"Tatort" aus Kiel hat die Chemie-Droge wieder ins Bewusstsein geholt

27.01.2015
Ulm
"Tatort" aus Kiel hat die Chemie-Droge wieder ins Bewusstsein geholt

Der Borowski-"Tatort" um die Droge Crystal Meth am Sonntag war hart - und offenbar sehr realistisch: Der gefährliche Stoff breitet sich aus.

Über den jüngsten "Tatort" kann man streiten. Manchen war der Film, in dem sich alles um die Droge Crystal Meth drehte, zu hart. Andere loben die schaupielerische Leistung von Elisa Schlott als Drogenmädchen Rita. Nicht in Frage gestellt werden kann offenbar die Realitätsnähe des Krimis, den 10,67 Millionen Menschen sahen - übrigens ein Rekord in Axel Milbergs zehnjähriger "Tatort"-Karriere.

Schon seit längerer Zeit warnen Experten vor der zerstörerischen Wirkung der synthetischen Droge, die zudem billig zu haben ist.

Was ist Crystal Meth? Es handelt sich um eine synthetische Droge, die geschnupft, inhaliert oder gespritzt wird. Sie beinhaltet Metamphetamin, das ein extremes Hochgefühl verursacht, aufputscht sowie das Hunger- und Durstgefühl hemmt. Die Wirkung setzt nach weniger als 60 Sekunden ein. Lässt sie nach, folgen Erschöpfung, Gereiztheit und Depressionen bis hin zu Suizidgedanken.

Was sind die Folgen? Crystal Meth ruiniert den Körper. Es tötet Nervenzellen ab und führt zu Psychosen sowie Hirnschäden. Typisch ist das "Meth-Gesicht": Schlechte Haut, Wunden im Gesicht durch zwanghaftes Kratzen, Untergewicht, eingefallene Wangen und faulige Zähne. Selbst junge Menschen vergreisen. Crystal Meth macht schnell abhängig. Unter anderem deshalb, weil die Wirkung so schnell und heftig einsetzt. Das Gehirn und damit der Konsument will das Erlebnis so schnell wie möglich wiederholen.

Wie verbreitet ist der Stoff? Laut Drogenbericht der Bundesregierung vom Juli 2014 konsumieren 2,9 Millionen Menschen gelegentlich Cannabis. Bei Kokain sind es 85 000, bei Amphetamin inklusive Crystal Meth 90.000. Crystal wird viel in Tschechien produziert, der Konsum von Methamphetaminen ist denn auch weitgehend auf die Grenzregion zu Tschechien beschränkt und ist dort seit 2009 gestiegen. In Deutschland wurden 2013 rund 77,2 Kilo beschlagnahmt, davon allein in Bayern 36 Kilo, in Sachsen 26,6. In Baden-Württemberg waren es nur 27 Gramm. Neuere Zahlen gibt es derzeit nicht, aber die Tendenz sei steigend, heißt es im Gesundheitsministerium. Und es gibt Hinweise der Verbreitung in andere Gebiete Deutschlands. Zur Verbreitung trägt auch der geringe Preis von Crystal Meth bei: Ein Gramm - das reicht für etwa zehn Trips - kostet rund 60 Euro.

Wer sind die Konsumenten? Oft handelt es sich um Partygänger. Aber auch im Arbeits- und Schulbereich wird Crystal Meth genommen.

Zum (externen) Originaltext

Kommende Termine

Benutzeranmeldung