Design-Studentin gestaltet Forensik-Eingangsbereic

18.12.2014
Design-Studentin gestaltet Forensik-Eingangsbereich neu Das Tor in die Freiheit ist grün

Professor Dieter Seifert ist froh, dass der Entwurf der Design-Studentin Anna Thiering und ihrer Professorin Claudia Grönebaum (v.l.n.r.) dem Tor der Forensik ein wenig von seinem martialischen Erscheinungsbild genommen haben.

Münster -
Das Tor zur großen weiten Welt ist grün. Links hellgrün, rechts dunkelgrün. Dazwischen ist ein weißer Strich. Für die 54 Patienten der forensischen Klinik in Amelsbüren ist es der einzige Zugang nach draußen. Es ist die Tür, durch die einige von ihnen niemals gehen dürfen, andere nur in Begleitung und ein paar auch allein und irgendwann ein letztes Mal – wenn sie in die Freiheit entlassen werden.

Das Tor der Forensik hat für alle Menschen, die mit der Forensik zu tun haben, eine wichtige Bedeutung: Allen, die draußen sind, ist wichtig, dass es kein Insasse unbefugt überwinden kann. Darum haben die forensischen Kliniken der neuesten Generation im Land nur noch eine Tür. Der Eingang besteht aus einem komplizierten System von Schleusen, ist eingerahmt von Stacheldraht und Zäunen. Die meisten, die drinnen sind, möchten die Klinik durch das Tor irgendwann wieder verlassen, um am Leben da draußen teilzuhaben.
Man sollte meinen, dass das Tor für die Bewohner deswegen ein Ort der Sehnsucht ist. Aber da täuscht man sich – so wie auch der ärztliche Direktor der Klinik, Professor Dieter Seifert. „Den meisten war es mehr oder weniger egal, wie die Tür aussieht“, sagte er. Für sie ist es das selbe in Grün. Bei der Umfrage zu den Entwürfen, die die sieben Studenten der Fachhochschule Münster eingereicht hatten, beteiligte sich nur eine Handvoll von ihnen.
„Unsere Patienten sind sehr bedürfnisorientiert auf das Hier und Jetzt,“ erklärt Seifert. Aber dem Chef selbst war die Tür so grau wie Beton zu martialisch. Sie passte ihm nicht ins Konzept: In dem nämlich steht das Wort „Durchlässigkeit“. Seifert betont: „Die Forensik ist keine Endstation.“ Und das sollte auch die Tür ausdrücken.
Darum bat er Claudia Grönebaum vom Fachbereich Kommunikationsdesign der FH Münster um Hilfe. Die Professorin machte das Tor zum Thema eines Seminars, in dem die Studierenden überlegen mussten, wie sie dem Tor das Martialische nehmen könnten. Schnell wurde klar: Sternchen oder Blümchen standen nicht zur Debatte. „Die hätten eine falsche Botschaft vermittelt“, sagt Grönebaum. Sie legt Wert darauf, dass sie und ihre Studenten nichts verniedlichen wollten. Schließlich dient die Tür dem Freiheitsentzug.
Anna Thiering, deren Entwurf den Zuschlag bekommen hat, entschied sich für das Grün. Die Idee dafür stammt von der Farbe der Scheunentore, die gemeinsam mit dem roten Klinker westfälische Bauernhöfe prägen. Außerdem steht die Farbe für Hoffnung, Vertrauen, Zuversicht. „All das trifft die Arbeit der Christophorus-Klinik. Und der weiße Strich soll den Spalt einer halb-offenen Tür signalisieren, die ein wenig Licht in den Innenhof wirft.“ Dieses Licht haben Maler auch mühsam auf den Boden hinter der Tür gemalt.
Schon beim Bau der Klinik in Münster-Amelsbüren haben die Betreiber der Klinik Wert auf Transparenz gelegt. Das Gelände ist nicht von einer Mauer, sondern einem 5,50 Meter hohen und mit Stacheldraht gesicherten Zaun umgeben, der einen – getrübten – Blick nach draußen ermöglicht. Damit die Insassen das Ziel, für das sie in der Klinik festgehalten werden, nicht aus den Augen verlieren: die große weite Welt.

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