Crystal Meth, das Teufelszeug

Crystal Meth, das Teufelszeug
"Die Reportage" auf ATV zeigt heute (20.15 Uhr) die schrecklichen Folgen dieser Droge.

Weltweit sind 24 Millionen Menschen von dem künstlich hergestellten Metamphetamin abhängig. Bild: ATV

"Das ist keine Phase – das ist nur der Anfang, es wird weiter wachsen. 99 Prozent der Menschen, die das nehmen, hören nie auf", sagt Jiri. Der Tscheche spricht von Crystal Meth. Er ist selbst abhängig von diesem abscheulichen Gift und besucht regelmäßig die Drogenstation in Hodonin in Südmähren, 50 Kilometer südöstlich von Brünn. Wie Jiri haben Produzent Christian Sinemus und sein Team für die ATV-Reportage "Teufelsdroge Crystal Meth" (heute, 20.15 Uhr) auch die Linzer Tommy und Stefan in der Drogentherapiestation Erlenhof in Prambachkirchen besucht. Tommy ist 20, schon nach einem Monat Crystal Meth wurde er schwer unterernährt und mit Paranoia-Schüben gefunden, in vier Wochen hatte er nur drei Tage geschlafen. Der 18-jährige Stefan brach nach fünf Monaten physisch wie psychisch zusammen – einmal in der Woche schlief er, ansonsten arbeitete oder feierte er.

Es sieht so aus, als fresse sich Crystal Meth zur Volksdroge durch, quer durch alle Milieus. "Während ein Gramm Kokain rund 100 Euro kostet, ist Crystal schon um 10 bis 15 Euro zu bekommen", sagt Sinemus im Gespräch mit den OÖN.

Die Zahl der Erstkonsumenten steigt pro Jahr um 50 Prozent, die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass weltweit 24 Millionen Menschen davon abhängig sind. Sinemus: "Wir wollten den Zuschauern die Auswirkungen und Gegenwärtigkeit dieser Droge bewusst machen. Und solche, die sich auf Crystal Meth eingelassen haben, sollen erfahren, wo sie Hilfe bekommen."
Schutzfunktionen außer Kraft

Die Verheißungen dieses Teufelszeugs sind grausam verlockend: Es wirkt euphorisierend und generiert grenzenloses Selbstbewusstsein. Das Katastrophale an dem hochgiftigen, künstlich hergestellten Metamphetamin ist das Abtöten von Nervenzellen, obendrein kommt es zu Herzproblemen und Psychosen. Crystal Meth setzt die Schutzfunktionen außer Kraft. Seine Konsumenten sind so gut wie nie müde, sie arbeiten wie besessen und spüren kaum Hungergefühl. Umso katastrophaler ist der zwangsläufige Absturz beim Nachlassen der Wirkung. Bereits im Zweiten Weltkrieg wurde Crystal Meth bei Soldaten angewendet, damals war es unter dem Namen Pervetin oder Panzerschokolade bekannt.

"Früher hatten wir zwei, drei Anfragen im Monat wegen Crystal Meth", heißt es aus dem Erlenhof, "jetzt können es auch zwei, drei am Tag sein." Richtig sei zwar, dass ein Großteil des hier konsumierten Crystal Meth in Tschechien produziert wird, aber auch in Oberösterreich wurden in jüngster Vergangenheit zwei Drogenküchen ausgehoben. Die Spurensuche führte Sinemus dennoch nach Hodonin, auch aus juristischen Gründen. Sinemus: "In Österreich ist Crystal Meth zu besitzen zum Glück eine Straftat. In Tschechien sind die Gesetze lockerer, deshalb können wir die Tschechen, deren Leben von dieser Droge beherrscht wird, auch zeigen. Das hat nichts mit Voyeurismus zu tun, sondern mit Authentizität."

Sinemus habe schon etliche Reportagen über Suchtgefahren und Drogenmissbrauch gedreht, aber solche Auswirkungen wie jene bei Crystal Meth hätten ihn erst recht schockiert: "Diese Menschen verlassen sich wirklich selbst. Man sieht, dass die Burschen nicht mehr lange zu leben haben – also muss man sich in dieser Abhängigenszene immer wieder vorsagen, dass man selbst Journalist und kein Arzt ist – ich kann also nicht helfen, sondern nur aufzeigen und davor warnen."

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Datum: 
Mittwoch, 4 Februar, 2015 - 20:15

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