Experten in eigener Sache helfen weiter

Schweitzer eröffnet die längste "Selbsthilfemeile" in Rheinland-Pfalz

18. Juli 2014

TAG DER SELBSTHILFEGRUPPEN: 14. Auflage der kreisweiten Veranstaltung am Samstag, 26. Juli, in Bensheim rund um den Bürgerwehrbrunnen
Experten in eigener Sache helfen weiter

Griff zur Flasche: Alkoholismus ist nur eines von unzähligen Themen, zu denen sich Betroffene in Selbsthilfegruppen zusammenfinden.

BERGSTRAßE. Insgesamt 24 Selbsthilfegruppen aus dem Kreisgebiet werden sich am Samstag, 26. Juli, rund um den Bensheimer Bürgerwehrbrunnen scharen und sich dort von 10 bis 14 Uhr als Ansprechpartner, Ratgeber und Informanten zur Verfügung stellen. Das Motto des 14. Tages der Selbsthilfegruppen im Kreis Bergstraße, der jährlich im Wechsel in Heppenheim, Bensheim, Lampertheim und Viernheim stattfindet, steht unter dem Motto "Gemeinsam mehr erreichen."

Die "Experten in eigener Sache" bieten Interessenten, Betroffenen und deren Angehörigen anonym und unverbindlich Hilfe zur Selbsthilfe an und leisten gleichzeitig einen Beitrag zur Prävention und gesundheitlichen Aufklärung - und das alles ehrenamtlich und im Alltagsgeschäft oftmals rund um die Uhr.

Immer da, wenn Not am Mann ist
"Wenn ich nachts einen Anruf erhalte, weil ein Rückfall in alte Verhaltensmuster droht, setzte ich mich ins Auto und fahre zu der Hilfesuchenden", sagt beispielsweise die Vorsitzende der "Stimmungsvögel", einer Selbsthilfegruppe für alkoholkranke Frauen. Marianne Voß von der Osteoporose-Gruppe fügt hinzu: "Viele Ärzte haben gar keine Zeit mehr, die Patienten umfassend zu informieren." Trotzdem sehen sich die Gruppen selbstredend nicht als Heilsbringer, sondern als zusätzliche Unterstützer nach der ärztlichen Diagnose und während der Behandlung.
Wie wichtig die Arbeit der Ehrenamtlichen und die Treffs unter Gleichgesinnten sind, macht Regina Meier von der Deutschen Fibromyalgie Vereinigung am eigenen Beispiel deutlich. Sie wusste jahrelang nicht, woher die rasenden Schmerzen herrührten, die mal in den Beinen und Füßen, dann wieder in Armen und Händen auftraten. Fibromyalgie ist erst seit wenigen Jahren als Krankheit überhaupt anerkannt - und etliche Ärzte können bis heute wenig damit anfangen. Umso wichtiger sind Austausch und Tipps von Betroffenen.
Auch Arno Zillig von der Atemstillstand-Selbsthilfegrupppe mit kreisweit 600 Mitgliedern unterstreicht die Notwendigkeit der Gruppen. Zillig war übrigens der erste Bergsträßer Patient, der in den Neunzigern ein Schlaflabor aufsuchte und entsprechend behandelt wurde. Damals war das noch absolutes Neuland.
Das Spektrum der Teilnehmer am Bergsträßer Tag der Selbsthilfe ist breit und reicht von den Adipositas- und Borreliose-Gruppen bis hin zu den Schlafapnoe-Patienten, den Stotterern und den Sterbebegleitern. Krankheit, Behinderung, Lebensbewältigung, Sucht und psychische Probleme werden in den Gruppen besprochen und aufgearbeitet. Gegenseitige Unterstützung und die dauerhafte Verbesserung der eigenen Lebenssituation sind die selbst gesteckten Ziele der Selbsthilfegruppen.
Organisiert wird der "14. Tag der Selbsthilfegruppen" von der Selbsthilfekontaktstelle vom Caritasverband Darmstadt. "Wir beraten, informieren und vernetzen", erklärt die Leiterin Maritta Eckert Geiß. Gemeinsam mit Angelika Oberheim begleitet sie bestehende Gruppen und ist Ansprechpartnerin für Menschen, die eine Selbsthilfegruppe suchen, sowie für Betroffene, die eine Neugründung anstreben.
So wie beispielsweise die erst seit dem Vorjahr bestehenden Gruppen "Abhängigkeit - ein Gesprächskreis für Paare" und die "Druffis - Selbsthilfegruppe für ehemals Polytox-Abhängige mit Therapieerfahrung". Beide Newcomer sind am 26. Juli in Bensheim mit dabei.

Das Team der Kontaktstelle organisiert im Jahresverlauf Treffen der Gruppenverantwortlichen und ist Herausgeber des Selbsthilfewegweisers für den Kreis Bergstraße. Dieser bietet Betroffenen einen Überblick über alle ehrenamtlichen Einrichtungen.

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