Meth überholt Alkohol: Mehr Crystalpatienten im Krankenhaus

Meth überholt Alkohol: Mehr Crystalpatienten im Krankenhaus
Die rasche Ausbreitung von Methamphetamin ist für Psychotherapeuten eine neue Herausforderung. Die 20 Betten der Suchtstation im Zschopauer Krankenhaus zur Entgiftung sind meistens voll belegt - etwa die Hälfte davon mit Drogenpatienten.

Zschopau. Es könnte der Anfang eines besseren Weges sein, den junge Leute im Alter zwischen 20 und 28 Jahren einschlagen, wenn hinter ihnen die Tür zur Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie im Zschopauer Krankenhaus zuschlägt. Die Patienten kommen aus ganz Mitteldeutschland und haben sich selbst verpflichtet, die Station während ihres Entzuges nicht zu verlassen.

Bei Crystal Meth ist die Entgiftung weniger drastisch als etwa bei Kokain oder Cannabis, weiß Chefarzt Thorsten Müller-Humbert. Schlimmer sind die Folgen für die Psyche. Viele Konsumenten haben ihren Tag-Nacht-Rhythmus verloren. Sie sind es gewöhnt, fünf bis sechs Tage am Stück wach zu bleiben. "Die meisten weisen ein erheblich gestörtes Verhalten auf, sind durch die Droge zwar selbstbewusst, aber in ihrer Aufnahmefähigkeit sehr eingeschränkt. Sie haben oft Gedächtnislücken und legen ein dissoziales Verhalten an den Tag", sagt Nelli Dubil. Sie ist Suchttherapeutin und arbeitet täglich mit den Patienten. Sie sollen ihre Krankheit verstehen, sich bewusst machen, warum sie Drogen konsumiert haben, und wie sie mit Rückfällen umgehen.

Wer in die Klinik kommt, hat Crystal meistens bis zuletzt genommen und ist am Anfang sehr erregt. Wenn es gewünscht wird, erhalten die Patienten ein beruhigendes Medikament, damit sie wieder schlafen. Ganz wichtig sei, dass sie zu einem geordneten Tagesablauf finden.

6 Uhr ist Wecken, spätestens dann muss eine Urinprobe abgegeben werden - der Nachweis, wie viel Gift sich noch im Körper des Patienten befindet. Nach der Morgentoilette geht es zum Frühsport. 7.30 Uhr gibt es Frühstück. Nach der 9-Uhr-Visite folgen Therapien: Gruppengespräche, Ergotherapie, Gedächtnistraining, Bewegungstherapie. Freizeit und Besuchszeiten stehen dann auch auf dem Plan. Abends gibt es Vorträge, Selbsthilfegruppen stellen sich vor. 22 Uhr ist Nachtruhe.

Auf der Suchtstation gibt es zwei Gruppen mit jeweils zehn Patienten. Bewährt haben sich nach den Worten des Chefarztes gemischte Gruppen aus Drogenkranken und Alkoholabhängigen, wenngleich der Altersunterschied groß ist. Letztere haben oft schon das 50. Lebensjahr überschritten und sind in der Minderzahl.

1998, als Müller-Humbert seine Arbeit an der Einrichtung aufnahm, war das Verhältnis noch umgekehrt. Damals wurden hauptsächlich Alkoholabhängige entgiftet, Crystal Meth war kein Thema. Heute durchlaufen im Jahr 500 bis 600 Patienten die Suchtstation. Etwa 40 Prozent von ihnen sind alkoholabhängig, der Rest konsumiert illegale Drogen - die meisten Meth.

Die hohen Fallzahlen hängen mit der Nähe zur Großrückerswalder Fachklinik für Abhängigkeitskranke zusammen, erklärt der Chefarzt. Viele werden von dort zum Entzug nach Zschopau geschickt. "In den drei bis vier Wochen, die sie hier bleiben, bereiten wir die Patienten auf eine Langzeittherapie vor."

Die Ursachen der Sucht zu bekämpfen, hält Müller-Humbert für entscheidend: "Sonst ist der Rückfall programmiert." Nach erfolgreicher Resozialisierung sind die Chancen auf einen Neuanfang ohne Droge statistischen Erhebungen zufolge ungleich höher.

Persönlichkeitsveränderungen, Psychosen und Paranoia

Methamphetamin (Crystal Meth) ist eine synthetisch hergestellte Substanz. Sie ist Bestandteil nicht halluzinogener, euphorisierender Drogen. Crystal unterdrückt Müdigkeit, Hungergefühl und Schmerz. Es verleiht kurzzeitig Selbstvertrauen, ein Gefühl der Stärke und dem Leben eine ungewohnte Geschwindigkeit. Zu den Nebenwirkungen gehören Persönlichkeitsveränderungen, Psychosen und Paranoia aufgrund von Schlafentzug

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