Joachim Lottmann gibt Auskunft über sein Leben mit “Endlich Kokain” (ANDY WARHOL’S INTERVIEW)

02. Juli 2014

Joachim Lottmann gibt Auskunft über sein Leben mit “Endlich Kokain” (ANDY WARHOL’S INTERVIEW)
“Endlich Kokain” heißt der neue Roman von Joachim Lottmann über die Wiener Medienszene. Lottmann, eine der Vaterfiguren der Berliner Popliteratur (“Deutsche Einheit”), wohnt inzwischen ebendort und führt ein Leben mit wenig Zeit zum Lesen, aber hohem Lesewert. Lesen Sie selbst!

Joachim Lottmann wurde irgendwann in Hamburg-Hochkamp geboren, sein Vater war der FDP-Spitzenpolitiker Christian-Ludwig von Lottmann. Er verbrachte seine Kindheit im Kongo, studierte in Hamburg Germanistik mit Diedrich Diedrichsen und Maxim Biller. 1986 siedelte er nach Köln über und schrieb den Bestseller „Mai, Juni, Juli“. Freundschaft mit Martin Kippenberger, die in einem epochalen Zerwürfnis endet, nach welchem der Autor sich dreizehn Jahre lang in Oslo als Straßenbahnschaffner durschlägt, bevor er Anfang 2000 vom Literaturbetrieb wiederentdeckt wird und die Erfolgsromane „Die Jugend von heute“, „Zombie Nation“ und „Der Geldkomplex“ veröffentlicht (u.a.). 2010 erhält er den Wolfgang-Koeppen-Preis und lebt heute mit Frau und Kindern in Wien, Schauplatz seines neuen Romans über die Medienszene “Endlich Kokain”. – Und wer all das noch nicht glaubt, muß jetzt unbedingt seine Antworten über sein Leben mit Büchern lesen!
Interview: Ist Ihr Leben eher ein Roman oder ein Sachbuch?
Joachim Lottmann: Auf jeden Fall ein Sachbuch. Romane erleben Mitbürger, die ihr Leben nicht steuern.
Interview: Welche Bücher befinden sich gerade auf Ihrem Nachttisch?
Lottmann: „Die lange Straße aus Sand“ von Pier Paolo Pasolini.
Interview: Wie riechen Bücher?
Lottmann: Ich glaube, ich habe noch nicht daran gerochen, oder erinnere mich nicht mehr daran. Ich bin sicher, sie riechen gut und neu – wenn man sie gerade vom Verlag zugeschickt bekommen hat.
Interview: Welches Buch haben Sie zuletzt zu Ende gelesen?
Lottmann: Den „Zauberberg“ von Thomas Mann.
Interview: Und bei welchem Buch sind Sie zuletzt vorzeitig ausgestiegen?
Lottmann: Band 12 der zwanzigbändigen Donald Duck-Gesamtausgabe von Carl Barcks.
Interview: Welches Buch hat Sie zuletzt mit auf eine Reise genommen? Und wohin bloß?
Lottmann: „Das grössere Wunder“ von Thomas Glavinic auf eine Autoreise nach Istanbul.
Interview: Welches Buch ist schon mal gegen die Wand geflogen?
Lottmann: „Über Pop-Musik“ von Dr. Diedrich Diederichsen. Ebenso oft habe ich es wieder aufgehoben und mich über die klugen Sätze gefreut, die darin eingestreut sind, die Goldkörnchen im Meer des Sprachschlamms.
Interview: Ja oder Nein: Lachen Sie beim Lesen?
Lottmann: Ja.
Interview: Wo lesen Sie am liebsten?
Lottmann: Im Bett den SPIEGEL.
Interview: Essen oder Trinken zur Lektüre?
Lottmann: Lieber nicht! Würde ja furchtbar dick machen, und schon bald wäre man ein monströser Fettwanst wie Stephan Braum, der Held meines Romans “Endlich Kokain”.
Interview: Wissen Sie noch eine gute Sexstelle aus einem Roman?
Lottmann: Absolut nicht. Unanständiges überblättere ich.
Interview: Gibt es einen Klassiker, der Sie völlig kalt gelassen hat?
Lottmann: Ja, das schnarchlangweilige Oberlehrer-Hauptbuch von James Joyce.
Interview: Ein Lieblingsbuch mit 17 und wann zum letzten Mal gelesen?
Lottmann: Begann mit dem Lesen erst als Student der Literaturwissenschaft, notgedrungen. Die verlangten das von mir.
Interview: Lieblingsname aus einem Roman?
Lottmann: Wüßt’ ich jetzt keinen. Allerdings lese ich auch nicht soviel.
Interview: Welcher Autor soll Ihre Biographie schreiben?
Lottmann: Antonia Baum.
Interview: Gibt es ein gutes Lesen im schlechten Leben?
Lottmann: Nur kurzfristig. Denn das gute Lesen führt zwangsläufig zu einer entscheidenden positiven Veränderung im Leben. Also wenn gutes Lesen bedeutet, daß man Autoren wie Updike, Roth, Bernhard, Ellis, Biller, Hamsun und überhaupt alle Klassiker liest. Beim schlechten Lesen – von Harry Potter bis Stephen King – verfinstert sich das reale Leben.

ANDREAS MERKEL

Andy Warhol’s Interview 2014

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