Nach Drohung im Sozialamt soll Täter in die Psychiatrie

Nach Drohung im Sozialamt soll Täter in die Psychiatrie
Bezirksgericht Bülach Wegen Todesdrohungen im Sozialamt soll ein 32-Jähriger eine Therapie machen und ins Gefängnis. Er soll an einer paranoiden Schizophrenie leiden.

Braucht ein psychisch angeschlagener Mann eine gerichtlich verordnete Therapie und eine Gefängnisstrafe oder kann er weiterhin auf freiem Fuss bleiben, ohne eine Gefahr für die Gesellschaft darzustellen? Mit dieser Frage muss sich derzeit das Bülacher Bezirksgericht befassen. Angeklagt war gestern ein 32-jähriger Schweizer, der im Dietliker Sozialamt Drohungen ausgestossen haben soll. Konkret wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor, folgenden Satz gegenüber der Leiterin des Sozialamtes und einer Sozialarbeiterin gesagt zu haben: «Ihr wisst ja, was in Pfäffikon passiert ist.»

Hitziges Gespräch

2011 erschoss ein Kosovare in Pfäffikon zunächst seine Ehefrau und dann die Leiterin des Sozialamtes. Der Angeklagte soll seine Drohung genau ein Jahr nach dem Vorfall in Pfäffikon ausgesprochen haben. Vorangegangen war ein hitziges Gespräch mit den beiden Angestellten des Sozialamtes. «Es ging darum, dass er uns noch weitere Lohnabrechnungen einreichen sollte», erklärte die Sozialarbeiterin gestern vor Gericht. Zudem hätte der 32-Jährige an einem Integrationsprogramm teilnehmen sollen, was ihm aber nicht zugesagt habe. Er sei während des Gesprächs oftmals laut geworden. «Am Ende war er auf 180 und lief einfach davon», erzählte die Geschädigte im Zeugenstand. Beim Hinauslaufen soll er dann im Gang die verheerenden Worte ausgesprochen haben.

Beim nächsten Gespräch seien dann zwei Polizisten anwesend gewesen. Zu Drohungen sei es deshalb nicht gekommen – etwas später dafür aber auf dem elektronischen Weg. So sendete der Angeklagte ein E-Mail an die Sozialarbeiterin. Der Text schloss mit folgenden Worten: «Wenn in den nächsten Wochen keine Auszahlung erfolgt auf mein Konto, dann komme ich persönlich wieder einmal vorbei, um die Sauordnung aufzuräumen!» Die Angestellten des Sozialamtes besprachen sich daraufhin mit ihren Vorgesetzten und reichten daraufhin eine Strafanzeige ein.

Der Angeklagte machte vor Gericht einen verwirrten und aufbrausenden Eindruck. Oft erzürnte er ab den charmant gestellten Fragen der Richterin dermassen, dass sein Kopf rot anlief. Immer wieder wurde er laut und polterte mit den Händen auf den Tisch, den Anstand verlor er dabei aber nie.

Zuerst Sozialhilfe verweigert

Bei der Befragung durch die Richterin liess er keine Gelegenheit aus, gegen das Dietliker Sozialamt zu schiessen. Fakt ist, dass dieses ihm zuerst seinen Antrag auf Sozialhilfe verweigert hat, worauf er beim Bezirksrat rekurrierte und teilweise recht erhielt. Danach entbrannte ein Streit zwischen ihm und dem Sozialamt, wie nun der Entscheid auszulegen und umzusetzen sei. In diesem Zusammenhang sind danach die Drohungen erfolgt.

Der Angeklagte stellte sich aber auf den Standpunkt, dass es nicht nachweisbar sei, dass er besagtes E-Mail geschrieben habe. Was er genau beim Hinauslaufen gesagt habe, hätten die Angestellten des Sozialamts zudem nicht hören können, da es im Gemeindehaus sehr laut gewesen sei. Sein Verteidiger sagte dann aber, dass sein Mandant zugebe, den Satz gesagt zu haben. «Er wollte damit aber darauf hinweisen, dass im Sozialamt – wie in Pfäffikon auch – Missstände vorherrschen, sodass es zu Unheil kommen könnte», erklärte der Anwalt. Der Angeklagte habe aber nicht gemeint, dass er selber dieses Unheil anrichten werde. Der Verteidiger forderte deshalb einen Freispruch.

Der Staatsanwalt forderte eine unbedingte Gefängnisstrafe von zehn Monaten und eine psychiatrische Massnahme – ein Gutachter stellte eine paranoide Schizophrenie fest. Das Urteil wird am Freitag veröffentlicht. Bis dahin gilt die Unschuldsvermutung. Der Fall wurde bereits 2013 vor dem Bülacher Bezirksgericht verhandelt. Weil der zuständige Richter kurz danach in die Dietliker Sozialbehörde gewählt wurde, wies das Obergericht den Fall zurück.

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Erscheinungsdatum: 
26.01.2015
Fundstelle: 
http://www.zuonline.ch/artikel_294103.html

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