Cannabis: Heilmittel und Psychose-Auslöser

Gesundheit
Cannabis: Heilmittel und Psychose-Auslöser
Dienstag, 17. Februar 2015

Der Kontrast könnte kaum größer sein. Auf der Jahrestagung der American Association for the Advancement of Science in San Jose preisen Wissenschaftler die medizinische Wirkung der Droge Cannabis, die gewissermaßen als Verstärker körpereigener Endocannabinoide Angstzustände, Depressionen, posttraumatische Belastungs­störungen, Epilepsie und neuropathische Schmerzen lindert, wo andere Mittel versagen.

Die US-Regierung wird aufgefordert, die Klassifizierung von Cannabis als suchter­regende Droge ohne medizinischen Nutzen in der gleichen Kategorie wie LSD (Schedule III) aufzuheben. Auf der anderen Seite warnen Psychiater des King’s College vor den möglichen Nebenwirkungen.

In ihrer Fall-Kontroll-Studie unter Erwachsenen war der Konsum der wirkungsstarken Sorte „Skunk“ mit einem dreifach erhöhten Risiko auf eine erste Episode einer Psychose assoziiert. Regelmäßige Konsumenten erkrankten sogar fünffach häufiger. Die Autoren schätzen in Lancet Psychiatry, dass im Einzugsgebiet ihrer Klinik, das London südlich der Themse, insgesamt 24 Prozent aller ersten Psychosen auf den Konsum von Skunk zurückzuführen sind.

Dass die Ansichten so weit voneinander entfernt liegen, dürfte mit den insgesamt geringen Kenntnissen zu den klinischen Wirkungen der unterschiedlichen Varianten der THC-Droge zusammenhängen. Klar scheint, dass das Mittel „psychotomimetische“ Symptome auslösen kann, wie sie beispielsweise in einer experimentellen Studie an gesunden Probanden nach der intravenösen Gabe von THC in verschiedenen Dosierungen ausgelöst wurden.

Dass sie allerdings eine relevante Ursache für die Schizophrenie sind, lässt sich durch eine Fall-Kontroll-Studie kaum beweisen. Es bleibt immer die Möglichkeit einer reversen Kausalität, nach der Patienten im subklinischen Stadium der Schizophrenie sich stärker als andere zu der Droge hingezogen fühlen (möglicherweise sogar als Mittel gegen die sie belastenden psychischen Symptome).

Klärung könnten nur groß angelegte prospektive klinische Studien erbringen, an denen aber kein öffentliches Interesse besteht. In der Politik gibt es Widerstände, die sich aus der langjährigen Klassifizierung als illegale Droge erklären. Auf der Seite der Hersteller fehlt der wirtschaftliche Anreiz, sich mit einem Wirkstoff zu beschäftigen, der keinen Gewinn verspricht, dafür aber dem Ansehen als ethisch agierende Firma Schaden zufügen könnte.

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