Poesie aus der Psychiatrie

15. Dezember 2014

Nina Hagen & Ilona Haslbauer
Poesie aus der Psychiatrie

Die größte Schöpfungskraft liegt oft der Verzweiflung, in der Ausweglosigkeit, im Schmerz. Es sind erstaunliche Gedichte, welche die 56-jährige Ilona Haslbauer während ihrer siebenjährigen Gefangenschaft in der geschlossenen Psychiatrie in Niederbayern verfasst hat. Dass sie jetzt an die Öffentlichkeit gelangen, gesprochen oder gesungen, verdankt die Frau aus Ortenburg (Landkreis Passau) dem Einsatz der Berliner Punksängerin Nina Hagen. Etwas 250 Zuschauer verfolgten im Passauer Redoutensaal das ungewöhnliche Adventskonzert - nach der Uraufführung in Berlin die bayerische Premiere.

Die Poetin und die Punkerin: Ilona Haslbauer (56) und Nina (Hagen (59) gaben in Passau ein Konzert zugunsten von Opfern der geschlossenen Psychiatrie. (Fotos: mediendenk)
Nina Hagen und Ilona Haslbauer bilden eine anregende Symbiose im gemeinsamen Kampf gegen das Unrecht des Wegsperrens von angeblich psychisch kranken Straftäter. Auf der Bühne erzeugen sie ein ein Wechselspiel zwischen Betroffenheit und guter Laune. Hier die eher bedrückende Poesie des Psychiatrieopfers, beängstigend und anklagend, dort die mit der Gitarre begleiteten rhythmischen Lieder der Punksängerin, aufmunternd und mitreißend. Nina Hagen würdigt mit Worten und in Gesten den Vortrag der niederbayerischen Laiendichterin. Diese genießt still das Wohlwollen der berühmten Künstlerin. Das Publikum war sichtlich angetan.

"Kriminelle Mafia"
Ein Prozess wegen Körperverletzung hatte Haslbauer den Maßregelvollzug eingebracht. Sie hatte eine Frau mit dem Einkaufswagen gerammt. Im Spätsommer dieses Jahres kam sie nach sieben Jahren frei. Der Fall ging durch die Medien wie Mollath. Bei ihrer Entlassung trat Haslbauer mit Mollath vor die Kamera. In ihrer Rede stellte sie das System an den Pranger, sprach von einer „kriminellen Mafia“. "Es geht um Missbrauch und Ausbeutung Abhängiger durch private Kliniken.“ Der Paragraf 63 regelt, dass "psychisch kranke" Straftäter in die geschlossene Anstalt kommen. Zu den Aktivisten gegen dieses umstrittene Gesetz, von Mollath "Nazigesetz" gescholten, gehört auch die 59-jährige Berliner Punksängerin Nina Hagen. Sie setzte sich erfolgreich für die Freilassung der Niederbayerin ein.

Die Aufsehen erregende Uraufführung des Bühnen-Duos Hagen-Haslbauer hat in Berlin stattgefunden. Passau, die Heimat des Opfers, wurde zum Schauplatz der bayerischen Premiere.Nina Hagen war zuletzt im Sommer 2012 in Passau bei den "Europäischen Wochen" in der Jesuitenkirche St. Michael aufgetreten. Der neue Intendant Peter Baumgardt hatte sie für sein erstes EW-Programm geholt. Bei der Anfrage für dieses relativ spontane Adventskonzert konnten die "Europäischen Wochen" in der Spielpause nicht weiterhelfen. Da sprang das "Scharfrichterhaus" als Veranstalter ein.

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