Bluttat: Sohn bleibt in Psychiatrie

Bluttat: Sohn bleibt in Psychiatrie
Der 22-jähriger Regensburger erstach seine Mutter mit einem Küchenmesser. Er glaubte im Wahn, sie sei vom Teufel besessen. Zum Prozessauftakt war der Angeklagte unter strengen Sicherheitsauflagen ins Gericht gebracht worden. Die Urteilsverkündung fand ohne den unter einer Psychose leidenden 22-Jährigen statt.

REGENSBURG Er glaubte, seine Mutter sei vom Teufel besessen: Der 22-Jährige, der die 56-jährige Regensburgerin am 5. Mai letzten Jahres im Wahn mit einem Küchenmesser tötete, bleibt dauerhaft in der Psychiatrie. Nach viertägiger Verhandlung unter Ausschluss der Öffentlichkeit verkündete das Schwurgericht am Dienstag das Urteil für den an Wahnvorstellungen und einer indifferenzierten Schizophrenie leidenden Beschuldigten. Von diesem seien „weitere erhebliche Straftaten bis hin zum Tötungsdelikt“ zu erwarten, so der Vorsitzende Richter Werner Ebner. Der einzige, innig geliebte und behütete Sohn der Getöteten, sei „eine Gefahr für die Allgemeinheit“. Der junge Regensburger beging den Totschlag im Zustand der Schuldunfähigkeit.
Die öffentliche Urteilsverkündung fand ohne den 22-Jährigen statt, der an der Verhandlung nur unter stärksten Sicherheitsvorkehrungen hatte teilnehmen können.
„Tragik übertrifft jedes Verfahren“
„Die menschliche Tragik dieses Sicherungsverfahrens übertrifft jedes Verfahren, mit dem das Schwurgericht in den letzten Jahren zu tun hatte“, betonte der Vorsitzende Richter Werner Ebner in seiner Urteilsbegründung. Denn 1985 war die Getötete schon einmal einem gravierenden Verbrechen des versuchten Mordes, der gefährlichen Körperverletzung und eines Sexualverbrechens in widerstandsunfähigem Zustand zum Opfer gefallen. Die Entführte war damals nur knapp dem Tod entgangen.
29 Jahre später, so Ebner, fiel die 56-Jährige ihrem einzigen Sohn zum Opfer, der sie im Zustand einer besonders schweren Psychose tötete. Auch der 22-Jährige sei damit zum Opfer geworden, so das Gericht. Denn er habe seine inniggeliebte Mutter und einzige Bezugsperson durch seine Tat verloren.
Der Beschuldigte war als uneheliches Kind der Getöteten zur Welt gekommen. Mit seinem Vater, einem US-Amerikaner, der an die 13 Kinder mit verschiedenen Frauen haben soll, hatte er so gut wie „Null Kontakt“, so Ebner. „Die Mutter investierte all ihre Liebe in ihr Kind.“ Dennoch zeigte der überdurchschnittlich intelligente Bub bereits als Kleinkind Verhaltensauffälligkeiten. Viermal musste er deshalb den Kindergarten, acht Mal die Schule wechseln und verließ die 10. Klasse ohne Abschluss. Auch zwei Ausbildungsversuche stand er nicht durch. Mit 17 begann der Beschuldigte, Drogen zu nehmen. Auch strafrechtlich fiel er durch Betäubungsmittel- und Gewaltdelikte auf.

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Erscheinungsdatum: 
21.01.2015
Fundstelle: 
http://www.mittelbayerische.de/region/regensburg/artikel/bluttat-sohn-bleibt-in-psychiatrie/1179311/bluttat-sohn-bleibt-in-psychiatrie.html

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