Die Abgründe hinter der Modedroge

26.01.2015

Die Abgründe hinter der Modedroge

Ingolstadt (DK) Der „Tatort“ am Sonntagabend drehte sich um die synthetische Modedroge Crystal Meth und die erschreckenden Wesensveränderungen und Aussetzer, die Konsumenten bei deren exzessivem Gebrauch erleiden können. Millionen Zuschauer bekamen eine fiktive Geschichte erzählt, deren Hintergrund allerdings durch harte Fakten belegt ist: „Crystal“ findet vor allem in Bayern und Sachsen (wegen der Nähe zum Hauptproduktionsland Tschechien) immer breiteren Absatz – und sogar den Weg in bürgerliche Kreise jenseits des altbekannten Drogenmilieus.

Millionen Zuschauer bekamen eine fiktive Geschichte erzählt, deren Hintergrund allerdings durch harte Fakten belegt ist: Crystal findet vor allem in Bayern und Sachsen (wegen der Nähe zum Hauptproduktionsland Tschechien) immer breiteren Absatz und sogar den Weg in bürgerliche Kreise jenseits des altbekannten Drogenmilieus.

ie traurige Erfahrung, dass sich bei Menschen unter häufigem Einfluss von Methamphetamin (so die wissenschaftliche Bezeichnung) sehr schnell körperlicher Verfall und auch Psychosen einstellen können, spielt auch eine große Rolle im gegenwärtigen Prozess gegen einen rauschgiftgewöhnten 28-jährigen Mann aus dem nördlichen Landkreis Pfaffenhofen vor dem Ingolstädter Landgericht. Er hatte, wie schon berichtet, im vergangenen Mai seine Lebensgefährtin mit einem Messer attackiert und lebensgefährlich verletzt, weil er nach „Crystal“-Konsum angeblich die Vorstellung entwickelt hatte, sie trachte ihm nach dem Leben.

Der junge Mann hat nach eigenen Angaben vor Gericht seit Jahren regelmäßig die Synthetikdroge konsumiert und – wohl unter diesem Einfluss – ab Ende 2013 zunehmend unter Angstzuständen und Verfolgungswahn gelitten. Jetzt ist es Aufgabe des Gerichts, herauszufinden, inwieweit sich unter der Wirkung des Rauschgifts beim Angeklagten eine psychotische Veränderung ergeben hat. Er selbst hatte sich vor der Tat bereits mehrfach von sich aus in die Psychiatrie begeben und laut Zeugenaussagen auch unmittelbar nach dem blutigen Vorfall vom Mai gegenüber Nachbarn angedeutet, nunmehr in die Psychiatrie gebracht werden zu wollen.

Tatsächlich sitzt der Beschuldigte seither im Bezirkskrankenhaus Haar. Er hat dort angeblich auch alle möglichen Therapieangebote angenommen. Ohne Hilfe von außen hätte er sich wohl eher über kurz als über lang gesundheitlich völlig ruiniert, hatte er bei seiner ausführlichen Aussage vor der Schwurkammer erklärt. Die Staatsanwaltschaft geht bislang davon aus, dass der Mann beim Angriff auf seine Freundin im Zustand der Schuldunfähigkeit oder zumindest der geminderten Schuldfähigkeit gehandelt hat. Allerdings wurde bei einer psychologischen Begutachtung des Patienten kein Hinweis auf eine Psychose oder auf Schizophrenie gefunden.

Merkwürdig auch: Eine in der Tatnacht von der Polizei beim Angeklagten veranlasste Blutprobe hatte nur vergleichsweise geringe Spuren von Abbausubstanzen der Rauschmittel Methamphetamin und Cannabis enthalten. Für einen ausgeprägten Drogenrausch zur Tatzeit spricht das eher nicht.

Das Gericht hat gestern mehrere Polizisten vernommen, die den Beschuldigten festgenommen hatten. Auf etliche Beamte hatte er unmittelbar nach der Tat apathisch gewirkt. Auch Schweißausbrüche und eine auffällige Blässe des Mannes sind einigen Ordnungshütern noch in Erinnerung. Der Prozess wird am kommenden Freitag fortgesetzt.

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