Ein „Bindeglied“ für psychatrische Hilfe

24. Dezember 2014

Ein „Bindeglied“ für psychatrische Hilfe
Seelische Gesundheit – Die Psychiatrie-Koordinatorin von Stadt und Landkreis, Jutta Schwibinger, über ihre Arbeit

Bei der Arbeit: Netzwerkerin Jutta Schwibinger am Telefon. Eine Tageslichtlampe sorgt an ihrem Schreibtisch im Gesundheitsamt für Helligkeit – so hat der Winterblues in der dunklen Jahreszeit keine Chance.

Was macht eigentlich eine Psychiatriekoordinatorin? Sie versucht, Betroffene, Angehörige, Politiker und Vertreter von Institutionen miteinander in Kontakt zu bringen und zu vernetzen. Jutta Schwibinger macht das in Darmstadt seit nunmehr drei Jahren.

DARMSTADT.
Gerade hat sie einen Wegweiser für Menschen in Not zusammengestellt, in dem alle wichtigen Adressen zu finden sind. Jutta Schwibinger, Psychiatriekoordinatorin für Darmstadt und den Landkreis Darmstadt-Dieburg, sitzt in mehreren Arbeitskreisen und Gremien, hält Vorträge, macht Öffentlichkeitsarbeit, organisiert den psychiatrischen Notdienst und Fachtagungen: Im März ging es beispielsweise im Justus-Liebig-Haus in Darmstadt um das lange Warten auf einen Termin bei Fachärzten.
„Ich will ein Bindeglied sein und Betroffene, Angehörige, Institutionen und die politische Ebene zusammenbringen“, erklärt die Sozialpädagogin. Die Stelle der Psychiatriekoordinatorin gibt es seit den achtziger Jahren. Sie wurde im Rahmen der Psychiatrie-Enquete eingerichtet. Dabei ging es unter anderem darum, den ambulanten Bereich zu stärken. Seit dieser Zeit gibt es beispielsweise den sozialpsychiatrischen Dienst mit seinem niedrigschwelligen Angebot.
„Wieviel Anderssein ist erlaubt?“
Jutta Schwibinger macht den Job seit drei Jahren. Sie versucht, möglichst objektiv zu bleiben und keine Zielgruppe zu bevorzugen. „Ich bin weder von Teilnehmerzahlen abhängig, noch davon, ob mich eine Institution, eine Krankenkasse oder wer auch immer besonders gut findet.“
KONTAKT
j.schwibinger@gesundheitsamt-dadi.de / 06151 330981
Ganz wichtig ist ihr die „Anti-Stigma-Arbeit“: Immer noch, so Schwibinger, kämpften psychisch Kranke mit Vorurteilen, gebe es Schwellenängste, bestimmte Hilfen in Anspruch zu nehmen. Dagegen will sie angehen. Sie will, dass Menschen, die Hilfe brauchen, sie annehmen – und sich nicht dafür schämen. Im nächsten Jahr stehen die „Tage der seelischen Gesundheit“ deshalb auch unter dem Motto „Wieviel Anderssein ist erlaubt?“.
Am Herzen liegt ihr auch das Schulprojekt „Verrückt? Na und!“, bei dem Schüler während eines Projekttages Menschen kennenlernen, die von ihren Erfahrungen mit einer psychischen Erkrankung erzählen. Es ist ihr wichtig, auch überregional aktiv zu werden, wenn sie Bedarf sieht: Im Sommer hat sie einen Brief an Wolfgang Niersbach vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) geschrieben. Anlass war der Tod des Fußballers Andreas Biermann. Er hatte zuvor öffentlich über seine Depression gesprochen und ein Buch geschrieben. Doch der Ex-Profi des FC St. Pauli verlor seinen Job und den Kampf gegen die Krankheit. Er nahm sich im Alter von 33 Jahren das Leben.
Anfrage an den DFB
Jutta Schwibinger wollte von Niersbach wissen, ob Trainer und Verantwortliche in den Vereinen denn ausreichend geschult sind? Ob im Spitzensport psychischen Problemen genug Aufmerksamkeit geschenkt wird – und was der DFB tut, um solche „menschlichen Katastrophen“ künftig zu verhindern. Niersbach leitete ihr Schreiben an die Robert-Enke-Stiftung weiter, die auf mehrere Projekte verwies, etwa zum Thema „Psychische Gesundheit im wettkampforientierten Leistungssport“.
„Seelische Gesundheit ist eines der wichtigsten Güter, die es zu wahren gilt“, sagt Jutta Schwibinger. Sie wünscht sich, dass möglichst viele Unternehmen sich dessen bewusst werden und ihren Mitarbeitern Präventionskurse anbieten. „Da fehlt es immer noch an Offenheit.“ Unternehmen, die sich in dem Bereich engagieren möchten, steht Jutta Schwibinger als Ansprechpartnerin zur Verfügung: „Ich vermittle gerne.“

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