Die depressive Erkrankung (Depression)

Depression
Depression ist abgeleitet vom lateinischen Wort „deprimere“, welches mit „niederdrücken“ übersetzt wird. Depression ist also eine Krankheit, die mit psychischer Niedergeschlagenheit zu tun hat. Diese ist zusätzlich mit körperlichen wie seelischen Störungen gekoppelt. Schlafstörungen, Antriebslosigkeit und Verdauungsstörungen gehen oft mit der Erkrankung einher. Es handelt sich um eine affektive Störung und man spricht dabei je nach Verlauf von einer depressiven Episode oder einer rezidivierenden (wiederkehrenden) depressiven Störung. Behandelt wird die Krankheit mit Antidepressiva und Psychotherapie.

Zahlen
Die Schwermut ist so alt wie die Menschheit, so finden sich schon Beschreibungen im Alten Testament und bei den antiken Philosophen. Doch sind Depressionen je nach Zeit und Gesellschaft einem Wandel unterworfen was Beschwerdebild, Ursache, Verlauf und Häufigkeit anbetrifft.
Depressionen gehören mit den Angststörungen zu den verbreitesten seelischen Krankheiten (und der Krankheiten überhaupt). Wahrscheinlich leidet jeder zehnte bis vierte Patient, der seinen Hausarzt aufsucht an einer wie auch immer ausgeprägten Schwermut.
Etwa fünf Prozent der Bevölkerung leiden an einer Depression, die dringend einer Behandlung bedarf. Das sind umgerechnet vier Millionen Menschen. Viermal so viele Menschen erleiden während ihres Lebens eine Depression. Frauen gegenüber Männern doppelt so häufig betroffen.
Problematisch im Umgang mit Depressionen ist der Umstand, dass sie sich gar nicht als Depressionen darstellen - zumindest nicht in der Art, wie es sich die meisten Menschen wohl vorstellen. Zudem kann der Arzt bei einem Leiden ohne organischer Ursache nur dann eine seelische Störung erkennen, wenn der Patient in seinem Verhalten oder aber in seiner persönlichen Klage dies zu erkennen gibt. Bis zur Hälfte der Patienten werden gar nicht erst als depressiv erkannt und von den Patienten mit einschlägiger Diagnose wird wiederum nur die Hälfte antidepressiv versorgt.
Dasselbe Problem zeigt sich außerhalb der Praxen. So wissen viele Betroffene, die erst gar nicht den Hausarzt aufsuchen, gar nicht um ihre Krankheit und fühlen sich einfach nur leistungsschwach und elend.
Rechnen wir die Dunkelziffern hoch, dann kann man bei der Depression sehr wohl von einer Volkskrankheit sprechen.

Formen der Depression
Die unipolare („einpolige“) Depression ist die häufigste Form der Erkrankung. Man spricht deswegen von unipolar, weil der Betroffene nur depressive aber keine manischen Phasen hat. Die Krankheit geht einher mit dem Morgentief, einem frühen Aufwachen, Schlafstörungen in der zweiten Nachthälfte und Niedergeschlagenheit.
Demgegenüber durchlebt der von der bipolaren affektiven Störung Betroffene sowohl manische als auch depressive Phasen. Der manisch Erkrankte zeigt ein übersteigertes Selbstverständnis und er überschätzt sich und seine Fähigkeiten. Zum Beispiel können sie wochenlang nachts durcharbeiten, ohne Ermüdungserscheinungen wahrzunehmen.
Als dritte Variante gibt es die Dysthymie und die Zyklothymie. Dabei treten die depressiven Symptome bei der Dysthymie weniger stark auf als bei der unipolaren Depression. Dafür beginnen sie schon in frühen Jugendjahren und nehmen einen chronischen Verlauf – sie dauern also über weite Lebensabschnitte hin. Die Zyklothymie ist das bipolare Gegenstück zur Dysthymie und weist weniger starke manische und depressive Phasen auf.
Die saisonal abhängige Depression (SAD, Winterdepression) zeichnet sich dadurch aus, dass die depressiven Symptome in der Regel im Herbst oder Winter beginnen und im Frühjahr oder Frühsommer wieder abklingen. Sie dauern regelmäßig maximal ein halbes Jahr an und gehen eher einher mit Energielosigkeit als mit einer depressiven Verstimmung.

Symptome

Ursachen und Verlauf
Bezüglich Krankheitsursache (Ätiologie) und ihrer Entstehung (Pathogenese) herrschte früher eine recht einseitige Betrachtungsweise vor. Heute spricht man jedoch von einer multifaktoriellen Ätiopathogenese. Gemeint sind also viele sich gegenseitig beeinflussende Ursachen. (siehe auch den Artikel aus der Klinikzeitung vom August 2010)

Ursächlich für eine Depression können beispielsweise eine genetische Disposition (erblich bedingte Krankheitsneigung ), frühkindliche Hirntraumen (Hirnschäden) und vor allem belastende psychosoziale Entwicklungen in der Kindheit (durch Erziehung, familiäres Umfeld, später Schule usw.) sowie bestimmte Persönlichkeitseigenschaften sein.
In Bezug auf den Verlauf kommt es neben dem plötzlichen Ausbruch der Krankheit auch zu langsam schleichenden Entwicklungen, die sich auf psychosoziale oder organische Belastungen zurückführen lassen und durch ein bestimmtes Ereignis angestoßen (getriggert) werden.
Danach ändert sich der Haushalt der Botenstoffe (Neurotransmitter wie etwa Serotonin, Noradrenalin, Dopamin usw.) in bestimmten Hirnregionen, weil der Körper versucht, gegen zu steuern. Das hochkomplizierte Transmittersystem im Gehirn kommt dabei völlig durcheinander, was wiederum andere biochemische Systeme im Körper stört.
Die Behandlung mit Antidepressiva versucht dieses gestörte Gleichgewicht dann wieder ins Lot zu bringen. Die Symptome klingen ab und der Patient gesundet wieder. Natürlich ist die Anfälligkeit des Patienten gegen weitere Schübe seitens der Depression dennoch erhöht.

Behandlungsmöglichkeiten
Der Einsatz von Antidepressiva ist abhängig vom Schweregrad der Depression. Bei einer depressiven Belastung leichten Grades kann unter Umständen darauf verzichtet werden. Bei mittelgradigen oder gar schwer depressiven Zuständen sind die Antidepressiva jedoch unverzichtbar. Vor allem dann, wenn trübe Gedanken aufkommen und ein Selbsttötungsrisiko besteht. Dies gilt auch für psychotische Symptome (zum Beispiel bei Verarmungs-, Versündigungs- oder Krankheitswahn), welche ebenfalls mit einer Depression einhergehen können. Bei Suizidgefahr oder aber bei psychotischen Symptomen wird der Hausarzt den Patienten ohnehin an einen Psychiater oder Nervenarzt überweisen.
Erweist sich die Depression ambulant nicht als behandelbar, dann sollte man vor einer stationären Aufnahme in einer Fachklinik nicht zurückschrecken. Insbesondere bei Suizidgefahr (Suizidalität) besteht die Gefahr, sich später Vorwürfe machen zu müssen, obwohl noch einmal alles gut gegangen ist.

Selbsttötungsrisiken
In Deutschland nehmen sich monatlich im Durchschnitt 1.000 Menschen das Leben. Das sind doppelt so viele wie etwa die Zahl der Verkehrstoten im selben Zeitraum. In den Medien nehmen die Verkehrstoten einen breiten Raum ein, während die Suizide tabuisiert werden. Es folgt daraus eine gefährliche Verschiebung des Gefahrenschwerpunkts, der die Wachsamkeit diesbezüglich mindert.
Besonders bei depressiven Betroffenen besteht jedoch ein großes Selbsttötungsrisiko (Suizidrisiko). So ist die Suizidrate bei Depressiven dreißigmal höher als in der übrigen Bevölkerung. 40 Prozent der Menschen, die sich das Leben nahmen, besuchten in der Woche vor dem Freitod noch ihren Hausarzt.

Fehlannahmen und Mythen
Der Großteil der Bevölkerung geht sehr unsensibel, wenn nicht gar grobschlächtig mit der Problematik der Depression um.
„Wer Depressionen hat, ist selbst daran schuld“ → An der Depression ist man ebenso wenig schuld wie an einer Grippe. Gewiß begünstigen manche Verhaltensweisen die Entwicklung der Krankheit. Doch sind solche Entwicklungen in keinem Falle allein auf das Verhalten einer Person zurück zu führen, sondern sind das Ergebnis des Zusammenspiels vieler, häufig unbeeinflussbarer Faktoren.
„Reiß Dich einfach endlich mal zusammen“ → Ratschläge sind auch Schläge. Der wohlmeinende Spruch des aufmunternden Mitmenschen ist alles andere als hilfreich sondern kontraproduktiv, weil ein depressiver Mensch gar nicht dazu fähig ist, diesen Ratschlag zu befolgen und umzusetzen. Es wird lediglich das Gefühl verstärkt, dass mit einem etwas nicht stimme.
„Gegen Depressionen kann man nichts tun, man muss einfach warten, bis sie vorbei gehen.“ → Depressionen sind inzwischen sehr wohl gut behandelbar. Man darf nur nicht zögern, den Arzt aufzusuchen und ihn darauf anzusprechen. Kein Depressiver ist mehr dazu gezwungen, unnötig lange unter den quälenden Beschwerden zu leiden.

Quellen

Kommende Termine

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