Stadtdekan bittet Laien auf die Kanzel

13.02.15
Stadtdekan bittet Laien auf die Kanzel
Sie retten isolierte Menschen vor dem sozialen Tod: Bei den Fastenpredigten in St. Emmeram kommen auch Streetworker zu Wort.

Emmeramsplatz An die Ränder der Gesellschaft – zu den Armen und Benachteiligten – gehen, so lautete der Auftrag von Papst Franziskus für seine Priester. Wie auch jeder einzelne Gläubige konkret auf Menschen zugehen kann, die ins soziale Abseits geraten sind, darum wird es in diesem Jahr bei den Fastenpredigten in St. Emmeram gehen. „Manche Menschen sterben zweimal – Sozialer Tod kann schlimmer sein als körperlicher Tod“, so heißt das Thema für die fünf Abende der Reihe in der Basilika St. Emmeram.

Die Fastenpredigten haben in der Pfarrei eine lange Tradition. Stadtdekan Roman Gerls Idee, Leute aus dem Alltagsbereich bei den Predigten über ihre Erfahrungen berichten zu lassen, jährt sich 2015 allerdings erst zum dritten Mal. „Auch für Geistliche gibt es Grenzen“, weiß der Stadtdekan. Daher ist es ihm wichtig, dass auch Spezialisten wie Ärzte oder Sozialarbeiter bei den Predigten „von ihrem Leben, ihren beruflichen Erfahrungen und den Überzeugungen, für die sie einstehen, Zeugnis ablegen.“

Sozialarbeiter weisen den Weg

Fünf Sprecher geben in diesem Jahr tiefe und berührende Einblicke in das Leben von vereinsamten Menschen. Aus ihrem Alltag wissen sie genau, wo Vorurteile und Ängste lauern und wo Christen ansetzen müssen, wenn sie Mitmenschen in Not aus ihrem inneren Gefängnis herausführen wollen.

Für den Umgang mit Patienten, die unter einer Depression leiden, würden Geistliche natürlich nicht so gut ausgebildet wie etwa Fachärzte, sagt Gerl. Zum Thema „Sozialer Rückzug und Melancholie“ wird daher am 26. Februar Dr. med. Bernhard Heindl, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, in St. Emmeram sprechen.

Seinen Arbeitstag verbringt Ben Peter auf Parkplätzen, am Bahnhof und in Einkaufszentren. Er kümmert sich dort um Drogenabhängige und Jugendliche, die auf die schiefe Bahn geraten sind. Wenn er unterwegs ist, erlebt er niederschmetternde Geschichten. Doch durch seine intensive Arbeit kann er auch erklären, wie man eine Brücke zu verzweifelten Menschen bauen kann. Peter spricht am 19. März in der Basilika St. Emmeram.

Unbeschönigte Berichte

Für Flüchtlinge gibt es in Regensburg eine gute Willkommenskultur, trotzdem fragen sich immer wieder Christen, wie sie den Zuwanderern konkret helfen können und besser auf diese oftmals sehr isoliert lebenden Menschen zugehen können. Ansätze dafür wird Dr. Michael Griesbeck, Vizepräsident des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, bei der Fastenpredigt am 26. März liefern können.

Stadtdekan Roman Gerl ist es wichtig, dass bei den Berichten nichts beschönigt wird. Es gehe bei den Fastenpredigten gerade darum, auch Tabuthemen anzusprechen, sagt er. Als Seelsorger widmet Pater Clemens Obdachlosen und Gefangenen sein Leben. Auch er wird am 5. März in St. Emmeram 30 Minuten ganz offenherzig über seine Arbeit sprechen. Insgesamt dauern die Predigten jeweils rund 50 Minuten. Die musikalische Ausgestaltung übernimmt Matthias Schlier. Gesangs- und Instrumentaleinlagen werden sich abwechseln und das Thema des jeweiligen Abends aufgreifen.

Mit den Fastenpredigten kommt Gerl dem Bedürfnis vieler Christen nach einem persönlich-individuellen Glauben entgegen. Die relativ unkonventionellen Andachten sprechen auch Leute an, die normale Gottesdienste nicht erreichen. Einen regelrechten Boom erleben die Fastenpredigten daher in den vergangenen Jahren. Zwischen 150 und 250 Interessierte kommen regelmäßig in die Gottesdienste.

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