Warum Meth-Konsumenten so alt aussehen

Warum Meth-Konsumenten so alt aussehen

Spätestens seit der TV-Serie "Breaking Bad" wissen viele Menschen, welche negativen Auswirkungen Crystal Meth auf den Organismus haben kann. Forscher haben nun den Mechanismus entschlüsselt, der zu neurologischen Schäden, beschleunigter Alterung und körperlichem Verfall führt.

Kategorie: Drogen Erstellt am 12.02.2015.

Während in den USA die Droge weit verbreitet ist, ist Crystal Meth in Europa noch nicht so präsent. Jedoch werden auch hier - etwa in Tschechien - immer öfter geheime Labors ausgehoben und größere Mengen sichergestellt als noch vor ein paar Jahren. Besonders im krisengebeutelten Griechenland ist das Meth-Derivat Sisa um wenig Geld bei Dealern zu bekommen. Laut "Süddeutscher Zeitung" führte die Verbreitung der Droge auch zu einem rasanten Anstieg von HIV-Neuinfektionen in Griechenland.

Die Studie: "Methamphetamine Accelerates Cellular Senescence through Stimulation of De Novo Ceramide Biosynthesis" von Daniele Piomelli und Kollegen ist am 11. Februar 2015 in "PLoS ONE" erschienen.

Methamphetamin-Hydrochlorid oder Crystal Meth wirkt stark aufputschend und euphorisierend, es ist billig zu haben und intensiver als Kokain. Nach der Einnahme werden im Gehirn große Mengen Noradrenalin und Dopamin ausgeschüttet. Doch die Nebenwirkungen können dramatisch und äußerst gefährlich für den gesamten Organismus sein.
"Lebende Zombies"

Crystal Meth ist hochgradig neurotoxisch und führt bei Konsumenten häufig zu Psychosen, neurologischen Schäden und Gedächtnisstörungen. Dazu kommen deutlich sichtbare Folgen, wie Schockbilder im Internet zeigen: leerer Blick, ausgefallene oder faule Zähne, faltige und wunde Haut, dünner Haarwuchs etc.

Aufgrund ihrer äußeren Erscheinung werden Süchtige in Nordamerika abfällig als "lebende Zombies" bezeichnet. Die Ursache für den körperlichen Verfall, der bei Abhängigen auftritt, wurde nun vom Neurobiologen Daniele Piomelli von der University of California-Irvine (UCI) und Kollegen untersucht.
Alterung durch gestörten Fettstoffwechsel

Die Forscher führten Versuche an Ratten durch, und dabei zeigte sich, dass Crystal Meth den Fettstoffwechsel negativ beeinflusst. Die Droge führt zu einer erhöhten Produktion von Ceramiden - Fettstoffen, die unter anderem in der Hornschicht der Haut vorkommen. "Ceramide häufen sich nach der Einnahme hoher Dosen Methamphetamin in allen Geweben des Körpers an", erklärt Piomelli gegenüber science.ORF.at.

Wie der neurologische Mechanismus genau funktioniert, sei noch unklar. Zugleich mit den Ceramid-Anhäufungen zeigten sich aber starke Entzündungserscheinungen, die Zellen alterten schneller als üblich und starben in verschiedenen Regionen auch eher ab. Das ist laut den Forschern eine Erklärung dafür, warum auch menschliche Drogenkonsumenten häufig weitaus älter aussehen, als sie tatsächlich sind, und warum sie unter Krankheiten wie Gefäßverstopfungen und Bindegewebswucherungen in der Lunge leiden.

Mit dem Ergebnis der Studie hoffen Piomelli und seine Kollegen, künftig Patienten zu helfen, bei denen die Zellalterung schon fortgeschritten ist. Ceramid-Werte sollen als Marker verwendet werden, um den Fortschritt der Zellschädigung bei Patienten zu bestimmen. Zudem hoffen die Forscher, die Zellalterung durch gezielte medikamentöse Therapie einzuschränken und in Verbindung mit Verhaltenstherapie Erfolge bei der Entwöhnung zu erzielen.

science.ORF.at

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12.02.15

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