Crystal Meth: Die Kristalle aus der (Labor-)Hölle

Nach der Euphorie geht’s steil bergab.

28. Juli 2014

Crystal Meth: Die Kristalle aus der (Labor-)Hölle Die Aufgriffe haben sich verdoppelt. Speziell in Oberösterreich breitet sich die Droge rasant aus.

WOOD Auch äußerlich macht sich die Krankheit innerhalb kurzer Zeit bemerkbar, wie die Bilder einer US-Konsumentin zeigen. - Foto: TAZWELL COUNTY STATES ATTORNEY Unbesiegbar. Euphorisch. Mächtig. Crystal Meth – wird überwiegend geschnupft, teilweise geraucht, in Wasser gelöst intravenös injiziert oder auch rektal verabreicht – lässt die Grenzen verschwinden. Ebenso die Müdigkeit und den Hunger. Doch die Ernüchterung bringt Konsumenten direkt in die Drogenhölle: Depressionen, extreme Müdigkeit, schlechte Laune. "Eine teuflische Kombination. Da neigt man natürlich dazu, nachzulegen", sagt Kurosch Yazdi. Der Psychiater und Buchautor (Junkies wie wir) leitet das Suchtmittel-Zentrum in der Landesnervenklinik Wagner-Jauregg in Linz. Und dort ist Crystal Meth zu einem ernsthaften Problem geworden. "Vor drei, vier Jahren war das kaum ein Thema. Jetzt hat jeder Dritte, der zu uns kommt, ein Crystal-Problem", erzählt der Psychiater.
Der Drogenbericht des Bundeskriminalamtes untermauert seine Beobachtung. Die sichergestellte Menge hat sich innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt. Wurden 2012 3,2 Kilo beschlagnahmt, waren es im vergangenen Jahr 7,5 Kilo. 1337 Personen wurden angezeigt. Crystal wird nur in sehr kleinen Mengen geschmuggelt. Meist von Tschechien, wo sich laut UN World Drug Report 338 Meth-Labore befinden.

Lauffeuer
Prim. Dr. Kurosch Yazdi
Facharzt für Psychiatrie … Psychiater Kurosch Yazdi warnt vor massiven Nebenwirkungen. - Foto: /Privat Vor allem in Oberösterreich haben sich die "Kristalle des Teufels" wie ein Lauffeuer ausgebreitet. Mehr als die Hälfte der Anzeigen bundesweit passierten hier. Auch Niederösterreich ist stark vertreten. Im Nordburgenland steigt der Verkauf von Crystal Meth "extrem", wie ein Fahnder mitteilt. Es käme aus der Slowakei. In Wien "rechnen wir seit Jahren damit, dass Crystal Meth auch hier verstärkt auftaucht. Bisher ist das aber nur ganz marginal", sagt Sonja Grabenhofer von Check It. Über den Grund kann nur spekuliert werden. "Vielleicht passt es einfach nicht in die städtische Partyszene."
Neu ist Crystal Meth nicht. Schon Adolf Hitler ließ im Zweiten Weltkrieg seine Wehrmachtssoldaten mit den "Teufelskristallen" versorgen.
Seit einigen Jahren ist Crystal, auch "Ice" genannt, in Europa wieder auf dem Vormarsch. Auch, weil die Herstellung einfach und die synthetische Droge somit billig ist. "Speziell bei Jüngeren wird Crystal zur Hauptdroge", sagt Yazdi. Es hat ein hohes Suchtpotenzial. "Crystal Meth spielt in einer Liga mit Heroin oder Crack", sagt der Psychiater. Die gefürchtetste Nebenwirkung seien Psychosen. Die Konsumenten werden paranoid, fühlen sich bedroht und werden aggressiv und unkontrollierbar. Dazu kämen schwere körperliche Nebenerscheinungen. "Bei regelmäßigem Konsum entzündet sich das Zahnfleisch, Zähne fallen aus, das Hautbild verschlechtert sich massiv. Die Substanz ist hochtoxisch. Sie tötet Zellen. Gehirn und Nerven leiden darunter. Die Konsumenten verblöden. Bei langjährigem Konsum spricht man auch von einer Crystal-Demenz", sagt Yazdi.
So krasse Fälle gibt es in Österreich (noch) nicht. "Aber in zehn Jahren werden wir die Folgen auch bei uns sehen." Denn Ice breitet sich rasant aus. "Wir haben jährlich 3500 bis 4000 Kontakte zu Süchtigen. Ein Drittel kämpft mit Crystal. Und auch ein Drittel unserer Betten ist mit Crystal-Patienten belegt", schildert der Psychiater.
Schwieriger Entzug
Der Entzug sei schwierig. "Es gibt keine medikamentöse Unterstützung. Das ist ein kalter Entzug." Und den schaffen viele nicht. "Weniger als die Hälfte zieht die Behandlung durch. Nur sehr wenige kommen langfristig davon los." Der jüngste Crystal-Meth-Patient war 15 Jahre alt.

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