Warum sich Menschen das Leben nehmen

Behandlungszentrum für Entwicklungspsychiatrie - Warum sich Menschen selbst umbringen
02.01.2015
In Frankfurt entsteht ein deutschlandweit einzigartiges Behandlungszentrum für Entwicklungspsychiatrie vom Kind über den Heranwachsenden bis ins Erwachsenenalter.

Der jüngst berufene Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, Prof. Andreas Reif, will sich dem Kampf gegen Depressionen, anderen Stimmungserkrankungen und Suizid verschreiben. Zusammen mit der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie wird in Frankfurt zudem ein deutschlandweit einzigartiges Behandlungszentrum für Entwicklungspsychiatrie vom Kind über den Heranwachsenden bis ins Erwachsenenalter etabliert.
Eines der besonderen Anliegen von Prof. Andreas Reif ist die Suizidprävention. Deutlich mehr Menschen sterben in Deutschland jährlich durch Suizid als durch Verkehrsunfälle, Mord und Totschlag, illegale Drogen und Aids zusammen. Die hohe Suizidgefahr ist eines der zentralen Merkmale von Stimmungserkrankungen, gerade bei sogenannten therapieresistenten Depressionen und bipolaren Störungen. Prof. Reif besitzt eine herausragende Erfahrung für diese Krankheitsbilder und möchte deren optimale Diagnostik und Behandlung zu einem der Schwerpunkte der klinischen Arbeit machen. In enger Kooperation mit der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters soll zudem ein Zentrum für Entwicklungspsychiatrie etabliert werden.

„Wir sind glücklich, mit Prof. Reif einen anerkannten Experten für das Klinikum gewonnen zu haben“, sagt Prof. Jürgen Schölmerich, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums. Die Kaufmännische Direktorin Bettina Irmscher ergänzt: „Prof. Reif hat uns auch mit seinem Konzept zu Synergien zwischen den verschiedenen Fächern, durch die er Spitzenmedizin mit ökonomischer Effizienz verbinden will, überzeugt.“ Der Dekan des Fachbereichs Medizin, Prof. Josef Pfeilschifter, hebt seine wissenschaftliche Reputation hervor: „Prof. Reif steht für einen interdisziplinären Forschungsansatz mit exzellenter wissenschaftlicher Leistung. Wir freuen uns auf den produktiven fachlichen Austausch mit diesem sehr interessanten und national wie international bestens vernetzten Wissenschaftler.“

Bessere Prävention
Prof. Reif versteht Psychiatrie als angewandte Neurowissenschaft. „Ich möchte psychische Erkrankungen vom Molekül ausgehend verstehen und letztlich die Forschungserkenntnisse auch schnell in die Klinik transferieren“, erläutert der neue Direktor. Methodisch kommen dabei verschiedene Ansätze zum Einsatz: Molekularbiologie, Genetik und Verhaltenspharmakologie, aber auch bildgebende und neurophysiologische Verfahren. Es geht zentral darum, Zusammenhänge zwischen genetischen Voraussetzungen, externen Einflüssen und psychischen Erkrankungen zu erkennen. Ziel der wissenschaftlichen Bemühungen sind zum einen Prävention und Frühintervention, zum anderen personalisierte Medizin. Von welcher Behandlung profitiert welcher Patient am meisten und am schnellsten? Die Forschung ist dementsprechend auch eng mit dem neurowissenschaftlichen Forschungsschwerpunkt des Universitätsklinikums verzahnt.
Prof. Reif setzt wissenschaftlich und klinisch die Schwerpunkte auf den gleichen Feldern. Im Fokus stehen Entwicklungspsychiatrie und Stimmungserkrankungen mit Angststörungen und Psychosen. Klinisch werden Schwerpunktstationen und -ambulanzen ausgebaut, um Störungen besser begegnen zu können und um eine bessere Behandlungsintensität zu ermöglichen. Komplettiert werden die Einrichtungen durch eine Früherkennungsambulanz für Hochrisikopatienten. Ziel ist dabei nicht zuletzt auch eine weitere Verbesserung der Suizidprävention.

Wenig erforscht
Durch Prof. Reifs Wechsel nach Frankfurt besteht eine enge Kooperation mit der Direktorin der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters, Prof. Christine M. Freitag, und damit eine deutschlandweit einzigartige und durch gemeinsame Forschungsprojekte ausgewiesene wissenschaftliche und klinische Expertise in der Entwicklungspsychiatrie. Zusammen mit Prof. Freitag wird Prof. Reif ein Zentrum für Entwicklungspsychiatrie mit gemeinsamen klinischen Strukturen sowie umfangreichen Forschungsprojekten aufbauen, die sich dem nur ungenügend untersuchten Verlauf psychischer Erkrankungen über die Lebensspanne widmen. „Wir teilen die Einschätzung, dass zahlreiche psychische Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter entstehen, und haben ähnliche Vorstellungen von der Verknüpfung von Wissenschaft und klinischer Praxis. Das sehe ich als hervorragende Voraussetzungen für eine weiterhin erfolgreiche Zusammenarbeit in Forschung und Klinik“, betont Prof. Freitag.
Ein weiteres Frankfurter Alleinstellungsmerkmal entsteht außerdem jetzt auf dem Feld der Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) bei Erwachsenen. Als Experte auf diesem Gebiet will Prof. Reif ein regional und auch national wenig bestehendes Angebot schaffen. Für die Patienten wird dazu eine spezifische Fachambulanz aufgebaut, die auch eng mit der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie zusammenarbeitet.

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