Crystal Meth – dem Hochgefühl folgt der krasse Absturz

11. Juli 2014

DROGEN: Der Zoll im deutsch-tschechischen Grenzgebiet findet bei Kontrollen immer mehr Crystal Meth / Die synthetische Droge wird vor allem in Großstädten verkauft und konsumiert
Crystal Meth – dem Hochgefühl folgt der krasse Absturz

Es ist eine billige, eine gefährliche Droge. Im bayerischen Grenzland zu Tschechien kämpfen die Behörden gegen den Schmuggel von Crystal Meth, der für Dealer lukrativ ist.

Grüß Gott, wir machen eine Zollkontrolle", sagt der Beamte. Betont freundlich, betont nett. Zuvor hat Matthias Dürr das Fahrzeug gestoppt und auf einen Parkplatz gelotst. Tagesgeschäft für die Beamten der bayerischen Zollkontrolleinheit Selb. Dürr ist stellvertretender Chef des Zolls in der Stadt. Früher, als die Grenze zum Ostblock gerade geöffnet worden war, hatte es der Zoll vor allem mit Menschen zu tun, die zu viel billigen Alkohol, Zigaretten oder gefälschte Markenartikel aus Tschechien nach Deutschland einführten. Jetzt kämpft der Zoll gegen eine weitaus größere Gefahr. Gegen einen Stoff, der extrem schnell abhängig macht. Der einem Hochgefühl einen krassen Absturz folgen lässt. Der das Gehirn schädigt. Der Angstzustände auslöst.
Der Stoff heißt Crystal Meth, auch bekannt unter dem Namen Crystal Speed. Eine synthetische Droge. Der offizielle Name lautet N-Methyl-Amphetamin. Etwa 2008, so sagt Dürr, begann der verstärkte Schmuggel von Ost nach West. Inzwischen wissen die Fahnder auf beiden Seiten, dass der gefährliche Stoff in Drogenküchen in Tschechien hergestellt und auf den einschlägigen Märkten verkauft wird.
Bundesweites Problem
Grenzkontrollen mit Schlagbäumen gibt es zwischen Deutschland und Tschechien nicht mehr. Für die Bewohner im Grenzgebiet und die Ausflügler ist das praktisch, man kann hüben wie drüben unkompliziert einkaufen, arbeiten, seine Freizeit verbringen. Aus dem einstigen Grenzland ist - zumindest geografisch gesehen - so etwas wie das Herz Europas geworden. Aber davon, ein starkes Zentrum zu sein, ist die Region weit entfernt. Es gibt weit mehr Sterbefälle als Geburten, viele junge Menschen wandern ab. Gebäude verfallen. Und dann noch Crystal.
Aber es ist nicht so, dass Dealer und Abhängige nur aus der Region stammen. Im Gegenteil. Inzwischen wird der aus Tschechien nach Deutschland geschmuggelte Stoff vor allem in Großstädten wie Nürnberg, München oder Frankfurt verkauft und konsumiert. Im Bereich des Polizeipräsidiums Mannheim - zuständig für Mannheim, Heidelberg und den Rhein-Neckar-Kreis - sind nach eigenen Angaben in den vergangenen Monaten bei Kontrollen zwar immer mal wieder geringe Mengen Crystal Meth sichergestellt worden. "Unter Drogenabhängigen spielt es aber nicht die Hauptrolle", sagt ein Sprecher. Viele würden unter anderem durch Medienberichte abgeschreckt.
Es gebe bundesweit ein Problem mit synthetischen Drogen, sagt der Bayreuther Suchtmediziner Roland Härtel-Petri. Aber wenn Schmuggler aufgegriffen werden, dann meist direkt nach der Grenze. Zum Beispiel vom Selber Zoll. 31 Kollegen gehören zur Dienststelle. Die Täter gehen geschickt vor. Stutzig werden Dürr und seine Kollegen, wenn es in einem Wagen besonders unordentlich ausschaut. Die Augen der Beamten sind geschult. Sie lassen sich von der Unordnung nicht täuschen, untersuchen dann etwa angeblich leere Getränkedosen, Saft-Tetra-Paks, Chipstüten, Cremedosen. Die Zollbeamten kennen alle möglichen Verstecke für die Substanz, die so aussieht wie grobkörniges Salz. Und dann gibt es noch den Körperschmuggel, bei dem beispielsweise Frauen ein mit Crystal Meth gefülltes Kondom nutzen. Heroin oder Kokain spiele beim Drogenschmuggel im Grenzgebiet kaum noch eine Rolle, sagt Dürr. Bis zu 98 Prozent der Drogenfunde seien Crystal Speed.
Der Handel sei lukrativ, ergänzt Martin Lochner vom Hauptzollamt Regensburg: Ein Gramm werde für 25 bis 40 Euro in Tschechien eingekauft, in Frankfurt beispielsweise werde bis zu 200 Euro dafür gezahlt. Das Zollamt ist zuständig für etwa 260 Grenzkilometer zwischen Tschechien und Bayern.
"Bauchgefühl spielt eine Rolle"
Irgendwo zwischen Selb und dem tschechischen Asch stoppt der Zoll den Kleinlaster eines Logistikunternehmens. "Es ist auffällig, dass hier zwei Leute drinsitzen", sagt Dürr. Kriterien dafür, welche Fahrzeuge man überprüfe, gebe es nicht. "Da spielen das Bauchgefühl und die Erfahrung eine große Rolle." Die Beamten checken Rucksäcke und Handschuhfach, ein Spürhund prüft die Ladefläche. Nichts. Die Männer dürfen weiterfahren. Als nächstes kommt ein Kleinwagen dran. Zwei junge Frauen haben in Tschechien Zigaretten gekauft. Auch hier kein Hinweis auf verbotene Substanzen.

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