18 Jahre alter Intensivtäter wird in Psychiatrie eingewiesen

22.01.2015

18 Jahre alter Intensivtäter wird in Psychiatrie eingewiesen

Andrzej S. ist erst 18, hat aber schon einiges verbrochen. Alle Versuche der Resozialisierung scheiterten. Jetzt muss er in die psychiatrische Abteilung eines Krankenhauses.

Schon in seiner Kindheit war Andrzej S. straffällig geworden. Der Junge aus Neukölln soll mit elf Jahren bereits mindestens 25 Straftaten verübt haben. Das Jugendamt schickte ihn als Zwölfjährigen schließlich zur Resozialisierung auf einen Bauernhof ins mittelasiatische Kirgisistan. Allem Anschein nach waren die jahrelangen Anstrengungen aber vergeblich. Nach seiner Rückkehr wurde der Jugendliche mehrfach rückfällig. Das Landgericht Berlin verfügte jetzt die Unterbringung des inzwischen 18-Jährigen in die psychiatrische Abteilung eines Krankenhauses, bestätigte Justizsprecher Tobias Kaehne der Berliner Morgenpost.

Der 18-jährige Täter habe über fünf Jahre vom Jugendamt die Chance erhalten, sich zu resozialisieren und einen straffreien Weg zu gehen, sagte Neuköllns Jugendstadtrat Falko Liecke (CDU). Als er mit zwölf Jahren vom Jugendamt nach Kirgisistan geschickt wurde, habe die Hoffnung auf Verbesserung bestanden, ergänzte der Dezernent. Der Junge habe damals aus der Familie herausgeholt werden müssen, auch wegen der Gewalttätigkeit seines Stiefvaters.

Drogenvergehen, Diebstahl mit Waffen, Körperverletzung

Von März 2009 bis April 2014 lebte das Kind polnischer Zuwanderer auf einem 5000 Kilometer von Neukölln entfernten Bauernhof. Kurz bevor er volljährig wurde und die Zuständigkeit des Jugendamtes endete, erfolgte die Rückkehr nach Berlin. Vier Monate blieb er unauffällig, seit August fiel er durch Drogenvergehen, räuberischen Diebstahl mit Waffen und Körperverletzung auf. Verurteilt wurde der junge Mann nicht, so Gerichtssprecher Kaehne.

Der Angriff mit einem Komplizen in Neukölln auf einen Hausmeister mit einem Zimmermannshammer, bei dem der Mann schwer verletzt wurde, führte jetzt dazu, dass dem 18-Jährigen eine Persönlichkeitsstörung attestiert wurde. Ohne Behandlung sei er weiter gefährlich. Der Täter habe nach Auffassung der Staatsanwaltschaft in Tötungsabsicht gehandelt und sei nicht bereit, sich normgerecht zu verhalten. Das psychiatrische Gutachten kommt zu dem Ergebnis, dass Andrzej S. eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt und diese vor ihm geschützt werden muss.

60.000 Euro pro Jahr zahlte der Bezirk

"Die besondere Schwere des Falls ist erschreckend. Es ist gut, dass keine Straftaten mehr begangen und andere Menschen geschädigt werden können. Ich bin auch froh, dass keine weitere Jugendhilfemaßnahme angeordnet wurde, denn die Jugendhilfe ist hier am Ende", sagte Liecke zur Entscheidung des Landgerichts.

Während des Aufenthalts in Kirgisistan gab es einen ständigen Kontakt und – neben Telefonaten mit den Eltern – jährliche Besuche einer Sozialpädagogin. Deren Einschätzung führte letztlich dazu, dass die Jugendhilfsmaßnahme immer wieder verlängert wurde, erläuterte Jugendstadtrat Falko Liecke. Es gab Vorkommnisse wie kleinere Diebstähle, Gewalt gegen sich und Gegenstände, doch auch längere Phasen in denen es aufwärts zu gehen schien.

60.000 Euro jährlich zahlte der Bezirk für die aufwendige Erziehungsmaßnahme, die den psychisch auffälligen Jungen resozialisieren sollte. Der Jugenddezernent hält nach Ende der Therapie in der Psychiatrie nur die "Rückführung in das Heimatland Polen" für angebracht. "Es ist nicht vertretbar, dass der Steuerzahler für diesen Täter weiter aufkommen muss", so Liecke.
Quelle: pol
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Erscheinungsdatum: 
22.01.2015
Fundstelle: 
http://www.morgenpost.de/bezirke/neukoelln/article136675974/18-Jahre-alter-Intensivtaeter-wird-in-Psychiatrie-eingewiesen.htm

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