Bayern wirbt für Crystal-Meth-Bekämpfung über Grenzen hinweg

05.02.15
WÜRZBURG/BAMBERG
Bayern wirbt für Crystal-Meth-Bekämpfung über Grenzen hinweg

Das Gift von jenseits der Grenze ist bei Süchtigen in Bayern heute gefragter als Heroin. Angeblich kann man mit Crystal Meth nächtelang arbeiten oder feiern – um einen furchtbaren Preis: „Die Droge macht sehr schnell abhängig“, sagt Justizminister Winfried Bausback in Bamberg. „Innerhalb weniger Monate wird der Konsument zum Wrack. Die Droge zerfrisst den Körper von innen und außen.“

Bausback wirbt für den länderübergreifenden Kampf gegen die Ausbreitung von Crystal in Deutschland. Denn die Rohstoffe kommen aus Polen. In Tschechien werden sie zusammengekocht und dann auf den Asia-Märkten verkauft – oder von Profis in Regionen wie den Raum Kitzingen geschmuggelt, wo Bedarf und Gewinnspanne ebenso groß sind wie die Verelendung der Konsumenten.

Mit seiner Teilnahme an der Tagung mit dem Titel „Crystal-Kriminalität über Landes- und Bundesgrenzen hinweg bekämpfen!“ warb der Justizminister für dieses Thema. Über Details sprach er mit den bayerischen Generalstaatsanwälten Thomas Janovsky und Hasso Nerlich, dem Generalstaatsanwalt aus Sachsen sowie Vertretern der Polizei, des Zolls und der tschechischen und polnischen Strafverfolgungsbehörden.

Noch ist in Unterfranken die Zahl der Suchterkrankten, der beschlagnahmten Mengen der Droge und die damit einhergehende Kriminalität und Verelendung der Konsumenten nicht so ausgeprägt wie im oberfränkischen Grenzgebiet um Hof, Selb oder Bayreuth. Dort hat Crystal alle anderen Drogen vom Markt verdrängt, sagt der auch für Unterfranken zuständige Generalstaatsanwalt Thomas Janowsky. Schulen, Haftanstalten und Suchtkliniken haben sich zwangsläufig auf das neue Thema einstellen müssen.

Aber die Autobahn durch Unterfranken gen Westen wirkt wie eine Pipeline, die den begehrten Stoff nach Westen pumpt: „Steine“, „Ice“ oder einfach „C“ nennen Süchtige den Stoff aus Tschechien – so wie Heroin in der Szene früher „H“ hieß. In Großstädten kostet das Gramm schon sechsmal so viel wie auf den Asia-Märkten jenseits der Grenze.

2011 warnte Unterfrankens Polizeipräsidentin Liliane Matthes erstmals davor, dass dieses Problem verstärkt auch auf die Region zukomme. Damals beschlagnahmten unterfränkische Fahnder nur Kleinmengen, insgesamt 140 Gramm im Jahr. Aber schon 2013 erwischten sie bei einer einzigen Kontrolle bei Etwashausen (Lkr. Würzburg) Kuriere mit 3,6 Kilo.

„Der Handel mit Crystal hat sich zunehmend organisiert“, sagt der bayerische Justizminister. „Wir sprechen über Bandenkriminalität, die sich wie ein Netz über die drei Länder Polen, Tschechien und Deutschland legt und ausbreitet.“ Nach dem Zusammenbruch des Zigarettenschmuggels haben sich vor allem vietnamesische Banden auf das neue Produkt spezialisiert, wissen Experten.

Seit Jahren forciert die Staatsregierung deshalb die Zusammenarbeit über Landes- und Bundesgrenzen hinweg auch auf Seiten der Ermittlungsbehörden. Experten mahnen ein stärkeres Engagement auf tschechischer Seite an: Dort ist die Schleierfahndung in Grenznähe nicht annähernd so intensiv wie in Bayern. Und überraschende Durchsuchungen oder gar die Schließung der Asia-Märkte werden durch die geltenden Gesetze erschwert.

Selbst Pavel Zeman, der Oberste Staatsanwalt in Tschechien, räumt große Probleme der Polizei ein, die vietnamesischen Großproduzenten im Land zu schnappen. Doch er hat auch einen praktischen Vorschlag mit nach Bamberg gebracht: Man könnte die Grundstoffe für die Herstellung von Crystal auf die EU-Verbotsliste setzen.

Bayerns Justizminister nahm diesen Vorschlag auf. Bausback kündigte an, dies zu prüfen und entsprechende Gespräche mit dem Bundesjustizministerium führen zu wollen.

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