Crystal Meth und das Wunder von Bern?

03. Juli 2014

Crystal Meth und das Wunder von Bern

Crystal Meth gilt als zerstörerische Designerdroge. Dabei war es als Pervitin schon einmal eine gebräuchliche Volksdroge. Vielleicht kam sogar das Wunder von Bern durch sie zustande.

Heute wollen wir mal nicht so sein. Her mit dem Schwamm! Die Helden von Bern 1954 sollen uns allen ein Vorbild für die kommenden Tage bleiben. „Rahn schießt! Toooor, Toooor, Tooor.“ Wie oft ich diese Radioreportage von Herbert Zimmermann schon gehört habe? Und wie gerne.

Das Wunder von Bern1 ermöglichte der jungen Bundesrepublik nach der Nazi-Zeit die Rückkehr in die Gemeinschaft der Sieger. Und die Dopinggerüchte? Muss denn immer ein Haar in der Suppe sein? Vitamin C und das stimulierende Pervitin waren Volksdrogen. Richtige Heilmittel, die der Arzt gerne verschrieb. Pervitin, chemisch Metamphetamin ist heute als Crystal Meth nur noch illegal erhältlich. Es war das Mittel der Wahl bei Abgeschlagenheit und Burn-out, obwohl man den Begriff damals noch nicht kannte. Nebenbei hat es die Kondition noch kräftig aufgepäppelt.

Schließlich hatte Nationaltrainer Sepp Herberger seinen Jungs verboten, Wasser vor dem Spiel zu trinken. Dehydriert und aufgeputscht. Übel Sepp! Doping haben sie aber alle immer vehement bestritten. Und die vermuteten Substanzen kann man getrost schlucken, dafür braucht es keine Spritzen. Aber Mannschaftsarzt Franz Loogen hat den Spielern damals Spritzen gegeben. Nur mit Traubenzucker drin? Oder doch die geheimnisumwobenen Frischzellen? Alles Spekulationen. Der Preis für die Spieler war jedenfalls hoch. Zu Zeiten, als es noch kein Aids gab, wurden Spritzen mehrfach verwendet. Bei meinem Zahnarzt bekamen früher alle Patienten dieselbe Spritze mit Schmerzmittel verpasst. Die Kanüle lag über einem Spiritusflämmchen zum Desinfizieren. Die Helden von Bern jedenfalls wurden allesamt mit Hepatitis C infiziert, was nur durch Blut-zu-Blut-Kontakt möglich ist. Mehrere Spieler starben daran.

Der saubere Sport
Der Fußball hat daraus gelernt, beteuern alle. Während Olympische Spiele oder der Radsport immer wieder von unschönen Doping-Meldungen erschüttert werden, gilt der Fußball als sauber. Egal wie hitzig es auf dem Rasen zugeht, stehen Minuten die Jungs vor der Kamera und erläutern frisch oder unwirsch Strategie und Taktik. Weil heute das Training nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten erfolgt. Zum Beispiel ist es jetzt erlaubt, Wasser zu trinken oder vorher Krafttraining zu machen. Den Unterschied sehen wir auf dem Rasen – und im Dopinglabor. Mehr als 4 000 Kontrollen wurden bei den vier vorangegangenen Weltmeisterschaften getestet. Keine einzige davon positiv. Das ist eine Spitzenleistung, die andere Sportarten erst einmal nachmachen müssen.
Schwamm drüber, dass es da die Irritation mit Costa Rica gegeben hat. Aus dem Team wurden gleich fünf statt wie üblich zwei zum Dopingtest gebeten. „Das war nicht sehr taktvoll“, formulierte Trainer Pinto. Dessen Spieler waren aber vor der WM für die vorgesehenen Tests nicht greifbar, so wie die Spieler etlicher anderer Mannschaften auch. Das war ebenfalls nicht gerade taktvoll. Sorry Don Pinto, wenn schon alle Tests negativ ausgehen, dann sollte man für dieses Spiel auch zur Verfügung stehen, finde ich. Denn das wollen wir doch, faire Spiele ohne Doping, ohne Wettmafia und ohne Korruption. Denn nur dann kann es endlich wieder heißen: Toooor! Toooor! Tooor! Hoffentlich am Freitag für Deutschland. Ich drücke die Daumen.

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  • 1. Als das Wunder von Bern wird der Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz durch die bundesdeutsche Fußballnationalmannschaft gegen die hoch favorisierte Nationalmannschaft Ungarns bezeichnet

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