Depressionen bei Kindern und Jugendlichen vorbeugen

Depressionen bei Kindern und Jugendlichen vorbeugen

Kinder und Jugendliche sind immer wieder mal traurig, niedergeschlagen oder gar verzweifelt. Hält die Traurigkeit jedoch länger an und ist stärker als normal, könnte eine Depression die Ursache sein.

Depressionen sind bei jungen Menschen gar nicht so selten. Man kann ihnen jedoch vorbeugen. Ärger mit den Eltern, schlechte Noten in der Schule, Verlust von Freundschaften, Unzufriedenheit mit sich und dem eigenen Körper, erster Liebeskummer: Kinder und Jugendliche haben es oft schwer. Probleme und schwierige Situationen können traurig, niedergeschlagen oder verzweifelt machen. Das ist ganz normal. Aber Depressionen sind mehr, als nur „nicht gut drauf zu sein“ oder „einen schlechten Tag zu haben“: Sie können sich zu einer ernsthaften Erkrankung entwickeln.

Depressionen bei Kindern und Jugendlichen lässt sich jedoch vorbeugen. Depressionen haben oft mehrere Ursachen. Meistens entstehen sie durch ein Zusammenwirken von biologischen Vorgängen im Körper, psychischen Faktoren und Erlebnissen im sozialen Umfeld. Nicht alle diese Faktoren kann man beeinflussen – aber junge Menschen können lernen, besser mit den Herausforderungen in ihrem Leben umzugehen. Das könnte ihnen dabei helfen, in schwierigen Situationen nicht in eine Depression zu rutschen.
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Erkranken manche jungen Menschen eher an einer Depression als andere?

Insgesamt durchleben etwa 20 bis 25 von 100 jungen Menschen bis zu ihrem 18. Lebensjahr mindestens einmal eine depressive Episode. Einige von ihnen haben tatsächlich ein höheres Erkrankungsrisiko als andere Jugendliche. Für sie ist Vorbeugung besonders wichtig – und wahrscheinlich auch erfolgreicher als bei denen, die weniger gefährdet sind.

Bei Kindern und Jugendlichen sind es oft Probleme in der Familie, Gewalterfahrungen, Schwierigkeiten in der Schule und soziale Isolation, die eine Depression auslösen. Außerdem haben junge Menschen ein höheres Risiko für eine Depression,

deren Familienmitglieder Depressionen oder andere schwerwiegende psychische Erkrankungen haben,
die in der Vergangenheit schon einmal eine Depression oder Angststörung hatten,
die ein sehr negatives Selbst- oder Körperbild haben.

Symptome einer Depression können aber auch durch eine körperliche Erkrankung ausgelöst werden oder durch Nebenwirkungen bestimmter Medikamente.
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Was können Kinder und Jugendliche selbst tun, um Depressionen vorzubeugen?

Strategien zur Bewältigung von schwierigen Situationen und negativen Gefühlen zu haben, ist für jeden Menschen wichtig. Fachleute – aus der Psychologie und Pädagogik – haben Programme entwickelt, die Depressionen bei Kindern und Jugendlichen vorbeugen sollen. Meist werden sie in Schulen angeboten und basieren auf Prinzipien der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT). Die KVT ist eine psychotherapeutische Behandlung, die häufig auch bei Depressionen eingesetzt wird. In einer KVT setzt man sich damit auseinander, ob sich die eigenen Gedanken und Überzeugungen negativ auf das Wohlbefinden auswirken und ob bestimmte Verhaltensweisen oder belastende Denkmuster zu Problemen beitragen.

Im Rahmen dieser Programme nehmen die Kinder oder Jugendlichen meist an Gruppensitzungen teil, in denen sie zum Beispiel lernen,

wie sie Probleme oder Konflikte lösen können,
was sie tun können, wenn sie traurige Gedanken haben, und
wie sie mit Stress umgehen können.

Die Erfahrungen aus diesen Programmen zeigen unter anderem, dass Kinder und Jugendliche Strategien erlernen können, mit denen man negative Gedanken ändern kann. Studien zeigen, dass die psychologischen Programme depressiven Symptomen bei Heranwachsenden vorbeugen können. Sie wirken bei Kindern und Jugendlichen mit geringerem wie auch mit erhöhtem Risiko für Depressionen.
Was Studien sagen

Können psychologische Programme bei Kindern und Jugendlichen vorbeugen?

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Können körperliche Aktivität und Sport vorbeugen?

Viele Menschen vermuten, dass körperliche Aktivität und Sport die Stimmung heben und vielleicht auch Depressionen beeinflussen. Tatsächlich deuten Forschungsergebnisse darauf hin, dass Bewegung möglicherweise Depressionen vorbeugen kann. In Studien zu dieser Frage wurden vor allem Bewegungsprogramme aus Walking, Jogging, Aerobic oder Krafttraining untersucht.

Bisher ist unklar, ob eine positive Wirkung auf der Bewegung selbst beruht oder darauf, dass man etwas unternimmt und mit anderen zusammen Spaß hat. Unklar ist auch, ob anstrengender Sport einen größeren Effekt hat, als wenn man es ruhiger angehen lässt.

Viele Kinder und Jugendliche besuchen Kurse in Yoga, Judo oder anderen Sport- und Bewegungsarten, die körperliche, psychische und oft auch soziale Elemente verbinden. Es gibt jedoch keine aussagekräftige Forschung, die es ermöglicht, die Vor- und Nachteile der verschiedenen Angebote abzuwägen. Deshalb lässt sich nicht sagen, ob eine bestimmte körperliche Aktivität besonders gut helfen könnte, Depressionen vorzubeugen.

Wenn ein Kind oder Jugendlicher keinen Spaß am Schulsport hat, könnte es sich lohnen, anderswo nach Sportarten und Kursen zu suchen, bei denen der Leistungsdruck nicht so hoch ist und die Freude an der Bewegung im Vordergrund steht.
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Was tun junge Menschen noch, um mit Problemen fertig zu werden?

Schon immer haben viele Heranwachsende ein Tagebuch geführt, um Gedanken, Sorgen und Gefühle für sich selbst zu ordnen und besser mit ihnen umgehen zu können. Auch ein Haustier kann wichtig sein, dem sie sich anvertrauen können. Mit anderen Menschen zu reden und sich ihnen verbunden zu fühlen, ist für die emotionale Gesundheit besonders wichtig.

Neben Gesprächen mit ihren Freundinnen, Freunden und Angehörigen können junge Menschen mit Depressionen und ihre Eltern sich an Sorgentelefone, Familien-, Kinder- und Jugendberatungsstellen wenden. Auch Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzte sowie psychotherapeutische Fachkräfte beraten und unterstützen. In vielen Schulen stehen Schulsozialarbeiter, Schulpsychologen oder Vertrauenslehrerinnen und -lehrer als Ansprechpartner zur Verfügung.

Immer mehr Jugendliche suchen im Internet Informationen und tauschen sich über E-Mail, in Netzwerken, Foren oder Chatrooms aus. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchen zurzeit, welchen Einfluss dies auf die Entstehung und den Verlauf von Depressionen hat.

Mit schwierigen Gefühls- und Lebenslagen umgehen zu lernen, ist ein wichtiger Teil des Erwachsenwerdens wie des ganzen späteren Lebens. Mit einer Depression oder Angststörung fertig zu werden, ist aber nie einfach. Besonders wenn junge Menschen schon einmal damit zu tun hatten, kann die Angst vor einem Rückfall eine echte Last sein. Zu wissen, was man selbst tun kann und wo man Hilfe bekommt, wenn man sie braucht, kann in jedem Alter dabei helfen, einer Depression vorzubeugen.

Kinder und Jugendliche, bei denen depressive Anzeichen erkennbar sind, brauchen vor allem Menschen, denen sie vertrauen können, bei denen sie sich ohne Ängste öffnen und von sich und ihrem Leben erzählen können.

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