Drogenberatung Online-Hilfe für Crystal-Meth-Konsumenten

30.12.2014

Drogenberatung Online-Hilfe für Crystal-Meth-Konsumenten

Die Droge Crystal Meth verbreitet sich immer stärker in Deutschland. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung versucht nun mit einem Online-Angebot gegenzusteuern. Abhängige und deren Angehörige können sich dort anonym Hilfe holen.

Einen bundesweiten Trend oder zuverlässige Zahlen zur Verbreitung von Crystal Meth innerhalb Deutschlands gibt es nicht.

"Was wir wissen, wissen wir aus Suchthilfeeinrichtungen, die mit Menschen in Kontakt kommen, die Beratung suchen oder gar Therapie brauchen."

Professorin Elisabeth Pott, Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, BZgA.

"Und da wissen wir, dass eine Verbreitung insbesondere in den Ländern an der tschechischen Grenze vorkommt, das sind insbesondere Bayern und Sachsen."

In Tschechien ist die Droge in der Szene schon länger etabliert. Seit einigen Jahren wird Deutschland als Absatzmarkt erschlossen. In Sachsen ist beispielsweise der Anteil von Crystal-Konsumenten, die Beratung suchen, allein von 2010 auf 2011 um ein Drittel gestiegen. Das Rauschgift hat allerdings auch hierzulande bereits eine lange Geschichte: In den 1930er-Jahren wurde Methamphetamin unter dem Markennamen Pervitin vertrieben. Im Zweiten Weltkrieg war es Bestandteil der Panzerschokolade, die Soldaten aßen, um Angst und Müdigkeit zu vertreiben. Heute sind die Konsumenten Partygänger.

"Im Freizeitbereich geht es vor allem darum, total Abschalten und richtig Durchfeiern zu können. Also Leistungsfähigkeit und Durchhaltevermögen zu steigern."

Andere nutzen Crystal, um Stress-Situationen im Beruf durchzustehen. So gab auch der ehemalige innenpolitische Sprecher der SPD im Bundestag, Michael Hartmann, gegenüber der Staatsanwaltschaft an, das Rauschmittel genommen zu haben, um leistungsfähiger zu sein. Die Droge wirkt schnell und stark – und verändert die Hirnchemie nachhaltig.

"Weil am Anfang dieser Rausch und diese Leistungssteigerung und die Euphorie, die damit verbunden ist, offensichtlich sehr stark im Vordergrund steht, dass sehr schnell eine psychische Abhängigkeit entsteht."

Vergeht die Euphorie, bleiben bei regelmäßigem Konsum verheerende Folgen für Körper und Psyche.

Langfristiger Konsum zerstört Nervenbahnen und schädigt die Zähne

"Es können Psychosen auftreten, Depressionen, bis zu Suizidgefährdung. Blutdrucksteigerungen, auch organische Schäden, Herzkreislaufprobleme."

Langfristiger Konsum zerstört zudem Nervenbahnen und schädigt die Zähne. Abhängige beklagen Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, zerkratzen ihre Haut in stereotypen Bewegungen, magern ab, vernachlässigen die Körperhygiene. Umgangssprachlich hat sich der Ausdruck Meth-Mund für stark kariöse Zähne Abhängiger etabliert. In Deutschland, wo Zahnbehandlungen von den Krankenkassen gezahlt werden, tritt er allerdings selten als Symptom auf. Betroffene können Beratung finden – das Suchtkrankenhilfe-System in Deutschland sei generell gut ausgestattet, sagt Elisabeth Pott.

"Man braucht für Crystal Meth eigentlich keine gesonderten Hilfsangebote, weil diejenigen, die in diesen Suchtkrankenhilfe-Einrichtungen tätig sind, ja schon über viele Jahre auch mit Patienten, die Aufputschmittel nehmen, die Methamphetamin nehmen, zu tun haben."

Um allerdings Menschen zu erreichen, die neu mit der Droge in Kontakt kommen und keine Einrichtung aufsuchen, hat die BZgA Mitte November ihre bundesweite Online-Beratung "drugcom" um eine Chat-Sprechstunde speziell zu Crystal Meth erweitert.

"Weil wir ja nicht genau wissen: Wie verbreitet sich Crystal jetzt gegebenenfalls auch in das übrige Bundesgebiet. Dass dann unabhängig davon, wo jemand in Kontakt mit Crystal kommt, er die Gelegenheit hat, bei diesem Online-Angebot Hilfe und Rat und Unterstützung zu bekommen."

Und das anonym und dadurch mit geringer Hemmschwelle für Konsumenten oder deren Angehörige. Betreut wird das Angebot von erfahrenen Suchttherapeuten. Bei Bedarf wird Hilfe vor Ort vermittelt. Die BZgA will den Chat zunächst bis Mitte Februar testen, ihn optimieren und schließlich als Dauereinrichtung anbieten.

Derzeit laufen zwei Studien zu Konsummustern von Methamphetamin in Deutschland. 2015 sollen zwei weitere Untersuchungen, unter anderem mit Beteiligung der BZgA, repräsentative Zahlen zur Verbreitung von Crystal Meth im Bundesgebiet liefern. Auf Grundlage der besseren Datenlage sollen dann weitere Strategien im Kampf gegen die Droge entwickelt werden.

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