Freiberger bekommt seine Ängste in den Griff - "Du sollst nicht kneifen"

Freiberger bekommt seine Ängste in den Griff

Viele Menschen werden von Angststörungen geplagt, aber kaum einer redet darüber. Außer Ulf Draeger. Der Geschäftsmann hat gleich ein Buch geschrieben.

Freiberg. Gerade ist sein Buch erschienen. "Du sollst nicht kneifen", hat es Udo Draeger genannt. Darin schildert er, wie er Angst und Panik bewältigt hat und seinen Weg aus der Krise fand. "Ohne meine Familie, insbesondere die Hilfe und das Verständnis meiner Frau Andrea hätte ich das nicht geschafft", sagt der 52-Jährige. Der Mess- und Regeltechniker arbeitet in einem Freiberger Elektronikwerk. Er hat eine Tochter und eine Enkelin.

Die Probleme begannen vor zehn Jahren. Im Nachhinein vermutet Udo Draeger, dass ein proppenvoller Terminplan für berufliche und private Aktivitäten der Auslöser war. Es war im Januar 2005. "Gegen 13 Uhr merkte ich plötzlich, dass in mir etwas vorging. Eine unerklärliche Angst stieg in mir hoch, die mir die Luft zu nehmen drohte. Mein Herz schlug rasend schnell, ich zitterte am ganzen Körper. Ich hatte das Gefühl, dass mein gesamter Kreislauf im nächsten Moment zusammenbrechen würde. Mich beherrschte nur noch ein Gedanke: Das überlebe ich nicht", schreibt er im Buch.
Atemnot, Engegefühl in Brust und Kehle, Herzrasen, Hyperventilation, Schweißausbrüche, Zittern, Schwindel sowie Erbrechen sind typische Symptome einer Angsterkrankung, zu der auch die Panikstörung gehört, erklärt Rudolph W. Lehle, Chefarzt des Fachkrankenhauses für Psychiatrie und Psychotherapie "Bethanien" Hochweitzschen. Der Körper reagiere damit auf eine Bedrohung, die nicht wirklich vorhanden ist. Infolge vermeide der Patient alle Situationen, die Panik auslösen können und schränke damit sein Leben sehr ein.

"Leider wird von den Betroffenen psychiatrische-psychotherapeutische Hilfe immer noch unzureichend angenommen", sagt der promovierte Mediziner. Jährlich seien rund 30Prozent der erwachsenen Bevölkerung betroffen, doch nur etwa ein Viertel erhalte die erforderliche fachliche Hilfe. Unter Angststörungen leiden nach Angaben des Chefarztes doppelt so viele Frauen wie Männer. Angststörungen würden meist ambulant oder in einer Tagesklinik behandelt, in schwereren Fällen auch stationär.

Nach den Erfahrungen des Sozialpsychiatrischen Dienstes im Landkreis Mittelsachsen kommen Patienten, die allein unter Panikstörungen leiden, eher selten vor. Meist seien Panikattacken im Gesamtzusammenhang anderer psychischer Erkrankungen wie Angststörungen, Depressionen, Missbrauch von Medikamenten und Suchtmitteln zu beobachten. Momentan sind laut Pressesprecher André Kaiser 23 Fälle einer Panikstörung in Mittelsachsen bekannt.

Buchbestellung und Informationen über E-Mail dusollstnichtkneifen@freenet.de.

erschienen am 17.01.2015

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