Krankheitsmodelle

Krankheitsmodelle
Psychische Störungen und Krankheiten sind inzwischen sehr häufig und können jeden Menschen treffen. Die Angst vor der Psychiatrie und vor Stigmatisierung verzögern häufig die frühzeitige Erkennung und Behandlung des Leidens.

Krankheit und Gesundheit
Eine Krankheit ist die Störung einer Funktion. Betroffen kann sein ein Organ, die Psyche oder der gesamte Organismus.
Krankheit wird oft im Gegensatz zur Gesundheit gesehen. Gesundheit stellt jedoch einen idealisierten Zustand besten Wohlbefindens dar und Krankheit muss nicht die einzige mögliche Ursache für mangelhafte Gesundheit sein. Die Grenzen zwischen „Krankheit“ und „Gesundheit“ sind fließend. Oft ist es lediglich eine Frage der Sichtweise. Fühlt man sich bezüglich seines körperlichen oder seelischen Wohlbefindens eingeschränkt, ohne dass der Krankheitswert medizinisch nachweisbar ist, dann sprechen wir von einer Befindlichkeitsstörung. Auf der anderen Seite können wir in einem als krank definierten Zustand sein, ohne einen Leidensdruck zu verspüren.

Allgemeine Einteilung der Krankheiten
Eine Einteilung der Krankheiten nach bekannten oder vermuteten Ursachen erfolgt in zehn verschiedene Kategorien : Durch Vererbung verursachte Erbkrankheiten. Durch Infektionen entstandene Infektionskrankheiten, dazu gehören auch die Kinderkrankheiten. Krankheiten, die durch äußere Einwirkung entstanden sind, also Unfälle und Verletzungen. Dann gibt es noch Vergiftungen, Verätzungen, Verbrennungen und andere durch chemische oder physikalische Einwirkung verursachte Schädigungen. Durch Abnutzung von Zellen oder Organen entstehen die degenerativen Erkrankungen. Falls das körpereigene Immunsystem seine eigenen gesunden Zellen bekämpft, sprechen wir von Autoimmunkrankheiten. Falls wiederum Zellen entarten und unkontrolliert wachsen, handelt es sich um eine Krebserkrankung. Durch Behandlung verursachte Erkrankungen nennen wir iatrogene Erkrankungen. Dann gibt es die sozialen Krankheiten, die wir in Zivilisationskrankheiten (Mangel an Bewegung, falsche Ernährung ..) und Mangelerkrankungen unterteilen. Und natürlich gibt es noch den Komplex der psychischen Erkrankungen.

Krankheitsmodelle
Um Krankheiten zu erklären, wurden im Lauf der Zeit verschiedene Modelle entwickelt, von denen das medizinische Krankheitsmodell und das Vulnerabilitäts-Stress-Modell genannt seien:

Das medizinische Krankheitsmodell
Zur Erklärung organischer Erkrankungen wird gerne das medizinische Krankheitsmodell herangezogen.
Das Modell ist Ergebnis einer Entwicklung seit dem Mittelalter, als der Ärztestand aufkam und damit die wissenschaftliche Ausbildung der Ärzte begann. Anfangs noch Sache der Kirche oder Seelsorge, der Familie und des betroffenen Menschen geriet die Krankheit an sich immer mehr in den Zuständigkeitsbereich der Ärzte. Nach der erfolgreichen Bekämpfung der Infektionskrankheiten im neunzehnten Jahrhundert gewann das medizinische Krankheitsmodell in den westlichen Industrienationen am meisten Bedeutung.
Das Modell gründet auf der Annahme einer bestimmten und auch erkennbaren Ursache für eine Erkrankung. Diese Ursache bewirkt nun die Schädigung von Zellen oder führt zu einer falschen Regulation mechanischer oder biochemischer Prozesse. Anhand der äußeren Anzeichen der Krankheit (Symptome) und der messbaren Veränderungen des Verlaufs stellt der Arzt nun eine Diagnose und spricht eine Behandlungsempfehlung aus.
Das medizinische Krankheitsmodell geht davon aus, dass es auf körperlicher Ebene einen Zusammenhang gibt zwischen Ursache und Wirkung. Die Ursache einer Erkrankung wird zunächst im Eindringen oder Einwirken von außen verstanden. Später wurden im Zuge der Erforschung von Stoffwechselerkrankungen auch Fehlfunktionen interner Steuerungsmechanismen als Erkrankungsursachen erkannt.
Der Krankheitsverlauf ist beschreibbar und vorhersagbar. Die Therapien gründen in aller Regel auf vier Prinzipien: Die Zuführung fehlender körpereigener Stoffe, die Beeinflussung des Stoffwechsels durch Entzug oder Zuführung bestimmter Substanzen, der biochemischen Bekämpfung des Krankheitserregers oder aber der mechanischen Korrektur oder strahlentechnischen Behandlung.

Das Vulnerabilitäts-Stress-Modell
Zwar wurden psychische Krankheiten zunächst rein biologisch im Sinne des medizinischen Krankheitsmodells erklärt, doch kam die Wissenschaft an einem bestimmten Punkt nicht mehr weiter. So kam es zur Entwicklung des Vulnerabilitäts-Stress-Modells (Diathese-Stress-Modell), welches sich zum Leitsatz der klinischen Psychologie entwickelte. Es liegt keiner speziellen psychologischen Schule zugrunde und verbindet Umweltfaktoren, biologische und psychologische Faktoren.
Diathese ist streng genommen die Anfälligkeit (Disposition) eines Menschen für eine bestimmte Krankheit. In diesem Falle steht Diathese jedoch für die Tendenz eines Menschen, auf eine bestimmte Weise auf Belastungen zu reagieren. Stress wiederum rührt von belastenden Umweltereignissen oder Lebenssituationen. Die Reaktion des Einzelnen auf Belastungen wird beeinflusst durch die Wirkung von Risikofaktoren und Schutzfaktoren.
Es geht darum, welche Wechselwirkungen zwischen Diathese und Stress bestehen. Im Mittelpunkt steht dabei die Annahme, dass zur Entwicklung einer Störung sowohl Diathese als auch Stress nötig sind. Stress ist im Modell als schädlicher Stress (Distress) zu verstehen : Der Arbeitsbereich des Stress-Anpassungssystems wird dabei überschritten.

Heutzutage gehen wir bei psychischen Störungen davon aus, dass verschiedene angeborene (genetische) Veranlagungen und Umweltfaktoren bzw. Bewätigungsmöglichkeiten zusammen wirken (multifaktorielle Genese).
Jeder Mensch hat seine individuelle genetische Empfindlichkeit (Vulnerabilität). Diese tritt beispielsweise durch die Familiengeschichte als Veranlagung auf. Insbesondere depressive Störungen, welche immer wiederkehren, zeigen eine erhöhte familiäre Häufung und weisen demnach auf eine hohe ererbte Empfänglichkeit für bestimmte Krankheiten (Prädispositon) hin.

Zumeist treten gleichzeitig auch Stressfaktoren zusammen mit dem Auftreten von ersten Symptomen bzw. Frühwarnzeichen einer Symptomatik auf. Dabei ist es ganz erheblich, welches soziale Netz oder welche Unterstützung der Betroffene hat und welche eigenen Bewältigungsmöglichkeiten (Coping) er in der Erkennung und Bewältigung von typischen Krankheitssymptomen entwickelt hat.
Demnach ist eine Früherkennung der für den Menschen typischen Warnzeichen von ganz entscheidender Bedeutung, weil er sich dann noch wirksam vor einer schwerwiegenderen Symptomatik schützen kann.

Umgang mit Stress (Stressmanagement)
Methoden zum Abbau von psychisch belastendem Stress nennen wir Stressbewältigung (Stressmanagement, Coping). Es gibt derer vielerlei Methoden, welche hilfreich sind, wenn die Selbstheilungskräfte und Widerstandsfähigkeit (Resilienz) eines Menschen nicht mehr genügen, um trotz innerer und äußerer Belastungen die Gesundheit und Leistungsfähigkeit zu erhalten.
Insbesondere in der arbeitenden Bevölkerung nahm die Stressbelastung in den letzten Jahren enorm zu. Stressbewältigung wird zusehends in der Psychotherapie eingesetzt und manche Betriebe reagieren inzwischen darauf, indem sie ihre Angestellten zu Coping-Kursen schicken. Ziel solcher Fortbildungen ist es, zwar innerlich im Fluss zu sein und im Beruf aufzugehen, ohne jedoch Stress zu erleiden durch Unter- oder Überforderung. Um einer posttraumatischen Belastungsstörung zu begegnen werden Methoden entwickelt, um Stress nach belastenden Ereignissen zu bearbeiten.
Stressmanagement setzt dabei auf Aufklärung und Enttabuisierung in Bezug auf psychische Stressbelastung, Förderung der individuellen Ressourcen und die Kompetenz zur Stressbewältigung.
Im Rahmen der Selbsthilfe werden sportliche Betätigung, gesunde Ernährung und Achtsamkeitsübungen angeraten.

Klassifikation von Erkrankungen nach ICD 10
Die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten (ICD, engl.: International Statistical Classification of Diseases) ist das wichtigste, weltweit anerkannte Klassifikationssystem für Diagnosenschlüssel in der Medizin. Es wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) herausgegeben. Die aktuelle, international gültige Ausgabe ist ICD-10, Version 2006.
Die aktuelle, in Deutschland gültige Ausgabe heißt ICD-10-GM, Version 2010. In Deutschland sind die an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmenden Ärzte und ärztlich geleiteten Einrichtungen laut Sozialgesetzbuch dazu verpflichtet, ihre Diagnosen nach ICD-10 GM zu verschlüsseln.
Das fünfte Kapitel der ICD-10 beschäftigt sich mit Störungen der Psyche und des Verhaltens. Die Diagnosen laut ICD 10 sind syndromaler Natur. Also liegen gleichzeitig verschiedene Symptome (Krankheitszeichen) vor, deren ursächlicher Zusammenhang und Entstehung und Entwicklung mehr oder weniger bekannt sind oder vermutet werden. Ausnahme ist das fünfte Kapitel des ICD 10, welches symptomatische Störungsmuster beschreibt.

Kommentare

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F60.31 Emotional instabile Persönlichkeitsstörung - Borderline Typus

Mindestens drei der folgenden Eigenschaften oder Verhaltensweisen müssen vorliegen,

deutliche Tendenz unerwartet und ohne Berücksichtigung der Konsequenzen zu handeln;
deutliche Tendenz zu Streitereien und Konflikten mit anderen, vor allem dann, wenn impulsive Handlungen unterbunden oder getadelt werden;
Neigung zu Ausbrüchen von Wut oder Gewalt mit Unfähigkeit zur Kontrolle explosiven Verhaltens;
Schwierigkeiten in der Beibehaltung von Handlungen, die nicht unmittelbar belohnt werden;
unbeständige und unberechenbare Stimmung.
Weiters müssen mindestens zwei der folgenden Eigenschaften und Verhaltensweisen vorhanden sein:

Störungen und Unsicherheit bezüglich Selbstbild, Zielen und "inneren Präferenzen" (einschließlich sexueller);
Neigung sich in intensive aber instabile Beziehungen einzulassen, oft mit der Folge von emotionalen Krisen;
übertriebene Bemühungen, das Verlassenwerden zu vermeiden;
wiederholt Drohungen oder Handlungen mit Selbstbeschädigung;
anhaltende Gefühle von Leere.

Die folgende ausgezeichnete Zusammenfassung der 9 Kriterien der Borderline-Persönlichkeitsstörung nach dem amerikanischen psychiatrischen Diagnoseschema DSM-IV finden Sie unter http://www.verhaltenstherapie.at/Ratgeber/Borderline.htm und wurde von Mag. Dr. Horst Mitmansgruber erstellt .

Merkmale einer Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS)

Neben den allgemeinen Merkmalen einer Persönlichkeitsstörung lässt sich jede Persönlichkeitsstörung nochmals genauer beschreiben. Bestimmte Merkmale kommen hier immer wieder gemeinsam vor.

Von einer BPS spricht man, wenn mindestens 5 der folgenden Merkmale vorhanden sind (die Informationen sind eine Zusammenfassung der Kriterien aus dem amerikanischen psychiatrischen Diagnoseschema DSM IV, dem zweiten gebräuchlichen Diagnosesystem im deutschsprachigen Raum neben dem ICD-10):

1. Verzweifeltes Bemühen, tatsächliches oder vermutetes Verlassenwerden zu vermeiden

Menschen mit BPS haben häufig große Angst davor, von Bezugspersonen oder Freunden verlassen zu werden. Diese Angst kann schon durch kleine Anlässe ausgelöst werden (z.B. Zuspätkommen einer Freundin). Neben der Angst kann auch unangemessene Wut in solchen Situationen vorherrschen. Die betroffene Person hat möglicherweise einen heftigen Wutausbruch, wenn ein Freund für ein Treffen momentan keine Zeit hat. Das drohende Verlassenwerden kann neben starken Gefühlsschwankungen auch zu einer deutlichen Veränderung des Selbstbilds führen. Ganz plötzlich sieht sich die Betroffene (der Großteil der Personen mit BPS sind Frauen) als "schlecht" oder "böse".

Entsprechend große Schwierigkeiten haben Betroffene mit dem Alleinsein. Sie können es allein kaum aushalten und brauchen ständig jemanden um sich. Ihr verzweifeltes Bemühen, nicht verlassen zu werden, führt schließlich manchmal auch zu sehr dramatischen Hilferufen an die Umwelt (Selbstverletzungen, Suiziddrohungen oder sogar Suizidversuche; siehe unten).

2. Muster instabiler, aber intensiver zwischenmenschlicher Beziehungen, das durch einen Wechsel zwischen Extremen der Idealisierung und Entwertung gekennzeichnet ist

Personen mit BPS haben, wie erwähnt, häufig wechselhafte, aber intensive Beziehungen. Nahe Bezugspersonen wie Lebenspartner, Eltern oder Kinder werden einmal nur im positivsten Licht gesehen (d.h. idealisiert), kurze Zeit (oft nur Minuten oder Stunden) später kann durch einen kleinen Anlass die Stimmung völlig umschlagen und die Person wird als bösartig, vernachlässigend, grausam oder aggressiv erlebt (d.h. entwertet). Entsprechend häufig ergeben sich heftige Konflikte und Auseinandersetzungen (siehe unten)

Auch bei neuen Beziehungen kann sich dieses Muster zeigen. Bereits nach einzelnen Kontakten wird die neue Bekanntschaft als wunderbar erlebt, möglicherweise werden bereits beim ersten Kontakt intime Einzelheiten anvertraut und die Person wird als ideal wahrgenommen. Treten dann die ersten unvermeidlichen Enttäuschungen auf, schlägt die Sichtweise der Person ins Gegenteil um.

3. Identitätsstörung: ausgeprägte und andauernde Instabilität des Selbstbildes oder der Selbstwahrnehmung

Immer wieder erleben BPS-PatientInnen einen starken Wandel ihrer Sichtweise zur eigenen Person. Die meisten Menschen haben in der Regel ein relativ beständiges Selbstbild über Jahre (z.B. Ich bin ein hilfsbereiter Familien-Mensch, manchmal etwas jähzornig, arbeite gern, halte das Geld zusammen, möchte eine Fremdsprache lernen, liebe Musik, tue mich etwas schwer mit dem Genießen etc. etc.). Bei Menschen mit BPS lässt sich jedoch häufig eine starke Instabilität, ein starker Wandel in diesem Bild von sich selbst finden. Sie sind sich in ihren Zielen zwar momentan sicher, verfolgen jedoch ein Ziel, geben es am nächsten Tag wieder auf, um es am übernächsten wiederaufzunehmen, häufig jedoch aus voller Überzeugung. BPS-PatientInnen fühlen sich an einem Tag als wertvolle und liebenswerte Menschen mit guten Eigenschaften, am nächsten Tag als der letzte Mensch, der es nicht verdient hat, sich wohl zu fühlen, weil er abgrundtief schlecht und sündhaft ist. Diese Instabilität zeigt sich auch in den vertretenen Wertvorstellungen und sogar hinsichtlich der sexuellen Orientierung (Heterosexualität vs. Homosexualität). Der Wandel im Selbstbild tritt häufig im Zusammenhang mit Enttäuschungen in Beziehungen auf.

4. Impulsivität in mindestens zwei potenziell selbstschädigenden Bereichen (außer Selbstverletzungen oder Suiziddrohungen)

Personen mit einer BPS sind also in ihren zwischenmenschlichen Beziehungen und ihrem Selbstbild impulsiv und wechselhaft. Aber auch in anderen Bereichen zeigt sich diese Impulsivität. Besonders problematisch sind Bereiche, die möglicherweise schädlich für das eigene Wohlbefinden sind. So kommt es häufig vor, dass Betroffene zu viel Alkohol, Drogen oder Medikamente konsumieren, ein risikoreiches Geschlechtsverhalten zeigen, rücksichtslos Autofahren, in Glücksspielen viel riskieren, massive "Fressanfälle" haben u.v.m. Gemeinsam ist diesen Verhaltensweisen, dass sie starke negative Folgen haben können. Dies wird jedoch in Kauf genommen bzw. das ist der eigentliche Reiz daran.

5. Wiederholte suizidale Handlungen, Selbstmordandeutungen oder -drohungen oder Selbstverletzungsverhalten

BPS-PatientInnen neigen schließlich auch zu wiederholten Suizidversuchen, sie deuten oder drohen einen Selbstmord an oder verletzen sich selbst durch Ritzen, Schneiden, Brennen und ähnliche Methoden. Ein vollzogener Selbstmord muss bei ca. 8-10% der Betroffenen festgestellt werden.

Diese suizidalen oder selbstverletzenden Handlungen finden wieder häufig im Anschluss an eine Zurückweisung, einen drohenden Verlust bzw. ein drohendes Verlassenwerden statt. Sie sind in der Regel auch der Grund, warum Personen in therapeutische Behandlung kommen. Selbstverletzendes Verhalten wird dabei immer wieder als entlastend beschrieben, d.h. den Betroffenen geht es anschließend irgendwie besser. Manchmal finden Selbstverletzungen auch in einem "dissoziativen", d.h. tranceartigen Zustand statt.

6. Stark wechselhafte Stimmung

Personen, die an BPS leiden, erleben intensive und stark schwankende Gefühle von Depression, Traurigkeit, Angst, Schuld oder Scham. Diese Gefühle sind häufig die Reaktion auf die Schwierigkeiten im zwischenmenschlichen Bereich und Ausdruck des äußerst negativen Selbstbilds von BPS-PatientInnen. Manchmal erleben die Betroffenen auch sehr positive Gefühle mit großer Stärke (starke Liebe, Freude oder Glück). Diese Episoden dauern in der Regel einige Stunden, selten einige Tage.

7. Chronische Gefühle der Leere

Verbunden mit diesen starken negativen Gefühlen leiden BPS-PatientInnen häufig stark unter einem chronischen Gefühl der Leere. Sie finden Langeweile unerträglich und versuchen deshalb vielleicht, sich ständig irgendwie zu beschäftigen.

8. Unangemessene, heftige Wut oder Schwierigkeiten, Wut zu kontrollieren

Vielleicht die auffälligste der "Gefühlsstörungen" ist das häufige Erleben von heftiger und unangemessener Wut bzw. Schwierigkeiten, diese Wut zu kontrollieren. Dies führt zu Konflikten, Ärgerausbrüchen und heftigen Streitereien mit Beschimpfungen, die manchmal bis zu körperlichen Auseinandersetzungen gehen. Anschließend fühlen sich die Betroffenen sehr schuldig bzw. schämen sich massiv für ihr Verhalten, was wiederum das negative Selbstbild verstärkt.

9. Vorübergehende, durch Belastungen ausgelöste paranoide Vorstellungen oder schwere dissoziative Symptome

Wenn BPS-PatientInnen durch Konflikte oder andere Faktoren stark belastet sind, kann es vorkommen, dass sich vorübergehend paranoide Vorstellungen bilden. Darunter versteht man z.B. Überzeugungen, dass man niemandem trauen kann, dass andere einem nur Schlechtes wollen und man daher äußerst vorsichtig sein muss. Die Betroffenen unterstellen Bezugspersonen nur die schlechtesten Motive für ihr Verhalten. Weiterhin treten manchmal sehr starke "dissoziative Symptome" auf. Dissoziative Symptome sind etwa starke Gefühle des Unwirklich-Seins ("Derealisation"; die Realität wirkt unwirklich, "wie im Film" etc.) oder des Losgelöst-Seins vom eigenen Körper ("Depersonalisation"; man steht irgendwie neben sich, man "schwebt unter der Decke und sieht sich selbst zu", das Gefühl, "nicht mehr ich zu sein" und Ähnliches). Diese Zustände sind in der Regel von eher kurzer Dauer und gehen wieder zurück, wenn die Belastung abnimmt (wenn der Partner etwa wieder zurückkommt).