Solingen: Gericht entscheidet über Unterbringung in Psychiatrie

23. Januar 2015
Solingen: Gericht entscheidet über Unterbringung in Psychiatrie

Solingen. Der Angeklagte wirkte ruhig und besonnen. Detailliert führte er aus, wie er in der Kindheit mehrfach mit den Eltern umgezogen war, in Solingen das Gymnasium besuchte, Fußball spielte, im Alter von 13 Jahren begann, Cannabis zu konsumieren - und wie ihn Stimmen in seinem Kopf und Trugbilder mit 17 Jahren aus der Bahn warfen. "Es hat sich gebessert, aber volle Einsicht in den Krankheitswert seiner Erfahrungen hat er noch immer nicht", bescheinigte der Sachverständige dem heute 20-Jährigen. Dieser muss sich seit Mitte des Monats vor der 3. Strafkammer des Wuppertaler Landgerichts wegen versuchten Mordes verantworten.

Im Jahr 2014 hatte er in einer Wohngruppe auf einen Zimmernachbarn mit einem Messer eingestochen, diesen letztlich aber nur am Arm verletzt. Bei einem ärztlichen Gespräch im Anschluss an seine polizeiliche Vernehmung habe der junge Mann auffällig emotionslos gewirkt, so der Sachverständige. Vom Opfer habe sich der Angeklagte bedrängt gefühlt. Er habe sich eingebildet, der Zimmernachbar nehme ihm die Atemluft weg und könne sich durch die Wand in einen anderen Raum "hineindenken". Ungewöhnliche Sinneswahrnehmungen und die Auffassung, er könne zum Beispiel mit Vögeln und Autos kommunizieren, hätten ihren Ursprung im jahrelangen Drogenkonsum des Angeklagten, sagte der Sachverständige und betonte: "Cannabis ist die gefährlichste Droge." Die mögliche psychotische Wirkung der oft als weiche Droge eingestuften Substanz gehe zum Teil weit über den Zeitpunkt des Konsums hinaus und ähnele stark einer Schizophrenie. Eine solche Erkrankung hatten die Psychiater in einer Nervenklinik beim Angeklagten zunächst fälschlicherweise diagnostiziert.

Auch Amphetamine hatte der junge Mann wiederholt eingenommen. Vor Gericht bekräftigte er, seinen Drogenkonsum beenden zu wollen. Einen direkten Zusammenhang zwischen den Betäubungsmitteln und seinen Wahnvorstellungen sehe er allerdings nicht. Der Sachverständige bescheinigte dem Angeklagten Schuldunfähigkeit für den Tatzeitpunkt und sprach sich für die vorübergehende Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung aus. Heute Mittag will das Gericht ein Urteil fällen.
Quelle: rdl

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Erscheinungsdatum: 
23.01.2015
Fundstelle: 
http://www.rp-online.de/nrw/staedte/solingen/gericht-entscheidet-ueber-unterbringung-in-psychiatrie-aid-1.4818970

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