Familien mit psychisch kranken Menschen gegeben, so dass Angehörige sich auf dieser Basis bei anderen Stellen weitergehend informieren können. www.psychiatrie.de/bapk/publikationen/

In Berlin als Ballungsraum steht allen Bürgern vom Landesbeauftragten für Psychiatrie der Wegweiser „Psychiatrie in Berlin“ (7. Auflage) in acht Sprachen zur Verfügung und bietet einen Überblick über das Angebot psychiatrischer und psychotherapeutischer Hilfen im Land Berlin.

Weitere überregionale Hilfestellungen in verschiedenen Sprachen stellt der Dachverband der transkulturellen Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik im deutschsprachigen Raum e.V. (DTPPP) in seinem Onlineangebot zur Verfügung.

1 Wohlfahrt & Zaumseil 2006; Assion 2005; Koch et al. 2008; Schouler-Ocak & Haasen 2008, Veling et al 2008; Igel et al. 2010

Quelle: Pressemitteilung Aktionsbündnis Seelische Gesundheit

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