Blümchen statt Gitter

Fr, 19. Dezember 2014

Blümchen statt Gitter
Eine Psychiatrie ist kein Gefängnis / Vorurteile halten sich trotzdem / Eine Schülerumfrage.

Wie sieht es in einer Psychiatrie aus? Und welche psychischen Erkrankungen gibt es dort überhaupt? Diese Fragen und noch mehr stellte Zischup-Reporterin Sarah Schnaiter Mitschülern und Mitschülerinnen. Immerhin liegt ihre Schule, die GHSE, ganz in der Nähe des Emmendinger Zentrums für Psychiatrie. Warum sich also nicht mal mit diesem Thema befassen? Insgesamt wurden 31 Jugendliche befragt.

Da viele Menschen mit Emmendingen vor allem die Psychiatrie verbinden, interessierte mich die Frage, wie sie es finden, dass es hier so eine große Psychiatrie gibt. Über 50 Prozent der Befragten kreuzten an, dass sie das nicht stören würde.

Die Emmendinger Psychiatrie, bekannt unter der Abkürzung ZfP (für Zentrum für Psychiatrie), blickt auf eine über 100-jährige Geschichte zurück. Sie wurde im September 1889 in Emmendingen gebaut. Teiche, Blumenbeete und alle Arten von Bäumen schmücken die Klinik. Sehr häufig finden dort auch Veranstaltungen statt, an Weihnachten zum Beispiel der Weihnachtsmarkt.

Auch die Emmendinger Waldorfschule befindet sich auf dem Gelände des Emmendinger Zentrums für Psychiatrie. Die Mehrheit der Befragten antwortete auf die Frage, wie denn eigentlich die Menschen aus einer Psychiatrie auf sie wirken, mit einem Schulterzucken. Das komme immer auf die Person an, finden die meisten.

Durch Filme oder Serien werden oft falsche Bilder von Psychiatrien vermittelt. Heute erinnert eine Psychiatrie nicht mehr an ein Gefängnis. Die Räume sind hell und modern eingerichtet, alles in allem ähnelt eine Psychiatrie eher einem Altersheim. Die meisten befragten Jugendliche waren noch nie in einer Psychiatrie und hatten auch noch nie einen wirklichen Kontakt zu psychisch kranken Menschen. Doch gaben manche an, dass sie sich vor Menschen mit psychischen Erkrankungen fürchten würden, eben weil sich manche schon auch mal seltsam verhielten.

Auch spannend: Auf die Frage, welche psychischen Erkrankungen ihnen bekannt seien, konnten nur fünf Prozent der Befragten eine nennen. Dazu gehörten vor allem die Depression und allgemeine Suchterkrankungen. Die meisten Jugendlichen konnten allerdings gar keine Angaben machen.

Psychisch kranke Menschen wurden schon seit dem Mittelalter diskriminiert, obwohl sie zu unserer Gesellschaft gehören. Oft gehen Menschen ihnen aus dem Weg, um den Kontakt mit ihnen zu vermeiden, wie es auch bei der Umfrage eine Mehrheit angegeben hat. Die Jugendlichen wissen nicht viel über dieses Thema. Es wäre gut, wenn psychische Erkrankungen in der Schule ausführlicher behandelt werden würden. Auch ein Praktikum in einer psychiatrischen Einrichtung wäre eine interessante Erfahrung und könnte der Stigmatisierung vorbeugen.

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