Jene Selbsthilfegruppen erhalten das meiste Geld, deren Mitglieder die teuersten Medikamente benötigen

Auswertung von Pharmaspenden zeigt: Jene Selbsthilfegruppen erhalten das meiste Geld, deren Mitglieder die teuersten Medikamente benötigen

Mehr als 5,5 Millionen Euro haben Pharmakonzerne im vergangenen Jahr an Patientenorganisationen überweisen. Eine Auswertung dieser Spenden durch den SPIEGEL zeigt nun, dass jene Selbsthilfegruppen die meisten Industriespenden erhalten, deren Mitglieder die teuersten Medikamente benötigen.

So hat der Bayer-Konzern, Hersteller des Präparats Betaferon, im vergangenen Jahr 35 Spenden an Organisationen von Multiple-Sklerose-Patienten im Gesamtwert von 62.000 Euro geleistet. Merck Serono, Hersteller des Präparats Rebif, hat 26-mal an MS-Patientengruppen gespendet und insgesamt 85.000 Euro überwiesen. Stiefmütterlich fristen dagegen jene Patientenorganisationen ihr Dasein, für deren Behandlung es keine konkurrierenden, teuren Medikamente gibt. So hat die Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke im vergangenen Jahr genau eine einzige Spende der Industrie im Wert von 200 Euro erhalten. Letztlich gehe es für Pharmafirmen immer darum, mithilfe von Sponsoring den Absatz ihrer Produkte zu verbessern, sagt die Gesundheitswissenschaftlerin Ingrid Mühlhauser.

Zwar verpflichtete sich die Pharmaindustrie im Jahr 2008, ihre Spenden öffentlich zu machen. Doch die Hinweise finden sich bis heute nur versteckt auf den jeweiligen Websites der Unternehmen. Weder ein Pharmakonzern noch der Lobbyverband der forschenden Arzneimittelhersteller noch die Freiwillige Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie haben die Zahlungen bisher in einer Datenbank zusammengeführt.

SPIEGEL und SPIEGEL ONLINE haben nun erstmals für das Jahr 2013 alle 1364 Einzelspenden der Pharmaindustrie in eine öffentlich zugängliche Datenbank übertragen. Jeder kann hier nachsehen, welches Unternehmen welche Selbsthilfeorganisation mit wie viel Geld unterstützt. Die Datenbank ist seit dieser Woche auf www.spiegel.de/patientendatenbank frei zugänglich.

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