Leben ohne Suchtmittel - Wallenhorster engagieren sich beim Kreuzbund

07.01.2015,
Leben ohne Suchtmittel Wallenhorster engagieren sich beim Kreuzbund

Engagieren sich im Kreuzbund und haben für 2015 wieder einen vollen Terminkalender: Petra und Johannes Recker aus Wallenhorst. Foto: von den BenkenEngagieren sich im Kreuzbund und haben für 2015 wieder einen vollen Terminkalender: Petra und Johannes Recker aus Wallenhorst.

Wallenhorst. Wie viele Menschen deutschlandweit unter einer Suchterkrankung leiden, weiß niemand genau. Denn auf die Frage, wo Genuss aufhört und Sucht anfängt, gibt es keine passende Antwort. Auch das Feld der modernen Suchterkrankungen erweitert sich stetig. So fielen früher Alkoholismus und Nikotinsucht unter diesen Begriff. Heute jedoch gehören genauso Spielsucht, Internetabhängigkeit, Essstörungen und viele andere Krankheitsbilder dazu.

Menschen, die unter einer Suchterkrankung leiden, benötigen Hilfe, das weiß der Wallenhorster Johannes Recker aus eigener Erfahrung. Er engagiert sich gemeinsam mit seiner Frau Petra im Kreuzbund und leitet eine Selbsthilfegruppe in Wallenhorst. Zur Erklärung: Der Kreuzbund ist ein bundesweit agierender Verband, der Suchtkranken und deren Angehörigen Hilfe anbietet. In rund 1400 Selbsthilfegruppen treffen sich nach Angaben des Bundes wöchentlich rund 25000 Menschen. Die ehrenamtliche Arbeit bildet dabei das Fundament des Kreuzbundes.

Auch die Eheleute Recker gehören zu den guten Seelen und engagieren sich ehrenamtlich. Einmal die Woche treffen sie sich mit ihrer Kreuzbundgruppe im Pfarrheim in Wallenhorst. „Wir sind meist mit 14 oder 15 Leuten zusammen“, erklärt Johannes Recker. „Viele unserer Gruppenmitglieder sind alkoholkrank, aber auch Angehörige ohne Alkoholprobleme gehören zu unserem Kreis.“

Gesellschaftlicher Druck

Der Drogenkonsum nehme stetig zu, so Recker. Und dabei gehe es nicht ausschließlich um Alkohol oder Rauschgifte, sondern auch die Online- und Spielsucht steige extrem an. „Das hängt mit dem gesellschaftlichen Druck zusammen, dem wir alle jeden Tag ausgesetzt sind“, weiß der Fachmann und betont: „Wichtig ist, dass jeder, egal unter welcher Suchterkrankung er leidet, bei uns willkommen ist.“ Viele Menschen fühlen sich überfordert, finden kurzfristige Entspannung durch Suchtmittel und landen so in einer nicht enden wollenden Spirale, die zielstrebig in eine Abhängigkeit führe.

Die Eheleute Recker sprechen dabei aus Erfahrung. Auch Johannes war lange Zeit alkoholabhängig. Dank eines einschneidenden Erlebnisses schaffte er den Sprung aus der Sucht. „Ich habe mich zum Entzug in eine Klinik begeben, und danach fing mein Leben noch einmal ganz von vorne an“, erinnert er sich noch heute. Viel Kraft habe es gekostet, aber dank der Unterstützung seiner Frau und den Angeboten des Kreuzbundes habe er einen Weg aus der Abhängigkeit gefunden.

„Auch die Partner leiden unter dieser Erkrankung“, betont Petra Recker. Sie selber habe sich lange machtlos gefühlt und sei dankbar, dass die Angebote des Kreuzbundes ihnen einen Weg gezeigt haben. „Und genau dies möchten wir weitergeben“, so erklären die Eheleute ihr Engagement.

Griff zum Hörer

Als Ansprechpartner in Sachen Sucht stehen sie rund um die Uhr für ihre Gruppenmitglieder bereit. „Es gibt immer mal eine Krisensituation, in der man besser zum Telefonhörer als zur Flasche greifen kann“, sind sie sich einig. Das Wir-Gefühl der Gruppe stärke jeden Einzelnen und sei wichtig für die Selbsthilfe. „Während der Gruppenarbeit besprechen wir Sorgen und Nöte“, so Johannes Recker.

Dies wirke entlastend und unterstützend für die Mitglieder, und besonders die positive Lebenseinstellung zeichne die Kreuzbund-Gruppe in Wallenhorst aus. „Wir machen auch viel gemeinsam. Treffen uns zum Grünkohlessen, unternehmen Tagesfahrten, und mit dem Kreisverband des Kreuzbundes geht es im nächsten Jahr nach Dresden“, zeigt Johannes Recker auf. Neben der gemeinsamen Tätigkeit mit seiner Frau vor Ort in Wallenhorst ist Johannes Recker stellvertretender Vorsitzender im Kreuzbund-Kreisverband Osnabrück und Osnabrücker Land und leitet den Festausschuss. Viel Zeit investieren die Eheleute in ihr Ehrenamt und haben für 2015 bereits einen vollen Terminkalender.

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