Gericht weist Molotow-Täter in die Psychiatrie ein

22. Januar 2015 | 00.00 Uhr
Rheinberg
Gericht weist Molotow-Täter in die Psychiatrie ein

Rheinberg. Rheinberger (28) hat im Wahn das Feuer verursacht.

Weil er sich durch seine Nachbarn verfolgt und angegriffen fühlte, warf ein Rheinberger einen Molotow-Cocktail. Die Auswärtige Große Strafkammer hat gestern die dauerhafte Unterbringung des 28-Jährigen angeordnet. Der Mann ist psychisch krank.
Den Brandsatz richtete er vor gut einem Jahr auf den Balkon eines anderen Hausbewohners. Während der schlief, fingen Möbel auf dem Balkon Feuer, und das Fenster zerbarst. Die Fensterrahmen waren vollkommen verkohlt und zerschmolzen, die Wohnung verqualmt und verrußt. Ein Polizist wurde bei der Rettung mehrerer Personen verletzt. Er erlitt eine Rauchgasvergiftung.
Für die schwere Brandstiftung in Tateinheit mit Körperverletzung und Verstoß gegen das Waffengesetz kann der Mann nicht verurteilt werden, folgerte das Gericht gestern am zweiten Verhandlungstag. Ein Facharzt hatte ausgeführt, dass der Angeklagte aufgrund einer paranoid halluzinatorischen Psychose sein Verhalten nicht steuern konnte. Das tatsächliche Geschehen war unstreitig. Der Rheinberger hatte zugegeben, den Brandsatz aus einer mit Waschbenzin gefüllten Bierflasche gebastelt und auf den Balkon geworfen zu haben. Das Gericht glaubte ihm allerdings nicht, dass er davon ausging, dass kein Feuer entstehen könne. Er habe Erfahrung in solchen Dingen gehabt. Schwere Folgen hätten nahe gelegen.

"Das hätte bis hin zum Abbrennen des kompletten Gebäudes führen können", so der Richter. Das habe der Beschuldigte zwar kaum gewollt, aber billigend in Kauf genommen. "Ihre Einsichtsfähigkeit war vollständig aufgehoben", führte er weiter aus. Der Mann habe im Wahn gehandelt. In seiner Gedankenwelt werde er verfolgt und von Stimmen bedrängt. Er habe sich nicht anders zu helfen gewusst, als selber zum Verfolger zu werden.
Mit weiteren Straftaten sei zu rechnen, wenn der Rheinberger nicht behandelt werde. Noch immer gehe eine erhebliche Gefahr von ihm aus. Das Ausmaß seiner Krankheit habe er vermutlich selber durch übermäßigen Konsum von Alkohol und Drogen verstärkt.

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Erscheinungsdatum: 
22.01.2015
Fundstelle: 
http://www.rp-online.de/nrw/staedte/rheinberg/gericht-weist-molotow-taeter-in-die-psychiatrie-ein-aid-1.4815251

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