Crystal Meth zum Spottpreis auf Asia-Märkten

05.02.15
Crystal Meth zum Spottpreis auf Asia-Märkten

Tschechische Regierung gesteht Versäumnisse ein
DIE WELT

Fast jeder dürfte inzwischen Bilder von der Zerstörung gesehen haben, die Crystal Meth in den Gesichtern von Abhängigen hinterlässt. Doch die teuflische Droge ist weiter auf dem Vormarsch. Sie beschert den Konsumenten lange Partynächte, hemmungslosen Sex sowie erstaunliche Akribie und Freude – selbst bei den eintönigsten beruflichen Tätigkeiten. Und das für wenig Geld, denn Asia-Märkte in Tschechien bieten die Droge spottbillig an. Keine Grenze hält die Schmuggler auf.

Die Debatte über Crystal Meth nimmt Fahrt auf: Nach dem Zoll sprechen sich mittlerweile auch Politiker sowie Suchtexperten für eine Schließung der Asia-Märkte entlang der deutsch-tschechischen Grenze aus. 18 dieser Handelsplätze gibt es nach offiziellen Angaben der tschechischen Polizei. Dort wird Crystal Meth hauptsächlich vertrieben. Nicht nur Bayerns Justizminister Winfried Bausback (CSU) würde eine Abschaffung der Drogenbasare begrüßen. Er betont aber, dass dies Sache der tschechischen Behörden sei.
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Die tschechische Regierung gesteht derweil Versäumnisse ein: "Wir haben das Crystal-Problem in den letzten Jahren ehrlich gesagt unterschätzt. Aber jetzt gehen wir es an", sagt Roman Vána, Vorsitzender des Sicherheitsausschusses im tschechischen Parlament. Vána berichtet, rund 70 Prozent der tschechischen Jugendlichen hätten bereits Kontakt zu Drogen gehabt, die meisten davon mit Crystal Meth. Eine aus Afghanistan abgezogene Spezialeinheit der Armee mit speziell abgerichteten Hunden solle künftig den Kampf gegen Crystal Meth aufnehmen. Mit mehr Kontrollen sei das Problem aber nicht behoben – die tschechische Seite beobachte, dass durch die verstärkten Kontrollen immer mehr Meth-Labore nach Deutschland abwandern.

Vom Crystal-Meth-Boom betroffen sind schon heute nicht mehr nur die grenznahen Bundesländer Sachsen, Thüringen und Bayern. Auch Großstädte wie Köln und Berlin sind mit mehr Meth-Süchtigen konfrontiert. "Das liegt auch daran, dass der Schmuggel in westdeutsche Städte finanziell viel lukrativer ist als allein der Handel in den grenznahen Gebieten", erklärt Justizminister Bausback. Er beobachtet im Meth-Handel eine Entwicklung in Richtung organisierte Kriminalität. Natürlich könne es helfen, wenn die Asia-Märkte als Handelsplatz für Crystal Meth geschlossen würden, sagt der Justizminister. "Aber mit dem Finger auf andere zu zeigen, bringt uns nicht weiter. Wir müssen grenzüberschreitend zusammenarbeiten – und das tun wir", sagt er. Heute will er mit den Generalstaatsanwälten aus Deutschland, Tschechien und Polen sowie hochrangigen Vertretern von Polizei und Zoll die Lage besprechen.

Die aktuellsten Zahlen sind mehr als alarmierend: Zwischen 2008 und 2013 hat sich die Zahl der erfassten Crystal-Meth-Erstkonsumenten in Deutschland laut Bundeskriminalamt auf 2700 verachtfacht, die beschlagnahmte Menge der Droge stieg im gleichen Zeitraum von 7 Kilogramm auf 77 Kilogramm.

Grenznahe Städte wie Hof sind besonders betroffen. Petra Ernstberger, Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Bundestagsfraktion, sagt: "Es gibt in Hof quasi keine Schule mehr, die drogenfrei ist. Wir alle stehen dem Crystal-Problem etwas hilflos gegenüber." Im Prinzip müssten alle Asia-Märkte komplett geschlossen werden, die häufig als Geldwaschanlagen genutzt würden und von mafiösen Strukturen durchsetzt seien.

Da die Asia-Märkte ein wichtiger Wirtschaftsfaktor sind, vermutet der angesehene Suchtmediziner Roland Härtel-Petri aus Bayreuth ein politisches Interesse auf tschechischer Seite, die Märkte geöffnet zu lassen: "Normalerweise gehören sie geschlossen. Denn eigentlich ist ja dort alles illegal und gefälscht, ganz gleich ob nun Uhren, T-Shirts oder Zigaretten", sagt Härtel-Petri. Für ihn ist Crystal Meth eine der gefährlichsten Drogen der Welt.

Frank Buckenhofer, Vorsitzender der Bezirksgruppe Zoll bei der Gewerkschaft der Polizei (GdP), fordert: "Wenn die Märkte nicht mehr zu kontrollieren sind, dann müssen sie eben geschlossen werden." Deutschland könne nicht länger nur zusehen, wie die gefährliche Droge die Jugendzentren erobert. "Wenn wir jetzt nicht eingreifen, schwappt die Welle immer weiter Richtung Westen."

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