Krankheiten enden nicht an der Kliniktür

Juli 2014
Krankheiten enden nicht an der Kliniktür
Selbsthilfegruppen können in solchen Fällen helfen. Das Modellprojekt der Barmherzigen Brüder vermittelt die Kontakte – bereits seit sechs Jahren.

Selbsthilfegruppen können in solchen Fällen helfen. Das Modellprojekt der Barmherzigen Brüder vermittelt die Kontakte – bereits seit sechs Jahren.
Lisbeth Wagner von KISS, Marianne Magg vom Netzwerk für Familien mit Diabetes-Kindern, Birgit Warttinger vom Qualitätsmanagement und Selbsthilfekoordinator Dr. Heribert Stauder . Foto: S. Uihlein

REGENSBURG. Das Krankenhaus Barmherzige Brüder und die Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen (KISS) kooperieren seit Jahren eng, um das Krankenhaus selbsthilfefreundlicher zu gestalten. Das Modellprojekt feiert heuer seinen sechsten Geburtstag. Unter dem Motto „Selbsthilfegruppe: Bringt Farbe in mein Leben“ bekommen Patienten schon während des Krankenhausaufenthaltes konkrete Hilfestellungen, wie sie ihren Alltag trotz Erkrankung gut bewältigen können.
Marianne Maggs zweijährige Tochter litt auf einmal unter starkem Durst und Harndrang, gepaart mit großer Müdigkeit und Gewichtsverlust.In der KUNO-Klinik St. Hedwig des Krankenhauses Barmherzige Brüder erhielt die Familie dann die Diagnose: Diabetes mellitus Typ 1. Diese Erkrankung bedeutet einen tiefen Einschnitt im Leben der kleinen Patientin aber auch im Leben ihrer Eltern, da die Patientin ein Leben lang auf die Zufuhr des Hormons Insulin angewiesen sein wird.
Entlastung für die Familie
Das Diabetes-Team der Klinik St. Hedwig um Chefarzt Prof. Dr. Hugo Segerer bekam die Stoffwechselstörung des kleinen Mädchens durch die richtige Insulin-Einstellung schnell wieder in den Griff. Hier wurde die Familie auch im Umgang mit der Erkrankung geschult. Der Alltag der Familie wurde jedoch mit der Diagnosestellung auf den Kopf gestellt. Daher vermittelte die Klinik St. Hedwig den Kontakt zur Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe und zum Regensburger Selbsthilfe-Netzwerk für Familien mit Diabetes-Kindern.
Weil eine Krankheit häufig nicht an der Kliniktür endet und die Patienten mit Perspektiven für das Leben nach dem Klinikaufenthalt entlassen werden sollen, sucht das Krankenhaus Barmherzigen Brüder den engen Kontakt mit den Regensburger Selbsthilfegruppen. Die Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen (KISS) unter der Trägerschaft des Paritätischen Wohlfahrtsverbands ist dabei nicht nur ein wichtiger Kooperationspartner des Krankenhauses, sondern bringt vor allem das fachliche Hintergrundwissen zur Selbsthilfe in die Kooperation ein.

Selbsthilfegruppen können in solchen Fällen helfen. Das Modellprojekt der Barmherzigen Brüder vermittelt die Kontakte – bereits seit sechs Jahren.
Lisbeth Wagner von KISS, Marianne Magg vom Netzwerk für Familien mit Diabetes-Kindern, Birgit Warttinger vom Qualitätsmanagement und Selbsthilfekoordinator Dr. Heribert Stauder . Foto: S. UihleinUmfassendes Modellprojekt
Aus den ersten gemeinsamen Schritten im Jahr 2008 ist mittlerweile ein umfassendes Modellprojekt erwachsen, das die Patienten auf ganzer Linie auch nach dem Krankenhausaufenthalt unterstützt.
„Wir binden die Selbsthilfe systematisch in unsere klinischen Prozesse ein, um erkrankten Menschen eine umfassende Versorgung und Betreuung zu ermöglichen“, betont der Selbsthilfe-Koordinator des Krankenhauses, der onkologische Oberarzt Dr. Heribert Stauder. KISS-Mitarbeiterin Lisbeth Wagner ergänzt: „Wenn es um Fragen der alltäglichen Bewältigung der Krankheit geht, stößt die professionelle Behandlung und Versorgung in den deutschen Krankenhäusern und ambulante n Einrichtungen an ihre Grenzen.“ KISS hat daher mit den Barmherzigen Brüdern ein Konzept erarbeitet, wie die Selbsthilfe die professionellen Kräfte wie Ärzte, Pflegemitarbeiter, Therapeuten und Sozialdienstmitarbeiter um die praktischen Alltagsaspekte ergänzen kann. Mittlerweile existiert ein regelmäßiger Austausch zwischen der Selbsthilfe und den Klinikmitarbeitern und hat sich gut bewährt.

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