Weinheimerin bleibt in Psychiatrie: Schuldunfähig, aber trotzdem nicht frei

Weinheimerin bleibt in Psychiatrie: Schuldunfähig, aber trotzdem nicht frei

Das Landgericht Mannheim hat eine 44-jährige Weinheimerin von insgesamt 13 Anklagepunkten freigesprochen - Dennoch bleibt sie in der Psychiatrie
04.02.2015, 06:00 Uhr

Weinheim/Mannheim. (web) Richter Michael Seidling brachte es auf den Punkt: "Wenn Sie unterwegs waren, standen die Telefone nicht mehr still", warf er Tanja M. gestern vor. Tatsächlich hatte die 44-Jährige zwischen Spätherbst 2013 und Sommer 2014 im Zentrum Weinheims wiederholt von sich reden gemacht. Am Ende waren über ein Dutzend Straftaten zusammengekommen. Vier Mal hatte die Fünfte Strafkammer des Landgerichts Mannheim getagt; jetzt ist das Urteil gegen die gebürtige Kolumbianerin ergangen: Das Gericht sprach sie wegen Schuldunfähigkeit von den verbliebenen 13 Anklagepunkten frei - darunter schwerer Diebstahl und schwere Körperverletzung.

Frei sein wird M. zunächst trotzdem nicht. Sie muss weiter im Psychiatrischen Zentrum Nordbaden (Wiesloch) bleiben, wo sie bereits seit Juli 2014 ist. Das Gericht ordnete eine entsprechende Unterbringung an, ohne Bewährung. M. muss außerdem die Kosten des Verfahrens tragen. Damit folgte das Gericht weitgehend dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Rechtsanwalt Gerd Lachenauer hatte der Kammer zuvor nahegelegt, unter Auflagen auf die Unterbringung zu verzichten - und vor einem "jahrelangen Wegsperren" seiner Mandantin aufgrund vergleichsweise geringfügiger Vergehen gewarnt. Doch darauf ließ sich Seidling nicht ein.

Immerhin hatte M. unter anderem Sakralgegenstände aus der Innenstadtkirche St. Laurentius entwendet, einer Polizistin mit einem Stein in der Faust ins Gesicht geschlagen - und ein zehn Jahre altes Mädchen mit dem Tod bedroht, nachdem sie zuvor in die von den Eltern verlassene Wohnung eingedrungen war und zwei Handys gestohlen hatte. "Bisher ist kein Behandlungsrahmen da, wir wissen nicht, ob ein Therapieplatz zur Verfügung steht. Wir haben nur die Versprechen der Angeklagten", argumentierte Seidling - und meinte auch die Sozialbetreuung von Tanja M., die zur Urteilsverkündung keinen Fahrplan zur Weiterbehandlung der Frau vorlegen konnte. In medizinischen Fragen stützte sich das Gericht auf einen Gutachter, der der Angeklagten eine Bipolare Störung und Alkoholprobleme attestierte.

Der Richter hatte zudem ein Muster im Verhalten der Angeklagten erkannt: Auf stark auffälliges, wenn nicht gar illegales Verhalten folgte die Konfrontation mit Zeugen oder Polizei - und dann die Eskalation. Heißt: M. rastete regelrecht aus. Ähnliches sei auch im Laufe ihres Aufenthalts in der Klinik geschehen. Die Unterbringung muss mindestens einmal im Jahr überprüft werden - und wird unter günstigen Umständen ausgesetzt.

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Erscheinungsdatum: 
04.02.2015
Fundstelle: 
http://www.rnz.de/nachrichten/metropolregion_artikel,-Weinheimerin-bleibt-in-Psychiatrie-Schuldunfaehig-aber-trotzdem-nicht-frei-_arid,73718.html

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