Blitzartige Gewalttaten 130-Kilo-Mann droht Zwangseinweisung in die Psychiatrie

Blitzartige Gewalttaten 130-Kilo-Mann droht Zwangseinweisung in die Psychiatrie

HERTEN In Recklinghausen ging er auf seinen Nachbarn los, in der LWL-Klinik im Schlosspark fiel er lüstern über eine Patientin her: Eine schizophrene Psychose treibt einen 130-Kilo-Mann (34) offenbar immer wieder zu blitzartigen Gewalttaten. Jetzt steht seine Zukunft in Freiheit auf dem Prüfstand – es droht eine Zwangseinweisung.
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Nach Aktenlage kann man vor dem bulligen Mann wirklich Angst haben – vor allem als Frau. „Ich habe komische Gedanken im Kopf gehabt“, sagte der Beschuldigte am Freitag vor dem Bochumer Landgericht. Nachdem er seinen Nachbarn (50) am 27. April 2014 vor der Haustür in Recklinghausen beleidigt, bedroht („Ich mache dich fertig“) und ins Gesicht geboxt hatte, war er nicht zum ersten Mal nach dem
Psychisch-Kranken-Gesetz (PsychKG) in die Hertener LWL-Klinik eingeliefert worden. Nur drei Tage später sorgte der 130-Kilo-Mann auch am Schlosspark für Riesenaufregung. Er schlich früh morgens ins Nachbarzimmer und attackierte eine Mitpatientin.

Der Beschuldigte: „Ich bin aufgewacht und habe Sex-Gefühle bekommen. Eine Frauenstimme im Kopf hat zu mir immer wieder gesagt: Los, fass‘ mich an. Mach‘ schon. Dann bin ich rüber nach nebenan gegangen.“ Laut Staatsanwaltschaft wurde die Patientin von dem 34-Jährigen überrascht, in eine Zimmerecke gedrängt,
begrapscht und geküsst. „Sie hat den Mund gehalten, hat sich nicht gewehrt“, erinnerte sich der Recklinghäuser. Allein der Aufmerksamkeit und dem schnellen Eingreifen einer Krankenpflegerin soll es zu verdanken sein, dass es damals nicht zu einer Vergewaltigung gekommen ist. Bedenklich: Dieselben imaginären Frauenstimmen und Befehle trieben den 34-Jährigen auch noch einmal in die Nähe einer Klinik-Putzfrau. „Die habe ich aber nicht angefasst“, beteuerte der Beschuldigte.

Nachdem der 34-Jährige im Anschluss für gut fünf Monate in der geschlossenen Psychiatrie in Lippstadt untergebracht war, befindet er sich seit Oktober 2014 wieder auf freiem Fuß. „Heute fühle ich mich wieder gut. Ich nehme auch wieder immer meine Tabletten ein“, sagte der bullige Mann den Richtern. Fest steht: Eine klassische Bestrafung ist in seinem Fall von vorneherein ausgeschlossen. Im Prozess vor der 5. Strafkammer geht es allein um die Frage, ob der Beinahe-Vergewaltiger nach wie vor als so unberechenbar und so gefährlich eingestuft werden muss, dass er zum Schutz der Allgemeinheit zeitlich unbefristet in eine geschlossene psychiatrische Klinik eingewiesen werden muss.

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Erscheinungsdatum: 
31.01.2015
Fundstelle: 
http://www.hertener-allgemeine.de/staedte/herten/45699-Herten~/Blitzartige-Gewalttaten-130-Kilo-Mann-droht-Zwangseinweisung-in-die-Psychiatrie;art995,1486268

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