Suchtberatungsstellen: Alkohol ist das Hauptproblem, Zunahme bei Crystal

Suchtberatungsstellen: Alkohol ist das Hauptproblem, Zunahme bei Crystal
22. Dezember 2014

Die Suchtberatungsstellen in Halle (Saale) werden von immer weniger Menschen aufgesucht. Das geht aus dem neuen Bericht zur Suchtkrankenhilfe der Stadtverwaltung hervor.
Demnach erfolgten im vergangenen Jahr 1155 Beratungen in den drei Beratungsstellen der Stadtmission, AWO und drobs, im Jahr 2011 waren es noch 1386. Allerdings erfolgt zugleich der Hinweis, „dass die Zahlen, sowohl bei legalem als auch bei illegalem Drogenkonsum, nicht die tatsächliche Konsumentenzahl widerspiegeln, sondern lediglich diejenigen erfassen, die eine Beratung annehmen wollen.“

Mit 674 Fällen nimmt der Alkohol trotz Rückgangs weiterhin die Hauptrolle ein. Zudem wurden 174 Heroin-Kranke behandelt, 98 Mensch wegen einer Cannabis-Sucht und 163 wegen Stimulanzien wie Crystal Meth. 43 Jugendliche unter 18 Jahren wurden wegen Alkoholmissbrauchs behandelt, davon waren 18 14 Jahre alt oder jünger. 5 Jugendliche suchten die Beratungsstellen wegen des Missbrauchs illegaler Drogen auf. 21 der wegen Heroin-Konsums Betreuten waren jünger als 14 Jahre.

Seit Jahren steigt aber der Stimulanzien-Missbrauch an. Und das stellt die Beratungsstellen vor Herausforderungen. „Die Crystal Meth-Konsumenten leiden an Konzentrationsmangel, haben ein hohes Geltungs- und Redebedürfnis und sind oft distanzgemindert. Weibliche Crystal Meth-Klientinnen nutzen die Substanz zur Gewichtsregulierung“, heißt es im Bericht. Terminangebote in den Morgenstunden würden oft nicht wahrgenommen, weil die zeitliche Orientierung unter dem Konsum von Crystal Meth verloren geht. „Durch die ständig wechselnde Motivationslage der Crystal Meth-Konsumenten ist der Zugang durch die Berater erschwert.“

Circa 200 Personen werden derzeit durch die drei Beratungsstellen in Halle mit Drogenersatzstoffen versorgt.

Laut Bericht nahmen die Hilfe des Ambulant betreuten Wohnens in Halle 53 Klienten im Jahr 2013 (2012: 86 Klienten) aufgrund seelischer Behinderung in Folge Sucht in Anspruch. Teilstationäre Eingliederungshilfen wurden 2013 für 27 Hallenser Suchtkranke in Form eines Tagesstättenbesuches gewährt (2012: 46 Klienten). Das Intensiv betreute Wohnen für abstinente Alkoholkranke in Form von Wohngruppen wurde von 10 Patienten im Jahr 2013 in Anspruch genommen. Der Prozentsatz von Suchtkranken im Haus der Wohnhilfe in Halle („Obdachlosenheim“) beträgt laut Bericht ca. 65 %.

Ein Problem der Suchtkrankenhilfe ist es, dass die Beratungsstellen jährlich neu um ihre Förderung bangen müssen. Die Stadt schlägt deshalb vor, künftig die Gelder über einen Zeitraum von drei Jahren zu genehmigen. Außerdem will die Stadt im Frühjahr 2015 eine Präventionssuchtkraft einstellen und für die Weiterbildung aller Akteure sorgen.

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