Haftstrafe oder Psychiatrie?

Haftstrafe oder Psychiatrie?
PROZESS Gericht berät über enthemmten 36-Jährigen aus Dillenburg

Limburg/Herborn. Mit einem schwierigen Fall haben es die Beteiligten in einem neuen Prozess vor der 5. Großen Strafkammer des Limburger Landgerichts zu tun. Die Richter müssen über den Verbleib eines 36-jährigen in Herborn wohnhaften Dillenburgers entscheiden. Soll er eine Haftstrafe in einer JVA absitzen oder ist ihm und der Gesellschaft eher mit einer dauerhaften Unterbringung im Psychiatrischen Krankenhaus geholfen, ist die Frage.

Der geschiedene Mann und Vater eines Kinds, der jetzt einen gesetzlichen Betreuer hat, ist der versuchten sexuellen Nötigung angeklagt. Er habe als Patient in der Vitos Klinik in Herborn mit einer Patientin den Beischlaf vollziehen wollen, so die Staatsanwaltschaft. Am Abend des 25. Juni 2013 sei er im Zimmer einer Patientin erschienen, habe sich auf ihr Bett geworfen, sich plötzlich und unerwartet auf sie gelegt, sie geküsst und gesagt, dass er sie liebe und heiraten wolle. Dabei soll der Mann sein Geschlechtsteil in der Hand gehabt haben.

Ein ins Zimmer gestürzter Pfleger habe den Mann am Hosenbund gepackt und von der Patientin heruntergezogen, schilderte der Staatsanwalt die Situation. Danach war er von einem Arzt fixiert worden, und einige Tage später wurde Anzeige erstattet.
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Der Angeklagte gab an, sich nur bruchstückhaft an den Vorgang erinnern zu können, und meinte: "Ich hätte sie nicht vergewaltigt. Ich hab mich am nächsten Tag bei ihr entschuldigt."

Damit ist es aber nicht getan. "Die Patientin hatte panische Angst, war verwirrt, fix und fertig", berichtete der im Nachtdienst tätige Pfleger, der den Angeklagten als ziemlich renitent beschrieb.

"Ich konnte ihn keine Minute aus den Augen lassen", berichtet ein Pfleger

"Er wirkte angespannt, hatte Impulsausbrüche. Ich konnte ihn keine Minute aus den Augen lassen und habe eine Dreiviertelstunde bei ihm gesessen, um ihn zu beruhigen. Ich war mal eine Minute weg, da lag er auf der zugedeckten Patientin", berichtete der für die Station zuständige Pfleger.

Vorher habe der Angeklagte die Frau auf dem Flur getroffen und gedroht: "Ich fick dich noch heut Nacht." Auch dem Pfleger habe der Alkoholisierte gedroht: "Ich ficke deine Frau." Der Betroffene räumte ein: "Er hat mir nie etwas getan und mir einmal sogar Süßigkeiten auf den Tisch gelegt, trotzdem habe ich Bedenken gehabt." Der Vorsitzende Richter fragte den Pfleger nach seiner Einschätzung: "Wie gefährlich ist er?" Der Zeuge: "Es kommt darauf an, was er konsumiert hat."

Drogen und Alkohol sind offenbar das große Problem des Angeklagten, der zur Tatzeit wegen einer Psychose in klinischer Behandlung war. Der Pfleger kannte ihn längst, denn die Aufenthalte des 36-Jährigen in der Klinik waren kaum zu zählen. "Der war alle sechs bis acht Wochen da und kam oft freiwillig, meist wegen Alkohol- und Drogenkonsums".

Distanzlos und enthemmt soll er schon mal nach einer Therapeutin verlangt haben, weil er Liebe brauche. Ein andermal soll er hinter einer Krankenschwester sexuelle Handlungen begangen und auch Patientinnen belästigt haben. Zeitweise hatte er nach Drogenkonsum Wahnvorstellungen. Neben ihm auf der Anklagebank sitzt sein gesetzlicher Betreuer, gegenüber ein psychiatrischer Sachverständiger, der den Angeklagten auf seinen Geisteszustand begutachtet. Vorbestraft ist der 36-Jährige unter anderem wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz, Fahrens ohne Fahrerlaubnis, Sachbeschädigung und Körperverletzung.

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Erscheinungsdatum: 
26.01.2015
Fundstelle: 
http://www.mittelhessen.de/lokales/region-dillenburg_artikel,-Haftstrafe-oder-Psychiatrie-_arid,417468.html

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