Landgericht - Eher kein Fall für die Psychiatrie?

24. Januar 2015 00:34 Uhr

Landgericht - Eher kein Fall für die Psychiatrie?

Der Mann, der seiner Freundin die Kehle durchgeschnitten hat, ist laut Gutachterin nicht psychisch krank. Der Antrag der Staatsanwaltschaft auf Einweisung könnte nun scheitern Von Harald Jung
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Laut Anklage leidet der 28-Jährige an Wahnvorstellungen. Er glaubte, dass ihm seine Freundin und ein unbekannter Mann ans Leben wollten.

Deshalb schnappte er sich am 10. Mai vergangenen Jahres ein Küchenmesser, stürzte sich von hinten auf seine Freundin (38), schnitt ihr die Kehle durch und stach danach noch mehrmals auf sie ein. Als das Messer abbrach, suchte er sich ein anderes und wollte wieder zustechen, aber das blutüberströmte und schwer verletzte Opfer konnte flüchten und sich ins Treppenhaus retten. Dort standen an diesem Samstagabend bereits mehrere besorgte Nachbar, die die Schreie der Frau gehört hatten. „Überall war Blut“, schilderte eine Bewohnerin des Mehrfamilienhauses am gestrigen zweiten Prozesstag dem Schwurgericht. „Mein Freund wollte mich umbringen“, habe die Frau geschrien. Gegen den Hals hatte sie sich ein Handtuch gedrückt, aber trotzdem quoll eine erhebliche Menge Blut darunter hervor. Ihre Tochter leide noch heute heftig unter den Folgen der Bluttat, schilderte die Mutter gestern dem Gericht. Oft sei sie tagelang „nicht in der Lage, irgend etwas zu machen. Dann sitzt sie nur rum und weint“, sagte die Zeugin.

Die Staatsanwaltschaft hat die dauerhafte Unterbringung des Angeklagten in der Psychiatrie gefordert. Aber dieser Antrag hängt seit gestern am seidenen Faden. Denn eine Diplom-Psychologin sagte aus, sie habe bei der Begutachtung des Täters und in den Testergebnissen „keine Hinweise auf eine psychotische Erkrankung“ feststellen können. Auch Anzeichen von Schizophrenie seien nicht erkennbar.

Das macht die Aufgabe von Verteidiger Adam Ahmed etwas leichter. „Die Staatsanwaltschaft will bisher eine Unterbringung in der Psychiatrie, nicht jedoch die Verteidigung oder der Mandant. Eine Therapie in der Entziehungsanstalt wegen dem Drogenkonsum, nicht aber in einer Psychiatrie ist das Verfahrensziel“, erklärte Ahmed gegenüber unserer Zeitung.

Täter und Opfer haben Drogen konsumiert. Einige Stunden vor der Tat hat der Angeklagte Cannabis geraucht und Crystal genommen. Dieser gefährliche Mix soll seine Wahnvorstellungen erst ausgelöst haben. Der Mann ist zurzeit im Bezirkskrankenhaus Haar in der geschlossenen Abteilung untergebracht. Dort zeigt er laut Gutachterin eine hohe Kooperationsbereitschaft. „Er möchte die Therapie durchziehen und danach ein geregeltes Leben führen“, sagte seine Mutter gestern. Das Urteil soll Mitte Februar fallen.

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Erscheinungsdatum: 
24.01.2015
Fundstelle: 
http://www.augsburger-allgemeine.de/neuburg/Eher-kein-Fall-fuer-die-Psychiatrie-id32746867.html

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