Better Call Saul

"Better Call Saul"
09.02.15
Das Vorleben des schmierigen "Breaking Bad"-Anwalts

In einer Zeit vor Crystal Meth: "Better Call Saul" gehört zu den meisterwarteten Serien des Jahres. Aber kann der "Breaking Bad"-Spin-off den hohen Ansprüchen gerecht werden?

Bob Odenkirk spielt den Anwalt Saul Goodman in "Better Call Saul". Die Serie schildert die Vorgeschichte dieser überaus beliebten Nebenfigur aus "Breaking Bad"

Wir schreiben das Jahr 6 v. W.W., besser bekannt als 2002. Sechs Jahre vor der Entscheidung des Chemielehrers Walter White, Crystal Meth zu kochen. Wir befinden uns in Albuquerque, größte Stadt des US-Bundesstaates New Mexico, die trotzdem immer wie ein Vorort aussieht. Jesse Pinkman lungert wahrscheinlich noch auf einer Schulbank in der J. P. Wynne High School herum. Und der unscheinbare Manager hinter der Theke von "Los Pollos Hermanos" verdient seinen Lebensunterhalt anscheinend wirklich nur mit frittiertem Hühnchen. Wir sind zurück im "Breaking Bad"-Land.

Mit "Better Call Saul" startet diesen Mittwoch auf Netflix auch in Deutschland die lang erwartete Vorgeschichte des epischen Drogendramas um Brian Cranstons Heisenberg. Bob Odenkirk darf darin wieder den liebenswert schmierigen Verliereranwalt Saul Goodman mimen, der sich am Ende von "Breaking Bad" nach Nebraska absetzt.

Zum Zeitpunkt der ersten Folge von "Better Call Saul" heißt er allerdings noch James "Jimmy" McGill und versucht es zunächst mit ehrlicher Arbeit. Das funktioniert nur schleppend und schließt auch so undankbare Aufgaben wie die Verteidigung dreier Jugendlicher ein, die den Kopf eines Toten vergewaltigt haben. Und das ist auch noch mies bezahlt.

Idee zur Serie begann eigentlich mit Witzeleien

Obwohl "Breaking Bad"-Erfinder Vince Gilligan und sein Drehbuchautor Peter Gould wieder mit von der Partie sind, hatte Odenkirk zunächst Bedenken. "Ich hatte Sorge, dass ich der Typ sein würde, der das Vermächtnis von 'Breaking Bad' versaut", sagte er der "New York Times". Eine ganze Weile lang war es dann auch gar nicht sicher, ob die Show tatsächlich entstehen werde, denn die Idee zur Serie begann eigentlich mit Witzeleien der Drehbuchschreiber während der Dreharbeiten zu "Breaking Bad". Die haben sich jetzt glücklicherweise als äußerst ernst herausgestellt.
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Und das ist auch gut so, denn "Saul" knüpft, zumindest in dem, was wir bisher anschauen durften, sehenswert an die Crystal-Meth-Saga an. Entgegen dem etwas aufgedreht wirkenden Trailer gibt sich die Serie selbst wieder sehr viel Zeit.

Ungewöhnliche Kamerawinkel zeigen geduldig mehrere Minuten peinliches Schweigen, Szenen, in denen die Gegenstände mit ihren Geräuschen mehr erzählen als die Protagonisten und Großaufnahmen erschöpfter Gesichter. Albuquerque liefert dazu den passend biederen Hintergrund mit Reihenhaussiedlungen und geputzten Vorgärten.

Das Haarteil sitzt gewohnt schlecht

Wir lernen, dass James, bevor er Saul wurde, noch nicht ganz so durchtrieben war wie in späteren "Breaking Bad"-Jahren. Seine Unsicherheit kann er nur dadurch bekämpfen, indem er seine Plädoyers vor dem Spiegel, dem Urinal oder im Auto immer wieder vor sich hin spricht – inklusive passender Handbewegungen. Seine Vorliebe zu schlecht sitzenden Zweireihern und Slippern mit Goldkettchen scheint allerdings bereits lang gehegte Modesünde zu sein. Auch das Haarteil sitzt gewohnt schlecht.

Die Vorgeschichte, die sich in der ersten Folge andeutet, verleiht der Figur eine emotionale Tiefe und einen sozialen Hintergrund, den sie bisher noch nicht hatte. Gleichzeitig wird Saul/James so davor bewahrt, auf Dauer zum Abziehbild seiner selbst zu werden.

Die Fähigkeiten der Macher Gilligan und Gould sollten zudem ausreichen, um nicht einfach einer weitere Anwaltsserie in die Welt hinaus zu entlassen – auch wenn noch offen ist, ob "Better Call Saul" wirklich ein zweites "Breaking Bad" wird oder überhaupt werden will.

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